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Glyphosat im Bier
Bier-Skandal: Kein Bier ohne Gift

Glyphosat in deutschem Bier

Mehr als einhundert Liter Bier trinkt jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. Wie sich jetzt zeigt, enthält das beliebte Gebräu aber nicht nur Brauwasser, Hopfen und Malz, wie es das deutsche Reinheitsgebot vorsieht, sondern auch Spuren des gefährlichen Pestizids Glyphosat. 

Bier gehört definitiv zu den Lieblingsgetränken der Deutschen. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 107 Litern ist es gar nicht mal so weit entfernt vom Trinkwasser, das mit etwa 120 Litern pro Person und Jahr zu Buche schlägt. Umso mehr Aufsehen erregt jetzt ein Test des Umweltinstituts München. Der unabhängige Verein hat die 14 meistgetrunkenen Biere auf Glyphosat-Rückstände untersucht und ist zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen: Alle enthielten Spuren des gesundheitsgefährdenden Monsanto-Pestizids. 

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Ernte mit dem Pestizid Glyphosat behandelt 

Wie kann das sein? Laut deutschem Reinheitsgebot darf Bier hierzulande aus drei Zutaten bestehen: Trinkwasser, Hopfen und Malz. Für Trinkwasser gilt eine Glyphosat-Untergrenze von 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/l) – diese Zutat kann also nicht für die Pestizid-Rückstände verantwortlich sein. Wahrscheinlicher ist, dass die Gerste oder der Weizen, aus denen das Malz gewonnen wird, belastet sind. Denn in der konventionellen Landwirtschaft und damit auch im Getreideanbau ist der flächendeckende Einsatz von Glyphosat gang und gäbe. Zwar darf Getreide, das für Brauzwecke vorgesehen ist, kurz vor der Ernte nicht mit dem Pestizid behandelt werden, doch die jetzt vom Umweltinstitut ermittelten Daten zeigen, dass eine Kontamination offenbar dennoch stattfindet.

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Monsanto macht Kasse mit gefährlichen Herbiziden

Glyphosat ist eine chemische Verbindung, die in den 1970er Jahren vom Agrarkonzern Monsanto entwickelt wurde und seitdem in der konventionellen Landwirtschaft und auch in Privatgärten als Unkrautvernichter eingesetzt wird. Das giftige Mittel tötet so gut wie alle Pflanzen, die damit in Berührung kommen. Immer wieder gibt es erschreckende Berichte über die Folgen des Einsatzes von Roundup (das ist der Markenname von Monsanto-Herbiziden) auch für Menschen, doch Monsanto leugnet die Gefahren von Glyphosat für Mensch und Natur. Kein Wunder, verdient der Megakonzern doch Milliarden an seinen Produkten, die überall auf der Welt zum Einsatz kommen. Und auch der EU-Kommission sind die Monsanto-Milliarden offenbar wichtiger als die Gesundheit ihrer Bürger: Bei einer Abstimmung Anfang März wird sie das Pestizid voraussichtlich wieder zulassen – ohne Einschränkungen und für die nächsten zehn Jahre.

Jedes Mikrogramm Glyphosat ist ein Mikrogramm zu viel

Kritiker des Biertests betonen derweil, wie gering die gefundenen Glyphosat-Mengen sind. Tatsächlich ist selbst der ermittelte Höchstwert von 29,74 (µg/l) für sich genommen nicht besonders hoch. Doch diese Argumentation lenkt vom eigentlichen Problem ab: Die Omnipräsenz des Pestizids sollte uns als Verbrauchern zu denken geben. Denn Glyphosat gefährdet unsere Gesundheit massiv. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft es als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ und  erbgutschädigend ein. Außerdem steht es im Verdacht, ins menschliche Hormonsystem einzugreifen und die Fruchtbarkeit einzuschränken.

Selbst wenn die im Bier gefundenen Rückstände also vergleichsweise niedrig sind, summieren sie sich mit allen anderen Glyphosat-Spuren, denen wir täglich ausgesetzt sind, zu einer enormen Belastung und Gefahr für unsere Gesundheit. Das Umweltinstitut nimmt deswegen die großen Brauereien in die Pflicht und fordert: „Glyphosat raus aus dem Bier“. Dabei zählt jede Stimme – machen Sie mit und unterschreiben Sie hier.  

Quellen: Umweltinstitut München e.V.; Die Lebensmittelwirtschaft e.V. Autor: Text:  Ronja Kieffer Fotos: Deposith/Olesya Kuznetsova