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Nachhaltigleben.de Kommentar: Lebensmittelspekulation: Essenspreise steigen & Menschen verhungern

Nahrungsmittel sind unsere Lebensgrundlage. Gerade Menschen in der Dritten Welt, die auf jeden Bissen angewiesen sind, können sich teuren Weizen nicht leisten. Die Folgen von steigenden Preisen für die Grundnahrungsmittel liegen auf der Hand: Hungersnot und Hungertod. Doch noch immer zocken finanzgierige Banken mit Weizen, Soja, Zucker und anderen Agrarrohstoffen. 

Sie zocken, spekulieren, treiben die Preise in die Höhe, so als wenn es nie eine Finanzkrise gegeben hätte. Und sie sprechen von einem Kulturwandel, nehmen Worte wie Nachhaltigkeit und Humanität in den Mund. Hohle Versprechungen? Anscheinend ja. Wie Oxfam berichtet, gehört die Deutsche Bank zu den weltweit führenden Banken, die mit Nahrungsmitteln spekulieren. Alleine die Fondsgesellschaften Agrarrohstoffderivate verwalten 3,8 Milliarden Euro und andere Finanzinstitute wie beispielsweise die Allianz kommen auf 6,7 Milliarden Euro. Gigantische Summen mit denen die Rädchen bei den Preisen für Nahrungsmittel gedreht werden.

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Haben Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe keinen Platz in der Finanzwelt

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Auch die Kleinsten leiden Hunger. ©Getty Images News/Daniel Berehulak

Wollen wir Verbraucher das? Sollen wir es tolerieren, wenn Finanzjongleure ihren Profit in die Höhe treiben und damit jegliches Verantwortungsgefühl beiseiteschieben? Nein, sollten wir nicht! Wenn die Banker argumentieren, dann klingt das alles wie eine Banalität. Keineswegs seien sie daran schuld, wenn die Familie in Afrika kein Brot mehr zum Beißen hat. Außerdem bewege man sich auf dem Boden der Legalität. Es ist in einer Welt der gnadenlosen Spekulation sicherlich zu viel verlangt, wenn man die Worte Mitmenschlichkeit oder gar Nächstenliebe ins Spiel bringt. Diese Vokabeln existieren nicht, wenn es darum geht die Konten mit Milliarden zu füllen. Ich frage mich, ob es nicht eine armselige Form des Geldwechsels ist, wenn wir Entwicklungsgelder in Länder transferieren, die an Armut leiden, weil einige Institute Hunger provozieren, da sie die Preise in den Himmel jagen?

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Hoffnung auf neue Regelungen

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Täglich begegnen wir jetzt schon großer Not - aber es wird noch schlimmer. ©iStock

Wie immer kommen Schwarze Schafe nur zur Ruhe, wenn sie der Hütehund in die Schranken weist. Und dies hat nun das Europäische Parlament versucht. Mitte Januar gab es eine Einigung über die Neufassung der Europäischen Finanzmarktrichtlinien. Hierzu gehören auch neue Regeln bei der Spekulation mit Finanzderivaten auf Agrarrohstoffe wie Mais, Soja, Weizen und Zucker. Die britischen Vertreter wollten zwar wieder mal blockieren, doch sie wurden überstimmt. Die Hoffnung, dass die Spekulationen auf Nahrungsmittel nun eingeschränkt werden keimt auf. Doch die Finanzindustrie wird nicht klein beigeben. Der Oxfam-Experte David Hachfeld befürchtet, dass die Eindämmung der exzessiven Spekulation mit Nahrungsmitteln nur bedingt erreicht werden könne, da die Obergrenzen nicht auf europäischer Ebene, sondern von den nationalen Aufsichtsbehörden festgelegt werden. Es bestehe deshalb die Gefahr, dass sie zu weich ausfielen. Zudem könne ein regulatorischer Wettlauf nach unten zwischen den europäischen Finanzplätzen entstehen.

Zocken mit dem Geld der Kunden

Man muss die Frage stellen, warum einige Institute glauben, die Welt gehöre ihnen? Die Betonung liegt auf einige, denn es gibt durchaus Institute wie beispielsweise die BayernLB, die GLS Bank oder die DZ-Bank, die komplett die Finger von Spekulationen mit Nahrungsmitteln lassen. Wie groß war der Schaden den Banken durch die Finanzkrise angerichtet haben? Immense Summen, die fernab von der Vorstellungskraft eines Normalbürgers liegen. Das Image der Institute glich dem der italienischen Mafia. Und was wurde daraus gelernt? Wenig! Einige Banken gehen erst in die Knie, wenn das Gesetzt sie zwingt. Und auch dann noch suchen sie nach Löchern, durch die sie schlüpfen können.

Arme Welt! Anscheinend verdirbt Geld doch den Charakter. Ein Tipp für die Finanzgierigen: Wer zocken will, sollte das im Casino tun und zwar mit seinem eigenen Geld und nicht dem der Kunden.

Text: Peter Rensch