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Smart City: Die umweltfreundlichsten Städte der Welt

Die smartesten Städte der Welt: Umweltfreundlich und lebenswert

„Smart City“ – ein Begriff für jene Städte, die sich mittels nachhaltiger Informationen, viel Engagement und der Nutzung grüner Technologien derart engagieren, dass sich die Lebensverhältnisse der Städter entscheidend verbessern, der Einfluss auf die Umwelt oder der Energieverbrauch drastisch reduziert wird. Diese sieben Städte haben nachhaltige, zukunftsorientierte Konzepte.

San Francisco: Freie Fahrt für Elektroautos, Jobmotor grüne Technologie und mehr

San Francisco, eine der lebenswertesten Städte in den USA, setzt voll auf nachhaltige Technologien und Innovationen. Das Ziel, bis 2020 komplett müllfrei zu sein scheint dank einem ausgeklügeltem Recyclingsystem, welches heute schon 80 Prozent des städtischen Mülls abdeckt bald erreicht. Schon heute wird das städtische Stromnetz mit 41 Prozent Erneuerbare Energien gespeist. Ein Teil hiervon steht für insgesamt 110 Ladestationen für Elektroautos zur Verfügung, die derzeit größte Dichte weltweit. Der Anteil an Erneuerbaren Energien soll weiter steigen, um so den CO2-Ausstoss massiv zu drosseln. Zudem ist die ‚Smart Grid‘ Technologie (engl. intelligente Stromnetze) ein wahrer Jobturbo. Schließlich wurden Software-Entwickler mit allen möglichen Zahlen aus dem Rathaus gefüttert, um allerlei Prozesse nachhaltig zu optimieren. So gibt es alleine 60 Apps alleine für den öffentlichen Verkehr.

Tokyo: Smart City oder mit vereinter Kraft die Atomkraft verabschieden

Tokyo hat bereits 2006 damit angefangen, die Innenstadt massiv zu begrünen. Bis 2015 sollen alle Strommasten verschwinden und durch Bäume ersetzt werden. Eine Million Bäume sind das Ziel. Zudem werden attraktive Anreize all jenen Privathaushalten und Unternehmen geboten, die auf Erneuerbare Energien setzen, auf Elektromobilität und Hybridtechnik.

Vor den Toren Tokyos entsteht derzeit ein Vorzeigedorf, welches von Panasonic umgesetzt wird und voll auf grüne Technologien setzt. Mehr hierzu lesen Sie hier: Nachhaltige Stadtentwicklung: Ein Leben in Öko-Utopia wird wahr.

Panasonic ist eines der japanischen High-Tech-Firmen, die Tokyo bei dem stringenten Weg in eine nachhaltige Zukunft begleiten.

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Amsterdam: Die ‚Climate Street‘, ein Vorzeigeprojekt für die ganzen Niederlande

Amsterdam nutzte unter anderem das Know-how von großen und kleinen Unternehmen wie Cisco oder IBM und schloss mit diesen eine Partnerschaft, um eine Vorzeigestadt im Sinne der Nachhaltigkeit und ein Vorreiter in Sachen grüner Technologien zu werden. Heute wird beispielsweise Müll mit dem Elektro-LKW abgeholt und obwohl viele der alten Gebäude noch einen Retro-Look besitzen, so sind ihre Dächer dennoch hocheffizient gedämmt.

Smart City: Die umweltfreundlichsten Städte der Welt

Die Stadt der Grachten und Kanäle, Amsterdam, setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit grünen Unternehmen und Forschungsinstitute, um die grünste Stadt Europas zu werden. Bürgebeteiligung inklusive. © Thinkstockphotos

Tausende Gebäude wurden mit energiesparender Dimmer-Technik und LEDs ausgestattet, Die Smart Meter-Technik wurde via Handy zugänglich, um Echtzeitanalysen des tatsächlichen Stromverbrauchs durchzuführen oder typische Grachtenboote wurden auf Elektro umgestellt und können ihre Batterien an öffentlichen Tankstellen füllen. Die sind nur ein paar der vielen Maßnahmen, die sich mehr und mehr in der Stadt verbreiten oder geplant sind und als Vorbild für das ganze Land dienen sollen.

Startpunkt war die Einkaufsmeile Utrechtsestraat, die nach und nach zur ‚Climate Street‘ werden soll. Hier wird und wurde eine energieeffiziente, sensorgesteuerte Straßenbeleuchtung installiert, solarbetriebene öffentliche Mülleimer, die durch einen Mechanismus den Müll pressen – dadurch muss nun fünf Mal weniger der Müll abtransportiert werden – oder es wurden zentrale Wasseranschlüsse für die Straßenreinigung installiert, die viele Kilometer an Wegen einspart. Insgesamt hat Amsterdam Milliarden in nachhaltige, grüne Technologien investiert, weitere folgen, die sich dank der Einsparmöglichkeiten schnell amortisieren. Derzeit sind 32 Projekte installiert oder vor der Umsetzung. Möglich ist diese Entwicklung durch eine enge Kooperation zwischen der Stadt, innovativen Unternehmen und Forschungsinstitute. Auf bis dato 60 Führungen konnten sich die Amsterdamer übrigens ein nachhaltiges Bild von den Maßnahmen machen. Bis 2040 will Amsterdam weltweit zu einer der Topstädte in Sachen Nachhaltigkeit sein.

