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Lebensmittel-Lügen: Sägespäne im Erdbeer Joghurt
Die Lebensmittel-Lügen: Aroma

Lebensmittel-Lügen: Sägespäne im Erdbeer Joghurt und Kolibakterien im Vanilleeis?

Gehören Sie auch zu den Personen, die ihren Joghurt am liebsten mit Erdbeeren genießen, oder im Sommer zum Vanilleeis greifen? Da sind sie nicht alleine. Doch ist Ihnen bewusst, dass Sie darin tatsächlich kaum bis gar keine Erdbeeren oder Vanille vorfinden? Wir haben genauer hingesehen und klären Sie auf, was es mit den Bezeichnungen „Aroma“, „natürliches Aroma“ und „Geschmack“ auf sich hat und wie wenig Frucht Sie wirklich für Ihr Geld erhalten.

Da legt man sich voller Vorfreude den Erdbeer Joghurt oder das Vanilleeis in seinen Einkaufswagen, und dann das: In den meisten Fällen ist das, was auf der Verpackung abgebildet ist – frische, leckere Erdbeeren und hübsch drapierte Vanilleblüten oder Vanilleschoten – kein Bestandteil im Produkt.

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Vanilleeis ist das Lieblingseis der Deutschen, der Lieblingsjoghurt der Erdbeerjoghurt. Traurig, dass gerade diese Lebensmittel immer wieder mit Gerüchten, Lügen und Tricksereien der Produzenten in Zusammenhang gebracht werden. Aufklärung über die wahren Inhaltsstoffe von Erdbeer Joghurt und Vanilleeis gibt es dabei kaum. Lesen Sie, worauf Sie zukünftig beim Einkauf achten sollten, um den Lebensmittel-Lügen der Hersteller ein Schnippchen zu schlagen.

Was bedeuten Aroma, natürliches Aroma, Fruchtzubereitung und Geschmack?

Für Verwirrung und Verunsicherung sorgen schon die Bezeichnungen auf den Verpackungen: Aroma, natürliches Aroma, Geschmack oder Fruchtzubereitung. Wissen Sie wofür diese Begriffe stehen und was beispielsweise in einem Joghurt oder im Eis enthalten ist? Falls nicht, genieren Sie sich nicht. Die wenigsten Verbraucher besitzen einen Überblick. Wie auch? Regelmäßig sucht die Lebensmittelindustrie neue Lücken im Lebensmittelrecht, verändert zum Beispiel ihre Verpackungsgröße, passt den Preis aber nicht an. Oder die Hersteller bilden Kennzeichen auf ihren Produkten ab, die gesetzlich nicht geschützt sind (Beispiel "Region").

  • Steht die Bezeichnung Aroma allein in der Zutatenliste, handelt es sich um einen Geschmack, der ausschließlich durch chemische Stoffe erzeugt wird.

  • Entgegen unseres ersten Eindrucks bedeutet die Bezeichnung „natürliches Aroma“ nicht, dass das Aroma der Frucht entstammt, auf die Sie sich im Joghurt, Eis und Co. freuen. Der Geschmack wird lediglich aus pflanzlichen Ausgangstoffen gewonnen – dazu zählen auch Pilze und Holz! Holz im Joghurt? Eventuell haben Sie schon gehört, dass oftmals mit Joghurt in Zusammenhang Sägespäne ins Spiel gebracht werden.
    Zur Beruhigung: Nein, Sie essen keine Sägespänne. Allerdings essen Sie Vanillin, das aus Holz gewonnen wurde. Dieser Aromastoff ist ebenfalls in Erdbeeren enthalten, lässt sich leicht aus den Holzspänen gewinnen und sorgt mit anderen Aromastoffen dafür, dass der Erdbeergeschmack entsteht.

  • Nur wenn „Natürliches Fruchtaroma“, wie zum Beispiel „Natürliches Erdbeeraroma“, oder „Aroma aus Erdbeeren“ auf dem Etikett steht, muss das Aroma zu mindestens 95 Prozent aus Erdbeeren entstammen.

  • Die Geschmacksrichtung eines Produkts lautet leckerer „Erdbeergeschmack" oder Eis mit „Vanillegeschmack“? Diese Bezeichnung ist gleichzusetzen mit „natürlichem Aroma“. Erdbeeren oder echte Vanille findet man hier vergeblich. Ein Joghurt mit Erdbeergeschmack ist eben nur ein Joghurt mit Aroma – ohne Erdbeeren.

