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Erfolg für die Fluglärmgegner.

Nachtflugverbot in Frankfurt: Oder vom Versagen unserer Politiker

Das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen ist durchaus ein Erfolg. Aber der Streit um Lärm eine Folge des Versagens der Politik.

Ein Kommetar von Peter Rensch

Seit 34 Jahren fordern Flughafengegner ein Nachtflugverbot und  es ist verständlich, dass sie jetzt die Sektkorken knallen lassen. Foto: Thinkstock

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat das getan, was Politikern nicht gelang. Sie verhängten ein Nachtflugverbot und stellten die Belange der Bevölkerung über die der Wirtschaft. Und die Richter setzen noch eins drauf. Von 23 bis 5 Uhr dürfen gar keine Jets mehr über die Start- und Landebahnen rollen. Und in den Tagesrandzeiten von 22 bis 23 und von 5 bis 6 Uhr müssen die Flugbewegungen von 150 auf 133 reduziert werden. Das ist ein Erfolg und wird so manchem Anwohner wieder ruhige Nächte bescheren. Seit 34 Jahren fordern Flughafengegner ein solches Nachtflugverbot und  es ist verständlich, dass sie jetzt die Sektkorken knallen lassen. Doch Schlafen ist die eine Seite, Entspannung am Tag die andere. Wer einmal unter dem täglichen Lärmteppich in der Region rund um Frankfurt gestanden hat, kann nur mit dem Kopf schütteln. Tief, laut, unerträglich, diese drei Worte beschreiben exakt das, was die Menschen teilweise im Minutentakt ertragen müssen.

Ein gesundes Leben ist nicht möglich.

Mehr Flüge = mehr Profit

Der Konflikt zwischen Fluglärmgegnern und Flughafenbefürwortern hat einen gesellschaftlichen Stellenwert. Dem permanenten Wachstumsdrang unterliegt auch der Flughafenbetreiber Fraport. Mehr Flüge bedeuten mehr Gewinn. Immer häufiger treffen die konträren Ziele von Bevölkerung und Wirtschaft aufeinander.

Profitstreben auf der einen Seite, der Wunsch nach einem gesunden Leben und einer von Schadstoffen verschonten Umwelt auf der anderen. Die „Wutbürger“ gehen auf die Straße und propagieren lautstark ihre Forderungen. Sie sind es satt die Macht der Lobbyisten hinzunehmen und dafür mit einer verminderten Lebensqualität zahlen zu müssen. Dem Kampf zwischen Volk und Wirtschaft sieht die Politik recht tatenlos zu. Sie melden sich zu Wort, wenn Situationen eskalieren und es dem Wahlkampf dient. So wird auch, in Hinblick auf die Bundestagswahl 2013, so mancher Politiker die Lärmproteste nutzen, um Wähler auf seine Seite zu ziehen. Aber die Verfehlungen haben sich tief in das Langzeitgedächtnis der Bevölkerungen eingraviert.

Nachhaltige Politik ist nicht geprägt von kurzfristigen Entscheidungen bzw. leeren Versprechen. Immer wieder hört man, dass neue Einflugverfahren am Frankfurter Flughafen den Lärm reduzieren könnten. Die Tests dauern monatelang und die Politik hält sich raus. Warum schützt niemand per Gesetz die Interessen der Menschen, die krank werden vom Lärm? Warum rieseln Schadstoffe auf die Erde und keiner sorgt für eine Reduzierung? Solange die Wirtschaftsinteressen über denen der Menschen stehen wird es keine Ruhe geben. Und solange Lobbyarbeit Bürgerinteressen tilgt wird es immer mehr „Wutbürger“ geben, denn die verantwortlichen Politiker haben nicht nur in Hessen gezeigt, dass sie den Trend zu Nachhaltigkeit und zur Transparenz verschlafen haben.

Peter Rensch