Fair Phone bringt Fair Trade Smartphone ohne Kinderarbeit und Umwelt-Schaden
Fair Phone vs. Apple

Das erste faire Smartphone: Frei von Umweltsünden und Ausbeutung

Der Ansatz ist gut, keine Ausbeutung, keine Unterstützung militärischer Konflikte und garantiert umweltfreundlich soll das erste Fair Trade Smartphone, das FairPhone, in der Produktion aller Rohmaterialien und Bestandteile sein. Doch es gibt sehr viele Baustellen auf dem Weg zum nachhaltigen Mobiltelefon, die die beiden Entwickler der gemeinnützigen „Waag Society“ überwinden müssen. Vodafone hat die Zeichen der Zeit erkannt und sponsert die Entwicklung.

Bas van Abel und Miquel Ballester Salva heißen die beiden Entwickler, die das FairPhone entwickeln und produzieren. Sie wollen letztlich die widrigen Umstände in allen Stufen der Handyproduktion, aber auch die vieler anderer Elektronikprodukte darstellen und  überwinden. Ihr Hauptziel ist es letztlich, der mobiltelefonierenden Welt eine Alternative und Wahlmöglichkeit zu geben, die so heute noch überhaupt nicht existiert.

Gerade die Big Player in der Mobiltelefon-, aber auch in der Elektronikindustrie im Allgemeinen, winken ab, wenn es alleine schon um wichtige Metalle und deren konfliktfreie Herkunft geht. FairPhone schreibt in seinem Internetblog, dass eine wahnsinnige Maschinerie von Ausbeutung (siehe Textilindustrie), Kinderarbeit, Morden und Vergewaltigungen hinter den wichtigsten Erzen für die Elektronikproduktion steht. Nur ein Beispiel: 150.000 Minenarbeiter gibt es im Kongo, 50.000 davon sind alleine Kinder, manche sind sogar erst sieben Jahre alt. Leider gilt, so ein kongolesischer Minenarbeiter zu den FairPhone-Entwicklern: „No mines, no money. No money, no life“ (Ohne Minen kein Geld. Ohne Geld kein Leben.“)

Anzeige

Fair Phone bringt Fair Trade Smartphone ohne Kinderarbeit und Umwelt-Schaden

Erschreckend: Alleine im Kongo müssen für den westlichen Elektronikluxus 50.000 Kinder in Minen schufen; teilweise sind sie nur 7 Jahre alt. FairPhone will dies ändern. (c) FairPhone

FairPhone und warum es manche Metalle noch nicht konfliktfrei gibt

Konflikt-Metalle aus dem Kongo sind etwa mit den Blutdiamanten aus Sierra Leone vergleichbar, so FairPhone. Besonders die ‚3 Ts‘, auch ‚3 TGs‘ genannt sind hierbei besonders konfliktbehaftet. Sind viele Metalle oder Erze für die Elektroindustrie zwar in anderen Ländern und aus konffliktfreier Herkunft erhältlich, so sind es die 3 Ts hauptsächlich aus dem Kongo. Doch das Land exportiert laut FairPhone diese Stoffe aber nicht selbst; sie werden von bewaffneten Truppen ins benachbarte Ausland geschafft, etwa Ruanda.

Ruanda beispielsweise, ein Land, dass kein Coltan oder nur sehr wenig davon als eigenen Rohstoff hat, hat in einem Zeitraum von 18 Monaten 250 Mio. Dollar mit nachweislich aus dem Kongo stammenden Coltan umgesetzt. Im Kongo befinden sich rund 80 Prozent des weltweiten Vorkommens dieses wertvollen Rohstoffes.

Neben Coltan – nötig, um Tantalum zu produzieren, das wiederum in Handyakkus benötigt wird – sind Casserit und Wolframit die seltenen Stoffe, um die sich laut FairPhone die Konflikte drehen. Cassiterit  ist nötig, um Zinn auf Leiterplatten zu fixieren, Wolframit, um hiermit kleine Handy-Vibratoren herzustellen. Nimmt man das ‚G‘ bei 3 TG‘ hinzu, dann ist auch Gold unter den Konfliktmaterialien in der Elektroproduktion zu zählen. Obwohl Gold auch aus anderer Quelle erhältlich ist, bei der es keine bewaffneten Konflikte, Umweltschäden oder Kinderarbeit in den Minen gibt, stammt viel Gold aus dem Kongo. Auch hier, im Zweifelsfall geschmuggelt in arabische Länder oder den asiatischen Raum, um dort mit anderen Erzen aus der ganzen Welt verschmolzen zu werden.

Fair Phone bringt Fair Trade Smartphone ohne Kinderarbeit und Umwelt-Schaden

Nein, vermeintlich spektakuläre Neuentwicklungen will das Team von FairPhone nicht bieten, sondern einfach nur ein multifunktionales Smartphone mit nachhaltigen Wurzeln. (c) FairPhone

Fair Trade Smartphone: Gute Ansätze, aber noch viel zu tun

Abel und Salva haben noch ein gutes Stück Arbeit vor sich, haben es jedoch bereits jetzt geschafft, definitiv ‚sauberes Zinn‘ für ihr FairPhone zu erhalten. Gerade sind die beiden Entwickler zudem dabei, konflikt- und kinderarbeitsfreies Coltan selbst im Kongo zu organisieren. So soll Schritt für Schritt das erste Fair Trade Smartphone entstehen, selbst die Vertriebswege sollen dann nachhaltig sein. Um zunächst aber eine breite Masse zu erreichen und auf die Problematik wie die Wahlmöglichkeit mit dem FairPhone öffentlich zu machen, entschied man sich für Vodaphone als leistungsstarken Distributor des fairen Mobiltelefons.

Zunächst soll das FairPhone auf einem Crowdfunding-Portal im Juni 2013 eingestellt werden, um das Startkapital für die ersten 10.000 Fair Trade-Smartphones zu generieren. Diese sollen voraussichtlich im Herbst 2013 erhältlich sein.

FairPhone – mehr als nur faire Rohstoffe und Produktion

Das Ziel von Abel und Salva ist es übrigens, nicht nur konfliktfreie Rohstoffe zu finden. Vielmehr will FairPhone ein 100 prozentiges Recycling erzielen, eine wahre und absolute Kreislaufwirtschaft. Dann würde sich das Problem der Ausbeutung von Mensch und Umwelt von ganz alleine lösen. Zumindest weitestgehend. Und, ist erst einmal eine profitable Produktion möglich – was bei kritischen Konsumenten sicher alsbald der Fall ist -, wird auch die Distribution ‚fair‘ verlaufen. Der Startpreis soll übrigens bei 250 – 300 Euro liegen, zwar keine neuen Innovationen à la Apple bieten, aber die benötigen auch die wenigsten. Dafür wird garantiert mehr als ein Prozent des Neupreises an die Menschen gehen, die zur Produktion beigetragen haben.

Wer informiert sein will wann es das erste faire Smartphone gibt, kann sich bei FairPhone registrieren.

Quelle: FairPhone, Text: Jürgen Rösemeier