  • Finden Sie auf dem Etikett eines Joghurts o. ä. den Aufdruck „mit Fruchtzubereitung“, muss der Fruchtanteil gerade einmal 3,5 Prozent des Joghurts ausmachen. Die Fruchtzubereitung selbst besteht aus verarbeitetem Obst, Aromastoffen, einer Zuckerlösung und Verdickungsmitteln.

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Doch warum enthalten Joghurts, Tee, Chips und selbst Zahnpasta überhaupt Aromen?

Konventionelle Joghurts, Eis, Chips und Co. würden ohne die zusätzlichen Aromen nicht so schmecken, wie es die Verbraucher heutzutage erwarten. An den künstlich intensiven Geschmack haben die Hersteller die Kunden gewöhnt – sie waren in der Vergangenheit äußerst großzügig mit der Verwendung von Aromen. Um bei dem Beispiel Erdbeerjoghurt zu bleiben: Grundsätzlich darf jeder Joghurt die Bezeichnung „Erdbeer Joghurt“ tragen, der mindestens sechs Prozent Erdbeeren enthält.

Wie viele Erdbeeren sind wirklich in meinem Joghurt?

Erdbeeren

Bei einem Fruchtanteil von 6% enthält ein 500g Glas Erdbeer Joghurt lediglich 2,5 Erdbeeren!

Das folgende Beispiel soll verdeutlichen, wie wenig Frucht Sie für Ihr Geld erhalten:
Nehmen wir an, dass eine Erdbeere circa 12 Gramm wiegt und ein Glas Joghurt 500 Gramm Erdbeer Joghurt enthält. In diesem Fall entsprechen von 500 Gramm sechs Prozent 30 Gramm. 30 Gramm wiederum entsprechen 2,5 Erdbeeren. Das bedeutet folglich: Sie dürfen sich auf beachtliche 2,5 Erdbeeren in einem 500 Gramm Glas Erdbeer Joghurt freuen!

  • Eine Erdbeere wiegt circa 12 Gramm

  • Ein Glas enthält 500 Gramm Joghurt

  • 6 Prozent von 500 Gramm entsprechen 30 Gramm (500 x 0,06=30)

  • 30 Gramm entspricht 2,5 Erdbeeren (30/12=2,5)

Wird der vorgeschriebene Fruchtanteil genau eingehalten oder übersteigt er diesen nur gering, überrascht es wenig, dass für den gewohnten Erdbeergeschmack die Zugabe von Aromen notwendig ist. In einem Joghurt „mit Fruchtzubereitung“ muss der Fruchtanteil gerade einmal 3,5 Prozent des Joghurts ausmachen. Bei einem 500 Gramm Glas bekommen Sie sage und schreibe 1,5 Erdbeeren für Ihr Geld. Das wirft direkt die nächste Frage auf:

Woraus bestehen die Stückchen in Ihrem Joghurt?

Wenn also in der Regel nur 1 bis 3 Erdbeeren in einem Joghurt enthalten sind, auf welchen Stückchen kaut man dann herum? Für die schönere Optik und um Ihnen vorzugaukeln, dass Sie Erdbeerstückchen in Ihrem Joghurt haben, werden dem Joghurt Pressrückstände hinzugefügt! Oft handelt es sich dabei um Apfelstückchen aus der Saftherstellung, die mit entsprechenden Aromen versetzt werden, um nach Erdbeere zu schmecken. Eine Alternative zu dieser Methode ist die Verwendung von Algenklümpchen! Sie haben richtig gelesen: Algen. In Kombination mit der „richtigen“ Farbe – beispielsweise aus Roter Bete – sieht der Joghurt gleich viel appetitlicher aus.

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Vanille, Vanillin und Vanillearoma: Was ist drin im Vanilleeis?

Vanilleeis

Eigentlich erwartet man als Verbraucher schon einen Anteil von echter Vanille im Vanilleeis, oder? An dieser Stelle müssen wir Sie enttäuschen. Es ist nämlich nicht gesetzlich festgelegt, wie viel Vanille in einem Vanilleeis verarbeitet sein muss, damit es der Bezeichnung gerecht wird. Die Produzenten können also selbst festlegen, ob und wie viel Vanille sie einem Eis hinzugeben.

