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Fleischatlas 2018: Die Deutschen wollen Veränderung
Fleischatlas 2018

Fleischatlas 2018: Die Deutschen wollen Veränderung

Die Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die internationale Monatszeitung Le Monde Diplomatique haben den „Fleischatlas 2018 – Rezepte für eine bessere Tierhaltung“ veröffentlicht. Darin wird klar: die Verbraucher sind bereit – doch die Politik schläft noch.

Auch für den Fleischatlas 2018 haben die Autoren wieder jede Menge Fakten zusammengetragen. So etwa zu den Stichworten „Fleischkonsum“, „Dünger und Pestizide“, „Klimawandel“, „Tierhaltung“ und „Antibiotika“. Doch die Autoren machen auch klar, dass ein ökologischer Wandel in der Tierhaltung nur mit neuen politischen Strategien und einem geschärften Bewusstsein bei den Verbrauchern zu schaffen sei. Deshalb fordern sie die Umstrukturierung der Tierhaltung und bieten gleichzeitig Alternativen an, die der Politik klar machen sollen: so kann es gehen!

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Die Deutschen sind bereit

2016 zeigte eine Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums, dass inzwischen 88 Prozent der deutschen Bevölkerung bereit sind, mehr Geld für Fleisch auszugeben, wenn die Tiere besser gehalten werden. Eine repräsentative Umfrage des BUND ergab zudem, dass mehr als zwei Drittel der Befragten strengere Vorschriften zur artgerechteren Haltung von Nutztieren wünschen. Doch dem steht immer noch eine handlungsunwillige Politik gegenüber. Abgesehen von Ankündigungen, runden Tischen und Konzepten ist auf  Bundesebene kaum eine politische Veränderung eingetreten. Vom bisherigen Modell der Fleischproduktion, das auf unterschiedlichste Weise immense Kosten und Schäden verursacht, profitieren einige wenige Großunternehmen. Kleine und mittlere bäuerliche Betriebe haben weltweit das Nachsehen. Eine Umstrukturierung der Landwirtschaft sei also dringend notwendig.

Wenn Billigfleisch noch billiger wird

Aufklärung und geringerer Fleischkonsum

Und dazu braucht es vor allem Aufklärung, viele Kampagnen und politischen Mut, sich mit denjenigen anzulegen, die – auf Kosten von Mensch, Tier und Natur – am heutigen Produktionsmodell verdienen. Aber welche politischen Instrumente auch immer für den Wandel eingesetzt werden: Eine nachhaltige Fleischproduktion gibt es nur, wenn sich der Konsum verringert.

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85 Prozent mehr Fleisch bis 2050

Die Weltbevölkerung hat sich in den vergangenen 50 Jahren verdoppelt und die globale Fleischproduktion mehr als verdreifacht. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geht davon aus, dass sie bis zum Jahr 2050 noch einmal um 85 Prozent wachsen wird – wenn politisch kein neuer Kurs angesteuert wird. Deshalb fordert der BUND: einen geringeren Fleischkonsum, weniger Tiere und eine umweltschonende Tierhaltung.

Für kein anderes Produkt der Welt wird so viel Land benötigt wie für die Herstellung von Fleisch und Milch. Obwohl nur 17 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit von Tieren stammt, benötigen sie 77 Prozent des globalen Agrarlands. Und jedes Jahr wird die Ackerfläche für den Futtermittelanbau größer. Für Soja lag sie 1997 bei 67 Millionen Hektar, inzwischen sind es 120 Millionen.

Dünger und Pestizide 

Um solche Dimensionen zu erreichen, werden massenhaft Dünger und Pestizide eingesetzt. Vielerorts hat dieses bereits zu ausgelaugten Böden, Krankheiten der Landbevölkerung und Wasserknappheit geführt. Hinzu kommt, dass beim Sojaanbau die Unkräuter nach Jahrzehnten der Unkrautbekämpfung mit Glyphosat Resistenzen gegen die Spritzmittel entwickeln. 

Wenn Wälder und Grasland zu Monokulturen werden, weicht der im Boden gespeicherte Kohlenstoff als CO2 in die Atmosphäre und die Biopersität nimmt durch den massiven Einsatz von Dünger und Pestiziden ab.

