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Edelsalz »Fleur de Sel« mit Mikroplastik belastet
Plastikrückstände im Salz

Edelsalz »Fleur de Sel« mit Mikroplastik belastet

Das Edelsalz "Fleur de Sel" zählt zu den teuersten Meersalzen der Welt. In mühsamer Handarbeit von der Wasseroberfläche abgeschöpft, gelten die sogenannten Salzblumen als Feinkost. Wissenschaftler fanden in dem hochwertigen Meersalz jetzt Mikroplastik. In allen Stichproben konnten Plastikrückstände nachgewiesen werden.

In den Salzgärten der "Anbauländer" bildet sich Fleur de Sel als hauchdünne Schicht an der Wasseroberfläche. An heißen Tagen werden die zarten "Salzblumen"  mit einer Holzkelle abgeschöpft. Ihre kristalline Struktur macht es besonders knusprig und gibt dem Edelsalz seinen Namen. Doch gerade dieses edle Gourmetwürzmittel ist mit Mikroplastik belastet.

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Im Auftrag des NDR haben Wissenschaftler für das Verbrauchermagazin "Markt" fünf Salzproben auf Plastikrückstände untersucht. Untersucht wurden diese meistverkauften Sorten Fleur de Sel aus Supermärkten und Feinkostläden (Preis pro 100g):

  • Rewe feine Welt für 2,84 Euro
  • Aquasale für 3,19 Euro
  • Fleur de Sel aus der Camargue für 3,19 Euro
  • Fleur de Ibiza für 4,33 Euro in der Tüte und 8,33 Euro im Keramiktopf
  • Le Paludier de Guérande für 6,32 Euro

Zum Vergleich wurde herkömmliches Meersalz von Aldi, Edeka, Aquasale und Alnatura analysiert.

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Fleur de Sel enthält mehr Plastik als herkömmliches Meersalz

Fleur de Sel enthält mehr Plastik als herkömmliches Meersalz

Fleur de Sel enthält mehr Plastik als herkömmliches Meersalz

In mühsamer Handarbeit wird das Salz von der Wasseroberfläche abgeschöpft

In den Fleur de Sel Proben fanden die Wissenschaftler vom Institut für Biologie und Chemie des Meeres an der Universität Oldenburg  ein Gehalt an Mikroplastik zwischen rund 130 und 1800 Mikrogramm pro Kilogramm. Bei einer Sorte war eine Kunststoff-Faser sogar mit bloßem Auge deutlich zu erkennen.  Nachgewiesen wurden vor allem die Kunststoffarten Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET), die als typischer Bestandteil von Verpackungsmüll bekannt sind. Die Kunststoffpartikel sind mittlerweile in allen Weltmeeren zu finden und als Umweltproblem bekannt, da sie, insbesondere von den Meerestieren, mit der Nahrung aufgenommen werden. Die Untersuchung zeigte überraschenderweise auch, dass in klassischem Meersalz deutlich weniger Mikroplastik enthalten war, als in dem vergleichsweise teuren Fleur de Sel.

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Mikroplastik absorbiert gelöste Giftstoffe

Ein gesetzlicher Grenzwert für den Gehalt an Mikroplastik wurde noch von keinem europäischen Land festgelegt. Die im Fleur de Sel gefunden Mengen an Mikroplastik gelten derzeit für den Menschen noch als unbedenklich, obwohl Experten davon ausgehen, dass die Kunststoffpartikel samt Schadstoffe mit der Nahrung aufgenommen werden und gesundheitliche Folgen nicht auszuschließen sind. Nach Angaben von Prof. Dr. Edmund Maser vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Kiel kann Mikroplastik "organische Substanzen wie DDT, Dioxin, aber auch Schwermetalle anreichern und die Freisetzung dieser Stoffe im Körper beschleunigen". Es sei davon auszugehen, dass die Kunststoffteilchen dabei wie ein Vehikel funktionieren, dass die Schadstoffe in den menschlichen Körper transportiert. Die meisten Hersteller verwiesen auf Nachfrage zu den Recherchen des NDR auf ihre eigenen Qualitätskontrollen und stufen die gefunden Mengen für gering oder ungefährlich ein. Ein Produzent verweist darauf, dass Fleur de Sel nur für bestimmte Anlässe verwendet wird und im Allgemein seien, bei einer geringen Salzaufnahme von einigen Gramm pro Tag, die nachgewiesenen Mengen Mikroplastik unbedenklich.

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Quelle: Susan Penack, NDR, Bild: Depositphotos/natursports, robynmac, Syda_Productions, boonsom, Text: Tine Esser