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Viele, neue Elektrogeräte gehen schnell kaputt und werden zu Elektroschrott.
Reparieren liegt im Trend

Neue Nachhaltigkeit - Reparieren statt wegwerfen

Früher war es gang und gäbe, dass Dinge repariert wurden, wenn sie nicht mehr richtig funktionierten. Mit etwas handwerklichem Geschick und technischem Know-How war es möglich, die Lebensdauer verschiedener Geräte zu verlängern. Viele Entwicklungen in unserer heutigen Konsumgesellschaft haben dies jedoch zunehmend verdrängt. Erst in der letzten Zeit ist es wieder in Mode gekommen, selbst Hand anzulegen und liebgewonnene Gegenstände zu reparieren, statt sie wegzuwerfen und etwas Neues zu kaufen.

In vielen Bereichen entwickeln die Menschen heute wieder ein gewisses Bewusstsein für Nachhaltigkeit und ökologisches Handeln, wenn es um kaputte Dinge geht. Es wird uns von der Werbung und dem Handel einfach gemacht, beschädigte oder nicht mehr funktionsfähige Gegenstände durch neue zu ersetzen. Doch immer häufiger versuchen wir Verbraucher, der Ursache auf den Grund zu gehen, und etwas wieder zu reparieren. Individuelle Gegenstände, die uns ans Herz gewachsen sind müssen dann nicht in die Mülltonne wandern.

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Oft nur kleine Beschädigungen

Meist genügt ein durchgeschmorter Widerstand oder ein defektes Kabel und schon funktioniert der Wasserkocher, das Bügeleisen oder die Stehleuchte nicht mehr. Je nachdem was uns das Gerät Wert ist und über welche handwerklichen Fähigkeiten wir verfügen, wird entschieden, was damit geschieht. Allzu oft wandert das ehemals hoch geschätzte Stück dann sehr schnell im Abfall. Dabei sind meist nur wenige Handgriffe notwendig, um den Fehler zu beheben.

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Auch bei äußeren, rein optischen Beschädigungen folgt häufig recht schnell das Todesurteil. Wenn Dinge nicht mehr ansehnlich sind, möchten sich viele lieber davon trennen und für einen neuen, makellosen Ersatz sorgen. Dabei kann unter Umständen auch hier noch etwas gerettet werden. Mit etwas Geschick ist es möglich, oberflächliche Schäden auszubessern.  

Geplante Einschränkung der Lebensdauer

Dies versuchen die Hersteller jedoch seit langem zu unterbinden. Sollbruchstellen oder andere Methoden, die Lebensdauer von Gegenständen künstlich zu begrenzen sind kein Geheimnis mehr. Viele elektronische Geräte geben regelmäßig kurz nach Ablauf der Garantiezeit den Geist auf. Viele Firmen begrenzen die Lebensdauer ihrer Produkte auf eine bestimmte Zeit, um dann wieder neue Ware verkaufen zu können. 

Eine Reparatur ist dabei nicht vorgesehen. Verschiedene Maßnahmen sorgen dafür, dass es erschwert oder unmöglich ist, selbst Hand anzulegen um ein Gerät wieder funktionsfähig zu machen:

§  Kleben und Verschweißen: Viele Produkte, vor allem aus Kunststoff, sind mit einem fest verschlossenen verschweißten oder verklebten Gehäuse konzipiert worden. So ist es meist nicht möglich ans Innere zu gelangen, ohne die äußere Hülle dabei zu beschädigen. Manchmal sind jedoch auch im Inneren Teile fest verbaut und können nicht ausgetauscht werden.

Hier kann es helfen, bereits beim Kauf darauf zu achten, dass das Gerät beispielsweise mit Schrauben geöffnet werden kann.

§  Verwendung von Spezialschrauben: Manchmal werden jedoch auch Schrauben mit speziellem Kopf eingesetzt, die nur mit Hilfe eines Spezialwerkzeugs herausgedreht werden können. Oft ist dies jedoch auch als Schutz gedacht, denn meist ist dies bei Geräten der Fall, welche besser von einem Fachmann repariert werden sollten.

Wer sich die Reparatur zutraut, kann sich im Fachhandel das notwendige Werkzeug besorgen. Ansonsten sollte ein Profi zur Rate gezogen werden.

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§  Billigware: Durch den Einsatz minderwertiger Materialien, geringer Wandstärken und schlampiger Verarbeitung sind viele Produkte bewusst nicht auf eine lange Lebensdauer ausgelegt. Dann wird eine Reparatur wirtschaftlich auch uninteressant, weil eine Neuanschaffung in der Regel günstiger ist.

Dieser Entwicklung kann entgegengewirkt werden, wenn beim Kauf auf Qualität geachtet wird. Es lohnt sich, das Preis-Leistungs-Verhältnis zu prüfen. Zudem sollte auf eine Garantie für das Produkt geachtet werden.

§  Keine Ersatzteile: Ein weiterer Trick ist es, für ein Produkt speziell gefertigte Einzelteile zu verwenden, die für eine spätere Reparatur jedoch nicht erhältlich sind.

Häufig, jedoch nicht immer, sind Geräte von namhaften Herstellern eher dazu geneigt, im Falle einer Reparatur auch entsprechende Ersatzteile anzubieten. Dies richtet sich jedoch auch stark nach Art und Größe des Produkts.

Komplexität der Produkte

Gerade moderne Elektrogeräten sind heute so kompliziert geworden, dass der normale Verbraucher oft nicht mehr viel ausrichten kann. Bereits niederkomplexe Haushaltsgeräte wie eine Küchenwaage oder ein Staubsauger sind bereits mit Chips und Platinen ausgerüstet, für dessen Verständnis die grundlegenden Kenntnisse von Elektronik nicht mehr ausreichen.  

