Weltweit sterben so viele Umweltaktivisten wie nie zuvor
Morde an Umweltaktivisten

Weltweit sterben so viele Umweltaktivisten wie nie zuvor

Sie verteidigen ihr Land, setzen sich für Mensch, Tiere und Natur ein und zahlen dafür mit dem Leben. Im Jahr 2016 wurden so viele Umweltaktivisten getötet, wie nie zuvor. Die Zahlen steigen stetig und selbst deutsche Firmen nehmen es mit den Menschenrechten nicht so genau.

Der Kampf zum Schutz unseres Planeten wird immer dramatischer und die Kosten können mittlerweile in Menschenleben gezählt werden. Die Nichtregierungsorganisation Global Witness gab bekannt, dass im Jahr 2016 mindestens 200 Umweltschützer weltweit ermordet wurden. Die meisten Umweltschützer starben in Lateinamerika, dort seien 60 Prozent der Tötungen registriert wurden. Allein in Brasilien wurden 49 getötete Aktivisten gezählt. Damit führt das Land die Liste der Staaten an. Der Kampf für den Amazonas-Regenwald sei dort zunehmend ein Kampf gegen kriminelle Banden, die die lokale Bevölkerung auf Geheiß von Holzunternehmen terrorisierten, so Global Witness. An zweiter und dritter Stelle stehen die Philippinen mit 33 Morden und Kolumbien mit 26 ermordeten Aktivisten. Global Witness Aktivist Ben Leather geht davon aus, dass die Dunkelziffer der Ermordeten noch höher liegt. „Immer mehr Menschen bleibt nichts anderes übrig, als sich dem Landraub oder der Umweltzerstörung entgegenzustellen“, betonte der Aktivist.

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Immer größerer Wettbewerb um schrumpfende Ressourcen

Besonders viele Umweltschützer seien in Konflikten mit Bergbaugesellschaften oder Ölförderungsunternehmen getötet worden. „Viele derer, die bedroht werden, sind normale Menschen, die sich Landnahme, Bergbaubetrieben oder dem kommerziellen Holzhandel entgegenstellen“, heißt es. Sie werden oft aus ihren Häusern vertrieben und seien hochgradig von Umweltzerstörung bedroht. Andere seien im Streit über Staudämme, Umweltverschmutzung und Tierschutz getötet worden. Die steigende Nachfrage nach Ressourcen und ein zunehmender Wettbewerb erhöhen stetig den Druck auf die Umwelt und die ansässige Bevölkerung.

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Weltweit sterben so viele Umweltaktivisten wie nie zuvor

Keine Strafen für Mörder

Die strafrechtliche Verfolgung der Taten ist dabei eine seltene Ausnahme. In den letzten zehn Jahren wurden gerade einmal zehn der Mörder von weltweit 908 getöteten Umweltaktivisten verurteilt. Häufig stecken Behörden und Sicherheitskräfte mit den Drahtziehern der Verbrechen unter einer Decke, so dass eine strafrechtliche Verfolgung unmöglich ist.

Global Witness sieht den traurigen Rekord als Symptom einer weitergehenden Tendenz: Immer mehr Regierungen schränkten weltweit die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit ein und versuchten zu verhindern, dass Organisationen der Zivilgesellschaft finanziell unterstützt werden. Die Organisation fordert von den Regierungen der betroffenen Länder, Umweltaktivisten besser zu schützen und die Verbrechen aufzuklären.

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Deutsche Firmen ebenfalls beteiligt

Auch deutsche Firmen sind weltweit an Energieprojekten beteiligt, die menschenrechtlich bedenklich sind. Zu dem Entschluss kam eine Studie von Germanwatch und Misereor zur globalen Energiewende. Seit 2011 gibt es zwar die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und seit Dezember 2016 auch einen vom Bundestag verabschiedeten Aktionsplan „Wirtschaft und Menschenrechte“, doch diese haben nur Empfehlungscharakter und sind nicht rechtlich bindend.

In die Studie flossen Angaben und Dokumentenauswertungen von 30 deutschen Unternehmen ein: darunter sind jeweils zehn Energieversorger, Zulieferer und Gashändler. Der Vorwurf bezieht sich nicht auf Menschenrechtsverletzungen durch die deutschen Firmen selbst, sondern durch die Projekte, an denen sie in unterschiedlichen Formen beteiligt sind. Mehr als zehn Fälle sind dokumentiert, in denen die Unternehmen ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht missachtet haben sollen.

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Quellen: Bilder: Flickr/Fibonacci Blue, CC BY 2.0; Depositphotos/renaschild, Text: Meike Riebe