Hinzu kommt, dass es um das Gewürz Vanille momentan nicht gut steht. Aufgrund künstlicher Verknappung, Spekulationen und schlechter Ernten sind die Kosten für das weltweit begehrte Naturaroma innerhalb weniger Jahre von circa 40 Euro pro Kilogramm auf mehrere Hundert Euro angestiegen. Unter anderem deshalb entfällt der Großteil der Produktion auf Eis „mit Vanillegeschmack“. In diesem Eis ist keine Vanille aus dem Mark der Vanilleschote enthalten, sondern ebenfalls Vanillin.
Als „Vanilleeis“ darf im Umkehrschluss nur Eis bezeichnet werden, das mit dem Gewürz verfeinert wurde, welches aus den fermentierten Schoten bestimmter Orchideenarten gewonnen wird.

Bei Eis aus der Großproduktion müssen Sie lange suchen, bis Sie beispielsweise „vermahlene Vanilleschoten“ in der Zutatenliste finden. Echter Vanillegeschmack entwickelt nur das Vanillemark – häufig werden Sie es vergeblich bei den Zutaten finden.

Statt echter Vanille nur Aroma und sogar Kolibakterien im Eis?

Die Hersteller mogeln und tricksen, was das Zeug hält. Immerhin stehen ihnen keine gesetzlich vorgeschriebenen Richtlinien gegenüber, was die Verwendung echter Vanille im Eis angeht. Den hohen Preisen geschuldet, bedienen sich die Eishersteller anderer Möglichkeiten, einen Vanillegeschmack zu erzeugen. Was für den Erdbeer Joghurt gilt, gilt auch für das Eis: ein „natürliches Aroma“ weißt nicht etwa darauf hin, dass der Geschmack mit dem Aroma des Vanillemarks zusammenhängt. Die Hersteller ersetzen echte Vanille durch synthetische oder biotechnologische Stoffe. Zum Beispiel können aus 100 Kilogramm Fichtenholz circa drei Kilo Vanillin gewonnen werden. Aber auch mit Hilfe von Bäckerhefe und sogar von Darmbakterien, die chinesische Forscher entwickelt haben, sparen die Hersteller in der Produktion.

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Weisen kleine schwarze Punkte im Eis auf Vanille hin?

Ja, aber auf den Geschmack haben sie keinen Einfluss. Die zerriebenen oder gehackten Schalen der Vanilleschoten sind – wesentlich billiger und – ein Nebenprodukt und es ist nicht gewährleistet, dass wertvolles Vanillemark verarbeitet wurde.

Viel Luft im Eis: Mogelpackung Eis

Mogelpackung Eis

Hersteller von industriell hergestelltem Eis schlagen viel Luft in die Eismasse ein um ein höheres Volumen zu erreichen.

Kaufen Sie im Supermarkt Eis, dann bezieht sich der Preis auf das Volumen und nicht auf die Masse des Produktes. Dies machen sich die Hersteller von industriell hergestelltem Eis zunutze, in dem sie viel Luft in die Eismasse einschlagen. Auf diese Weise wird das Eis cremiger als das Eis, das in handwerklicher Produktion entsteht. Der wesentlich höhere Luftanteil macht einen höheren Gewinn für die Hersteller möglich. Die Kasse klingelt!

Vanilleeis ohne Kokosfett? Eine Frage der Qualität

Die American Heart Association warnt vor dem Verzehr von Kokosfett, da regelmäßiger Konsum Fettstoffwechselstörungen begünstigt. Auch in Vanilleeis ist oftmals Kokosfett enthalten. Möchten Sie auf den Verzehr des günstigeren Kokosfetts verzichten, dann müssen Sie auf die Bezeichnung „Eiscreme“ achten. Für „Eiscreme“ darf ausschließlich Fett aus Milch verwendet werden – ausgenommen ist Kakaobutter in Schokoeis. Kokosfett darf das teurere Milchfett nur anteilig ersetzen, wenn der Hersteller die Bezeichnung „Eis“ für sein Produkt wählt.

Lassen Sie sich den Genuss nicht verderben. Ab sofort sind Sie mit den wichtigsten Informationen zu den Punkten Zusatzstoffen und Bezeichnungen im Erdbeerjoghurt und Vanilleeis versorgt. Und falls Sie den ganzen Lügen und Mogelpackungen der Industrie aus dem Weg gehen wollen: Machen Sie Eis doch einfach selbst.

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Quellen: Bilder: Depositphotos/TunedIn61, dusan964, franckito, koss13, niknikpo, Text: Jasmine Barendt