Dennoch sollten solch hoch ausgerüsteten Geräte uns nicht davon abhalten, eine Reparatur trotzdem in Erwägung zu ziehen. Nicht immer muss der Fehler gleich an der hochkomplexen Steuertechnik liegen. Auch dann lohnt es sich, einen Blick aufs Innere zu werfen und die bekannten Bauteile auf Beschädigungen zu untersuchen. Für Waschmaschinen oder andere Haushaltsgeräte finden sich meist im Internet detaillierte Anleitungen mit einer genauen Beschreibung, wie das Gehäuse geöffnet wird und an welchen Stellen nach Fehlern gesucht werden kann. Wer dann selbst Hand anlegt kann oft Geld sparen, denn wenn ein Fachmann vom Hersteller gerufen wird, ist meist schon die Anfahrt recht teuer.

Unterstützung im Repair Café

Wer sich selbst nicht so gut auskennt, aber dennoch ein bestimmtes Stück bei einer Beschädigung nicht gleich wegwerfen will, kann sich beispielsweise Hilfe in einem Repair Café suchen. Zur niederländischen Non-Profit-Organisation gehören inzwischen in vielen Ländern zahlreiche lokale Gruppen, die jedem bei einem bestimmten Reparaturvorhaben mit Know-How oder auch Werkzeug zur Seite stehen können.

Wenn Verbraucher nicht mehr weiter wissen.

Im Repair-Café finden Verbraucher Hilfe.

Auch in Deutschland engagieren sich Ehrenamtliche Helfer hier mit ihren individuellen Fachkenntnissen. Zu bestimmten Zeiten oder im Rahmen von Veranstaltungen können dann reparaturbedürftige Dinge mitgebracht und gemeinsam wieder ans Laufen gebracht werden. Zudem steht meist ein Pool an Werkzeug oder auch Fachliteratur zur Verfügung.

In Sachsen-Anhalt finden sich Repair-Cafés inzwischen an mehreren Orten entsprechende Einrichtungen:

§  Dessau: VorOrt Raparaturcafé und Die MachBar

§  Halle (Saale): Repair Café und Reparaturklinik im Eigenbaukombinat

§  Magdeburg: Repair Café und soliRADisch

§  Stendal: Repair Café

§  Wernigerode: Repair Café

Ein wichtiger Hintergrundgedanke der verschiedenen Initiativen ist, dass das Wissen, wie Dinge repariert werden, nicht verloren geht. Wurde dies früher automatisch an die jüngeren Generationen weitergegeben, wird nun versucht, den Wissenstransfer auf eine andere Weise zu erhalten. Im Zuge dieser Entwicklung wurde von einigen Verfechtern des Reparaturgedankens dazu sogar ein Manifest entwickelt.

Bewusstsein für Qualität

Seit einiger Zeit ist der Trend zu beobachten, dass viele sich wieder für handwerkliche Tätigkeiten interessieren. In der heutigen digitalisierten und entmaterialisierten Welt ist es zunehmend wichtig geworden, sich neben Smartphone oder e-Book auch mit handfesten Dingen zu umgeben. Handarbeiten und Werken erleben derzeit einen Boom. Handwerklich gefertigte Produkte und Angebote von lokalen Herstellern sind wieder gefragt.

Individuell gestaltete Objekte und Produkte stehen im Kontrast zu uniformierter Massenware. Immer häufiger wird wieder bewusst entschieden, ob lieber etwas Hochwertiges gekauft wird, oder ein Billigartikel im Einkaufswagen landet. Zuletzt sind vermehrt auch Produkte, die bisher als Investitionsgüter galten, wie Haushaltsgeräte oder auch Fahrräder zu Modeartikeln geworden. Die Werbung suggeriert uns dazu, die jeweiligen Trends mitzumachen, und regelmäßig für den aktuellen Ersatz zu sorgen. 

Für diese Entwicklung mussten die Produkte billiger produziert werden, damit sie der Kunde entsprechend günstig erwerben kann. Dabei wird jedoch wenig auf die eingesetzten Ressourcen und energieintensive Herstellungsprozesse geachtet. Der Kunde muss selbst entscheiden, ob er hierbei mitmacht, oder auf Nachhaltigkeit setzt.

Reparieren statt neu kaufen

Produkte, die auf eine längere Lebenszeit ausgelegt sind, kosten zunächst mehr, bleiben uns jedoch auch ein treuer Begleiter. Oftmals wachsen uns die Dinge dabei auch besonders ans Herz, weil wir bestimmte Erlebnisse oder Erfahrungen mit ihnen verbinden. Viele Objekte bekommen mit der Zeit auch gerade durch ein wenig Patina einen ganz besonderen Charme. Dann wird auch die Bereitschaft größer, das gute Stück bei einem Defekt reparieren zu wollen, statt sich davon zu trennen.

Nicht alle, aber viele Produkte können durch wenig Aufwand wieder funktionsfähig gemacht werden. So werden Ressourcen gespart und meist auch der Geldbeutel geschont. Die Neugierde, wie Dinge aufgebaut sind und wie sie funktionieren ist wichtig für alle, die sich dafür interessieren, Gegenstände selbst zu reparieren. Wer trotzdem Hilfe benötigt, findet sie heute dank der zahlreichen Initiativen wieder.

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Quelle: Bild, Bild: Fotolia, © Polarpx, Depositphotos/photography33, Autor: red