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Sachspenden in Syrien ©innatura
Innatura die Spenden-Plattform

Sachspenden: Wegschmeißen oft günstiger als Spenden?

Ob Shampoo, Waschmittel, Haushaltsreiniger oder Deo – fabrikneue Ware, die sich nicht mehr verkaufen lässt, wird in Deutschland lieber weggeschmissen als gespendet. Der Grund: Wegschmeißen ist günstiger. Die gemeinnützige Organisation Innatura hat einen Weg gefunden, diesem Irrsinn ein Ende zu bereiten.

Dass Lebensmittel, die mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum ausgeschrieben sind, tonnenweise im Müll landen, ist bekannt. Was viele jedoch nicht wissen: auch Drogerieprodukte, die nicht schlecht werden können, werden palettenweise weggeworfen.

Die Gründe für den Drogerie-Müll

Die Gründe für das Wegwerfen sind aus ökologischer und moralischer Sicht oftmals nicht nachvollziehbar. So gehört zur ausrangierten Ware z.B. Sonnenmilch, die gerade keine Saison hat und deren Lagerkosten teurer wären als ihre Entsorgung. Das Gleiche gilt für Aktionsware oder „Special Editions“, die im Überfluss produziert werden und nach der Aktion nicht mehr ins Sortiment passen.

Artikel mit fehlerhaften Etiketten oder zu geringer Füllmenge landen als B-Ware ebenfalls im Müll.

Lager der gespendeten Artikel ©Karin Desmarowitz

Die gemeinnützige Organisation Innatura bringt Hersteller dazu Produkte zu spenden, anstatt zu vernichten. 

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Ein weiteres Problem für den Hersteller, sind beschädigte Verpackungen oder Paletten, denen, im Rahmen einer Qualitätskontrolle, ein Produkt entnommen wurde. Da die Ware in Gewichtseinheiten verkauft wird, nimmt der Handel unvollständige Paletten nicht an. Denn wenn nur ein Produkt fehlt, hat die Palette das falsche Gewicht und die Ware müsste per Hand gezählt werden. Das wiederum würde zu hohe Personalkosten verursachen.

Retouren sind aus betriebswirtschaftlicher Sicht ebenfalls ein weiterer Grund für die Tonne. Diese wieder einzusortieren und in den Handel zu bringen, wäre zu teuer. Vor allem der Online-Versand bekommt massenweise Fehlkäufe zurückgeschickt.

Spenden sind zu teuer

Wenn die Artikel für den Handel nicht mehr zu gebrauchen sind, warum kann man sie dann nicht wenigstens spenden? Der Grund dafür ist das deutsche Steuerrecht. Hierzulande ist es günstiger Produkte wegzuwerfen, als sie zu verschenken oder zu lagern. Das liegt daran, dass Spenden beim Finanzamt als Umsatz gelten, für die eine Umsatzsteuer ans Amt abgeführt werden muss.

Die Entsorgung der Produkte hingegen ist sehr viel günstiger und kann zusätzlich als Betriebsausgabe abgesetzt werden.

Für Backwaren wurde das Umsatzsteuergesetz 2012 jedoch geändert. Dass das auch für alle anderen Produkte geschieht, dafür kämpfen die Mitarbeiter von „innatura“.

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Juliane Kronen ©Karin Desmarowitz

Juliane Kronen ist Gründerin der Organisation Innatura.

Innatura sammelt fabrikneue Sachspenden

Innatura ist eine gemeinnützige Organisation, die Hersteller dazu bringt, ihre überflüssigen Produkte zu spenden, anstatt sie zu vernichten. Innatura übernimmt die gesamte Logistik und Qualitätssicherung der Prozesse, so dass die Spenden an Organisationen, wie der Flüchtlings-, Obdachlosen- oder Kinder- und Familienhilfe weitergegeben werden können. Die Spendenempfänger zahlen dafür eine Vermittlungsgebühr von 5 bis 20 Prozent des früheren Ladenpreises. So kann innatura die eigenen Kosten für Logistik und Personal decken.

Gegründet wurde die Organisation von der ehemaligen Unternehmensberaterin Juliane Kronen, die ihren inzwischen 160 Spendern garantieren muss, dass die Produkte nur an gemeinnützige Organisationen weitergereicht werden, damit niemand auf die Idee kommt, damit auf dem Schwarzmarkt zu handeln oder sie im Laden zurückzugeben. 

Damit eröffnet innatura Firmen die Möglichkeit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung in einer ganz neuen Größenordnung zu vereinen. 

Mehr Infos oder direkt spenden: Innatura

Sachspenden für Straßenkinderhilfe ©innatura

Sachspenden als Unterstützung in der Straßenkinderhilfe.

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Quellen: innatura, Bild Jugendlicher: © innatura, Bild, Syrien: © Barada Syrienhilfe e.V., Bild, Julia Kronen und Lagerbild: © Karin Desmarowitz,  Text: Meike Riebe