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Die 5 größten Fleisch- und Milchkonzerne produzieren mehr CO2 als der Ölriese Exxon

In der Diskussion um den Klimawandel wurden den Auswirkungen der Fleischproduktion bisher nur wenig Beachtung geschenkt. Sie spielen auch bei den politischen Bemühungen um die Einhaltung des Klimaabkommens kaum eine Rolle. Dabei emittieren die fünf weltgrößten Fleisch- und Milchkonzerne mehr klimaschädliche Gase als der Ölriese Exxon.

Das liegt nicht allein am Methanausstoß verdauender Kühe, sondern vor allem an der exzessiven Futtermittelherstellung, bei der riesige Landflächen intensiv bewirtschaftet werden. Die 20 größten Konzerne der Branche übertreffen mit ihren jährlichen Emissionen sogar Deutschland, das viertgrößte Industrieland der Welt.

an wenigen Stellen zu viele Tiere

Antibiotika

Der Verbrauch von Antibiotika in der Tierhaltung wird bis 2030 um 50 Prozent steigen. Aber: Die Situation in Deutschland soll sich laut Fleischatlas deutlich verbessert haben. Mustergültig sind Dänemark und die Niederlande. Schlusslichter in der EU bleiben mit Abstand Italien und Spanien. Global sticht China heraus: Das Land verbraucht mehr als die Hälfte aller Tier-Antibiotika weltweit.

Ein Schweinestall der Zukunft

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Hier sind nochmal alle Forderungen des Fleischatlas 2018 im Überblick:

  • Ein GERINGERER FLEISCHKONSUM, weniger Tiere und eine umweltschonende Tierhaltung – das sind klimafreundliche, wirksame Mittel für globale NACHHALTIGKEIT UND GERECHTIGKEIT. 
  • Die GRÜNDE müssen überzeugend erklärt werden. Viele Menschen in Deutschland sind OFFEN dafür.
  • Damit die TIERHALTUNG DER ZUKUNFT gesellschaftlich akzeptiert wird, muss sie den Bedürfnissen der Tiere besser angepasst werden. 
  • Auf Fleisch und Wurst sollte eine verpflichtende staatliche KENNZEICHNUNG über die Art der Tierhaltung gut sichtbar angebracht sein.
  • Die knapp 60 MILLIARDEN EURO, die die EU jährlich im Rahmen ihrer Agrarpolitik ausgibt, sollten vorrangig in eine ÖKOLOGISCHE UND TIERGERECHTE LANDWIRTSCHAFT fließen.
  • Das GRUNDWASSER kann vor den Nitraten aus der Tierhaltung geschützt werden, indem die Zahl der Tiere pro Fläche begrenzt und ein STRENGERES DÜNGERECHT eingeführt wird. 
  • Das TIERWOHL kann gesichert werden, wenn strenge Standards für alle Nutztiere definiert sind und die Behörden deren Umsetzung kontrollieren. 
  • SUPERMÄRKTE haben aufgrund ihrer Marktmacht viel Gestaltungspotential. Ihre Initiativen zum Tierschutz müssen ambitioniert und MEHR ALS WERBUNG sein. 
  • Das INTERNET kann für kleine und mittlere Betriebe ein lukrativer Marktplatz sein. Sie KOMMUNIZIEREN intensiv mit ihrer Kundschaft – das unterscheidet sie von den Massenanbietern. 
  • Vom LABORFLEISCH bis zur INSEKTENZUCHT – auf vielen Wegen kann die Fleischproduktion mit technischen Mitteln nachhaltiger werden und OHNE TIERLEID auskommen.
  • Wird DAS GANZE TIER gegessen und nicht nur seine besten Stücke, steigt dessen Wertschätzung – und das Verscherbeln der VERSCHMÄHTEN TEILE in die ganze Welt geht zurück.

Den Fleischatlas 2018 kannst du hier kostenlos runterladen.

Demo „Wir haben es satt“

Demo „Wir haben es satt“

Der Fleischatlas 2018 erscheint im Vorfeld der Demonstration „Wir haben es satt“, bei der alljährlich Zehntausende Menschen in Berlin auf die Straße gehen, um für eine gerechte und nachhaltige Agrarpolitik zu demonstrieren. Sei auch du dabei! 

Wann: 20.01.2018, ab 11.00

Wo: Hauptbahnhof Berlin

Weitere Informationen dazu findest du hier: www.bund.net

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Quellen: "Fleischatlas 2018 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique", Bilder: "Fleischatlas 2018 von BUND, Heinrich-Böll-Stiftung, Le Monde Diplomatique", Text: Meike Riebe