Die weidende Kuh spart Wasser: Das Gras, das sie frisst, muss nicht zusätzlich bewässert werden

Was kostet ein Liter Milch? 100 Liter Wasser.

Wer einkaufen geht, schaut vor allem auf den Preis. Da wird oft zur günstigsten Milchtüte gegriffen. Selten wird an die Bedingungen gedacht, unter denen Milchbauern ökonomisch überleben müssen. Noch abstrakter wird es, wenn es um die Wasserverschwendung geht. Wie viel Wasser musste fließen, damit die Milch im Kühlschrank steht? Die Frage ist bedeutend, wenn man bedenkt, dass zwei Drittel der Menschen auf der Welt nicht genug Wasser haben.

Die UNO, die Vereinten Nationen, prognostizieren, dass 2025 zwei Drittel der auf der Welt lebenden Menschen nicht genug Wasser zur Verfügung haben werden. Wasser ist also ein knappes Gut. Aber was hat das mit uns zu tun?

Wir essen jeden Tag Gemüse, Kartoffeln, Getreide, Milch und Fleisch. Die Pflanzen müssen wachsen, die Tiere müssen gefüttert werden. Dazu braucht es nicht nur Energie, sondern unter anderem auch Wasser. Wie viel Wasser während der gesamten Herstellung verbraucht wird, gibt der „Water Footprint“ an. Aber Wasser? Davon haben wir doch hier genug, könnte man meinen. Aber tragischerweise werden Nahrungsmittel zu großen Teilen in Ländern produziert, wo das Wasser eben knapp ist.

Vanessa Bach und Markus Berger vom Institut für Technischen Umweltschutz der TU Berlin beschäftigen sich mit  Milch. Sie haben geguckt, wie viel Wasser man benötigt, um Ställe zu putzen, wie viel die Tiere trinken, aber vor allem, wie viel Wasser die Pflanzen brauchen, die die Kuh nachher frisst. Größte Wasserverbraucherinnen waren tatsächlich die Sojapflanzen, die bewässert werden müssen.

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„Es können leicht 400 Liter Wasser pro Liter Milch zusammenkommen, wenn der Bauer sein Vieh im Stall mit Mais, Luzernen (auch ein pflanzliches Futtermittel), Sojabohnen und anderen Futtermitteln versorgt, zu zum Großteil aus Nord- und Südamerika importiert werden.“, sagt Bach. Es macht also einen großen Unterschied, ob die Kuh auf der Weide grast oder ob sie importiertes Kraftfutter zu sich nimmt.

Berger betont, dass es wichtig ist, wo das Futter angebaut wird: „Es macht durchaus einen Unterschied, ob das Wasser in Deutschland, Spanien oder der Sahel-Zone verbraucht wird.“ Eine reine Angabe des Wasserverbrauchs macht also wenig Sinn, weil die Frage ist, wo das meiste Wasser verbraucht wird. Ist das in einem trockenen Land, wo es wenig Wasser gibt, so wird dieses „virtuelle Wasser“ in Form des Futters exportiert und fehlt vor Ort.

Um hierzulande billige Milch verkaufen zu können, werden Umweltauswirkungen in anderen Ländern hingenommen: Die Böden versalzen und der Grundwasserspiegel sinkt.

Aber es kommt auch darauf an, wie reich das Land ist, denn „Wassermangel kann in reicheren Ländern mit Technologien wie Entsalzungsanlagen kompensiert werden. Die ärmsten Staaten können das nicht.“, so Berger. Deshalb entwickelt Berger in seiner Doktorarbeit Gewichtungsfaktoren, die es mögliche machen sollen, verschiedene Regionen zu vergleichen.

Hochleistungskühe kommen schlecht weg: Ein Liter Milch einer solchen Kuh, die Kraftfutter frisst, verbraucht 16 Mal mehr Wasser als die Milch einer Weide-Kuh und 50 Mal mehr Wasser als die Milch einer Alm-Kuh.

Regionale Produkte und tierische Nahrungsmittel ohne Kraftfutter sollten bewusste Verbraucher also nicht nur wegen der kurzen Transportwege, sondern auch wegen des Wasserverbrauchs bevorzugen. Wenn Pflanzen nämlich bei uns bewässert werden, nutzen wir unsere eigenen Wasserressourcen und nicht die aus dürregefährdeten Regionen.

Quelle: idw – Informationsdienst Wissenschaft

Danijela Milosevic