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Nachhaltige Dachbegrünung in Beirut wie die Hängenden Gärten der Semiramis.
Die Hängenden Gärten

Die Hängenden Gärten von Semiramis werden in Beirut zur Realität

Semiramis war der Legende nach vor weit mehr als 2.000 Jahren die grüne Oase des alten Babylons. Nachhaltig von dieser alten Form der Begrünung inspiriert, plant ein Architekt nun das staubige und wenig grüne Beirut mit Dachgärten zu bepflanzen. Die Menge der Pflanzen entspricht weit mehr, als jener im New Yorker Central Park.

Einfach soll sie gehalten werden, der Hitze und Trockenheit Paroli bieten können. Die nachhaltige Begrünung der Beiruter Dächer – Innenstadt wie Vororte – soll auf einfache wie kostengünstige Weise die baumleere, unter einer Dunstglocke liegende libanesische Stadt zu einer grünen Oase umzugestalten. Der Hintergrund ist, dass die Architekten die Stadt nachhaltig begrünen wollten, mit dem Ziel, eine schönere Atmosphäre zu schaffen und eine deutliche Luftverbesserung in einer Stadt zu bewirken. Bis dato erstickt Beirut im wahrsten Sinne in Autoabgasen.

Doch Freiflächen sind in Beirut Mangelware. Selbst am Straßenrand ist so wenig Platz, dass auch hier keinerlei Bepflanzungsmöglichkeiten bestehen. Was liegt näher, als auf die vielen vorhandenen Flachdächer der Mehrfamilienhäuser auszuweichen? Bis auf ein paar Bars werden Beiruts Dächer nicht genutzt.

Wonder Forest: Nachhaltige Dachbegrünung für eine bessere Umwelt

Dachgärten für Beirut: Gegen Umweltverschmutzung und für lebenswerteres Umfeld

 

Beirut wird nachhaltig grün durch einfache Dachbegrünung. Vorbild: Semiramis. Umweltverschmutzung mildern und den Menschen mehr Lebensqualität bieten. Eine höchst ungewöhnlichen Begrünung. (Bilder anklicken zum Vergrößern)

Hier geht es zur Fotogalerie.

Das Projekt von Architekt und Stadtplaner Wassim Meki vom StudioInvisible nennt sich «Wonder Forest», Wunderwald. Die Namensgebung scheint logisch, denn in dieser unwirtlichen Gegend, geprägt von Trockenheit und einem hohen Schadstoffanteil in der Luft scheint alles andere, als eine ideale Gegend für einen «Wald» zu sein. Doch, von Wald im eigentlichen Sinne kann man hier nicht sprechen. Alleine weil die alten Gebäude, teilweise 50 Jahre alt und älter, kaum die Tragkraft hätten, komplett bepflanzt zu werden.

Die zweite entscheidende Herausforderung: Das Klima. Da dies vergleichbar mit dem mediterranen Klima ist, fiel die Wahl auf Oliven und Zitronen, sowie unempfindliche Sträucher, die mit der vorhandenen Feuchtigkeit, den Temperaturen und nur ein Kubikmeter großen Kübeln sehr gut zurecht kommen. Nachhaltiger Nebeneffekt: Die Hausbewohner können eine kleine, aber feine Oliven- und Zitronenernte einfahren.

Bei einer errechneten Menge von 18.500 Hausdächern im ganzen Stadtgebiet von Beirut, würde der Wonder Forest genauso viele Bäume beherbergen wie der große New Yorker Central Park, vorausgesetzt, es wäre nur eine einzige Pflanze auf jedem Dach. Doch, es sollen viel mehr werden. Direkt auf den unter den Dächern befindlichen Stützpfeilern, sollen etwa 3 – 4 Meter hohe Pflanzen in Zukunft stehen.

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Das Problem der Bewässerung des Wonder Forest

Auch trockenheitsverträgliche Pflanzen benötigen regelmäßig Wasser. Sind sie in so kleinen Kübeln eingepflanzt und nicht tief im Erdreich verwurzelt, erst recht, wenn es im Sommer mediterran heiß wird. Doch der Niederschlag alleine würde nicht ausreichen. Daher wird ein System installiert werden, dass das Regenwasser aus der regenreichen Zeit plus das Kondenswasser aus den unzähligen Klimaanlagen an den Fassaden der Beiruter Häuser sammeln wird. So würde, laut Mekis Plan, die Wasserversorgung gesichert.

Der Wonder Forest: Ein Plan der bald in die Tat umgesetzt wird

Derzeit arbeitet das Architektenteam an einem Prototypen sowie der finalen Präsentation beim Umweltministerium und den Stadtoberen. Werden die Pläne des Wonder Forest Ende Januar abgesegnet, so wird Beirut schon bald die Nachfolge der legendären Hängenden Gärten vom Semiramis antreten können.

Nachhaltig: Beirut erhält innovative Dachbegrünung mit Oliven und Zitronen.

Nicht Feigen, sondern Zitronen und Oliven werden den Menschen bald fast in den Mund wachsen. Foto: © Fotolia

Ein richtiger Wald auf, genauer, an Mailänder Wohngebäuden entsteht derzeit und soll noch dieses Jahr bezugsfertig sein. Was für Vorteile der vertikale Wald den Bewohnern bringt und wie das sensationelle Projekt umgesetzt wird, lesen Sie hier.

Thema Dachbegrünung: Geschätzte 8 Millionen Quadratmeter entstehen jedes Jahr in Deutschland. Welche Vorteile es für den Hausbesitzer hat, welche Mehrwerte und wie das Ganze in Bildern aussieht, lesen Sie im Artikel über Dachbegrünungen.

Quelle: StudioInvisible, Text: Jürgen Rösemeier