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Was wirklich gegen Kinderkrankheiten hilft © panco971 (iStock)
Rückkehr der Masern

Diese Kinderimpfungen sind sinnvoll

Dr. Martin Hirte, Facharzt für Kinderheilkunde und klassische Homöopathie sowie Autor des Buches „Impfen - Pro & Contra“ erklärt uns den Sinn und Zweck von Kinderimpfungen.

Die Diphtherie ist nach Aussage von Dr. Hirte die gefährlichste Kinderkrankheit mit lebensbedrohlichen Auswirkungen, da auch die moderne Medizin oft machtlos sei gegen die Giftstoffe, die durch die Diphtheriebakterien gebildet werden. Der Kinderarzt empfiehlt deshalb die Impfprogramme nicht zu stoppen, auch wenn die Diphtherie auf Mangelernährung und schlechte Lebensbedingungen zurückzuführen sei.

Klassische „Kinderkrankheiten“ wie Masern, Windpocken, Mums oder Röteln könnten dagegen nur zu problematischen Erkrankungen führen, wenn sie in einem untypischen Alter auftreten.

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Dr Martin Hirte - Fachmann für Kinderheilkunde © medicalpress.de

Dr Martin Hirte - Fachmann für Kinderheilkunde © medicalpress.de

Masern sind nur schwer auszurotten

Wissenschaftlern und Medizinern ist es in Deutschland gelungen Krankheiten wie Diphtherie, aber auch Kinderlähmung fast nahezu komplett auszurotten, was jedoch im Fall von Masern schwer fallen dürfte. „Nach zwei Impfungen haben höchstens 95 Prozent einen bis ins Erwachsenenalter anhaltenden Schutz. Bei der angestrebten Impfquote von 95 Prozent bleiben also etwa zehn Prozent der Bevölkerung empfänglich für Masern“, erklärt Dr. Hirte. Es werde seiner Meinung nach immer wieder Menschen geben, die nicht gegen Masern geimpft oder durch die Impfung nicht richtig geschützt sind. Deshalb kann es immer wieder zu akuten Masererkrankungen kommen. Dr. Hirte empfiehlt eine Masernimpfung erst ab dem 16. Lebensmonat, da eine Impfung vor dem Alter von 15 Monaten eher zu einem Impfversagen führen kann.

Der Experte weist daraufhin, dass Impfprogramme auch ökologische Auswirkungen haben, beispielsweise das Verschieben von Krankheiten in höhere Altersgruppen. So ist die Gefahr an Masern zu sterben heute deutlich höher als in den 80er und 90er Jahren, weil die Hälfte der Erkrankten Erwachsene sind.

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Nach Einführung von Impfprogrammen treten die meisten Krankheiten zwar seltener auf, jedoch führt dies auch dazu, dass viele Menschen ihren Schutz nicht mehr auffrischen, was eine Wiedererkrankung fördert. Hierzu zählen beispielsweise Keuchhusten und die Gürtelrose. Keuchhusten kann mehrmals im Leben auftreten und die Gürtelrose könnte aufgrund der Windpockenimpfung in den nächsten Jahren stark zunehmen. Dazu Dr. Hirte: „Speziell die Windpockenimpfung aller Kinder halte ich für ein nicht nachhaltiges Impfprogramm, das uns noch große Probleme aufbürden wird. Man muss sich auch fragen, was die Impfung gegen die Hepatitis B - bei uns eine klassische Geschlechtserkrankung - im Impfkalender für Säuglinge soll. Da ist selbst eine einzige schwere Nebenwirkung eine zu viel.“

Krankheiten können auch einen positiven Effekt haben

Dr. Hirte weist auch darauf hin, dass manche Krankheiten einen durchaus positiven Effekt haben, der durch die Impfung verloren geht. „So deuten einige Studien darauf hin, dass die Mumpserkrankung Frauen vor Eierstockkrebs schützt. Windpocken vermitteln einen gewissen Schutz vor allergischen Erkrankungen, Diabetes und Knochen- oder Hirntumoren. Auch die Masern üben offenbar einen positiven Effekt auf das Immunsystem aus, doch man gerät schnell in den Verdacht, ein fundamentalistischer Impfgegner zu sein, wenn man darüber spricht oder schreibt“, erklärt der Facharzt für Kinderheilkunde.

Für besonders wichtig hält Dr. Hirte die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung und Masern. Man könne sie bei der stabilen epidemiologischen Situation auch ins zweite Lebensjahr verschieben, als einmalige Einzelimpfung - vor allem wenn das Kind gestillt werde und nicht passiv raucht. „Für die meisten weiteren Säuglings- und Kleinkinderimpfungen müsste das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko noch genauer bestimmt werden. Erwachsene sollten immun sein gegen Masern und Windpocken, Frauen zudem gegen Röteln und Männer gegen Mumps“, so Dr. Hirte.

Quelle: medicalpress.de
Text: Peter Rensch
Bilder: © panco971 (iStock) / medicalpress.de