Stockholm: Grüne Hauptstadt 2010

Bereits 2010 wurde die Hauptstadt Schwedens von der EU zu Europas grüner Hauptstadt gewählt. Der Grund: Viele praktische Lösungen, um eine nachhaltig grüne Stadt zu werden. Dies reicht bis zu Steuererleichterung für jene Unternehmen, die Bewegungsmelder installieren, die die Beleuchtung steuern. Auch ein effizientes ÖPNV-System gehört dazu.

Smart City: Die umweltfreundlichsten Städte der Welt

Das schwedische Stockholm war 2010 'die grünste Stadt Europas'. Kein Wunder, wird in der 1.000 Grünanlagen-Stadt doch auf eine nachhaltige Stadtentwicklung in vielerlei Hinsicht gezählt. © Thinkstockphotos

Insgesamt 1.000 mehr oder weniger große Parks machen Stockholm auch optisch zur grünen Oase. Daher leben 90 Prozent der Stockholmer nicht mehr als 300 Meter von einer grünen innerstädtischen Insel entfernt. Die Stadt produziert aus Abwässern Biodiesel für städtische Fahrzeuge, selbst das Wasser in der Kanalisation ist an ein Wärmerückgewinnungssystem angeschlossen. Schließlich haben sich bis heute 3.000 Clean-Tech-Unternehmen in der Stadt angesiedelt.

Kopenhagen: Eine der nachhaltigsten und smartesten Städte der Welt

Dänemark ist eines der Länder mit der meisten und ältesten Erfahrung in nachhaltiger Städteplanung. Bereits 1925 kam es zu ersten Planungssitzung in Kopenhagen, um eine durchdachte Stadt zu erbauen. Das ehrgeizige Ziel ist es, mittels vielerlei Maßnahmen bis 2025 CO2-neutral zu sein.

Viele innovative Unternehmen haben sich angesiedelt, die ihre nachhaltigen, grünen Technologien in den Straßen der Stadt testen. So leben beispielsweise 40.000 Kopenhagener in einer nachhaltigen Nachbarschaft, die heute schon als Paradebeispiel für eine grüne urbane Zukunft gilt. Hier schaltet sich die ehedem schon energiesparende Straßenbeleuchtung zu bestimmten Zeiten aus, Autoverkehr ist tabu, Messinstrumente kontrollieren die Luftqualität, Handys können auf die Verkehrsüberwachung zugreifen, um Staus zu vermeiden oder Solarzellen speisen öffentliche Einrichtungen. Zudem gilt das öffentliche Verkehrssystem als revolutionär gut organisiert.

Wien setzt auf Biomasse und Solar

Heute schon werden 75.000 private und öffentliche Gebäude mit nachhaltiger Energie aus einem der größten Biomasse-Kraftwerke Europas versorgt. Bis 2020 werden insgesamt 300.000 Quadratmeter Solarzellen installiert sein. Der öffentliche Transport ist hocheffizient und sehr gut ausgebaut, ein Chipsystem berechnet automatisch die Transportdistanz und damit die Fahrkosten.

Alles andere, als ‚Schlaflos in Seattle‘

Das ist vielleicht einzigartig: Seattle setzt im Gebäudebereich massiv auf Energieeffizienz. Attraktive Steuererleichterungen erwarten all jene, die ihr Haus energieeffizienter machen, etwa durch die Isolierung. Doch, wer sich dies aufgrund seines Einkommens nicht leisten kann, profitiert vom ‚Weatherization Assistance Program‘. Dies ist ein Programm, welches Hausbesitzer mit geringen finanziellen Mitteln aus Stadtgeldern unterstützt bei Optimierungsmaßnahmen wie die Dämmung des Hauses, dem Fenstertausch, neuen Stromleitungen, usw. Jede Menge Energie wird hierdurch eingespart, was letztlich wieder der Stadt zugutekommt und nachhaltig die Stadtfinanzen schont. Letztlich wurde Seattle dadurch zu der Stadt in den USA mit dem geringsten Pro-Kopf-Ausstoß an CO2 und jene Stadt mit dem geringsten Stromverbrauch, gemessen an vergleichbar großen Städten.

Smart City: Die umweltfreundlichsten Städte der Welt

Das nordamerikanische Seattle ist ein Magnet für Green-Tech-Firmen und eine richtige Smart City. Wer sich hier keine Energieoptimierung seines Hauses leisten kann, bekommt über das Weatherization Assistance Program auch schon mal Geld von der Stadt. © Thinkstockphotos

Zudem haben sich mittlerweile 300 Green-Tech-Firmen angesiedelt, die tausenden von Menschen Arbeit geben.

Nachhaltige Stadtentwicklung in einem Ausmaß, der mehr als lobenswert ist und zukunftsgerichtet. Man darf gespannt sein, wann deutsche Städte in solch einem großen Stil ihre Verantwortung angehen. Die kanadische Metropole Vancouver jedenfalls will die hier genannten Städte noch überflügeln und bis 2020 zu grünsten Stadt der Welt werden. Mehr dazu, lesen Sie hier.

Quellen: amsterdamsmartcity.com,  dac.dk, sustainable-city.org, Freshome, sustainableseattle.org, wien.gv.at, Text: Jürgen Rösemeier