Urlaub vom Elektrosmog
Urlaub vom Elektrosmog

Ausgeloggt: Urlaub vom Elektrosmog

Vom Elektro-Fasten bzw. Digital Detox haben die meisten schon einmal gehört. Neuerdings werben Hotels und ganze Regionen sogar mit elektrofreien Urlauben. Einfach mal freimachen ohne Handy, Laptop, Tablet und mit sicherem Abstand zum nächsten Funkmast. Die Idee kommt gut an – denn immer mehr Menschen wollen in ihrer Freizeit den elektronischen Verpflichtungen entkommen. Doch der analoge Urlaub hat noch einen anderen Hintergrund: Elektrohypersensibilität.

Reiseanbieter haben das Problem längst erkannt: Immer mehr Menschen fühlen sich durch elektronische Geräte und die ständige Erreichbarkeit gestresst. Einige leiden sogar regelrecht unter der Funkstrahlung und werden als elektrosensibel bezeichnet. Aus diesem Grund gibt es Reisekonzepte, die versprechen: „Hier wird nicht gefunkt!“

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elektrosensible Menschen können z.B. an Kopfschmerzen leiden

Elektrosmog kann z.B. Kopfschmerzen verursachen

Was ist Elektrohypersensibilität?

Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Atemnot, Schwindel, Unfruchtbarkeit, Burnout und sogar Krebs sind nur einige der Symptome, an denen elektrosensible Menschen leiden. Die Zahl derer, die auf elektromagnetische Strahlen mit unterschiedlichsten Symptomen reagieren, steigt weltweit an.

Noch ist Elektrohypersensibilität als Krankheit in Deutschland nicht offiziell anerkannt. Das für den Schutz der Bevölkerung zuständige Bundesamt für Strahlenschutz hat jahrelang versucht, Elektrohypersensibilität in Studien nachzuweisen, jedoch ohne Erfolg. Mittlerweile gilt das Krankheitsbild als ausgeforscht, weitere Studien sind vom Bundesamt zurzeit nicht geplant. Auch einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Mobilfunkstrahlung konnte das Bundesamt für Strahlenschutz nicht nachweisen. Ausgeschlossen wird ein Krebsrisiko deshalb jedoch noch nicht, da ein "Unschädlichkeitsbeweis" ebenso fehlt.

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Umweltmediziner und Krebsforscher erzählen eine andere Geschichte: In über 700 Studien konnten sie bereits belegen, dass Funkstrahlung biologische Effekte nach sich zieht. Die Forscher gehen davon aus, das die permanente Belastung mit hochfrequenten elektromagnetischen Wellen zu oxidativen Stress in den Zellen führt, der auf Kurz oder Lang für eine ganze Reihe verschiedener Krankheiten ursächlich ist.

Vor allem in außereuropäischen Ländern wurden in den letzten Jahren Sendemaststudien durchgeführt. In zwei neuen iranischen Studien wurde die Häufigkeit von Krankheitssymptomen von Anwohnern, die im Umkreis von 300 m um die Anlage wohnen, mit jenen, die weiter als 300 m entfernt wohnen, verglichen. Die Ergebnisse zeigten, dass die Personen, die in einem Abstand von bis zu 300 m zu einer Basisstation lebten häufiger unter Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Reizbarkeit, Unbehagen, Nervosität, depressive Anzeichen, Schlafstörung, Gedächtnisstörung und verminderte Libido litten.

Flucht vor Elektrosmog

Wer besonders sensibel auf elektromagnetische Strahlung reagiert, hat so gut wie keine Möglichkeit dem zu entkommen. Mehr als ein Drittel aller Deutschen nutzen inzwischen das Internet, vor allem in Ballungsgebieten sind mehrere WLAN-Netze gleichzeitig in einer Wohnung zu empfangen. Und dann gibt es auch noch Funkverkehr an sogenannten Hotspots, Hotels, Gasthäusern, Cafés oder in Bahnhöfen. Selbst wenn man auf Smartphone, W-Lan-Router und Laptop verzichtet, so ist man der Dauerbestrahlung von Sendemasten und den Endgeräten der Umgebung schutzlos ausgeliefert.

Ab ins Funkloch

Ab ins Funkloch – die neuen Erlebnisreisen liegen im Trend

Aufgrund ständiger Erreichbarkeit können immer mehr Menschen nicht einmal mehr im Urlaub richtig abschalten. Deshalb bieten manche Gesundheitshotels und Öko-Ferienanlagen inzwischen die Möglichkeit, die digitalen Geräte an der Rezeption abzugeben. Andere verzichten völlig auf W-Lan und stellen Internetkabel in den Gruppenräumen zur Verfügung.

Viele Hotels rüsten nach und lassen sich den Umbau einiges kosten. Dort werden Leitungen an Wänden und Decken abgeschirmt und den Fernseher gibt es nicht einmal auf Sonderwunsch. Der Gast reguliert mit einem Technikkasten selbst, wann er off- oder online ist und hat sogar die Möglichkeit sich komplett vom Stromnetz abzukoppeln.

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Andere Unterkünfte untersagen das Mitbringen von Handy und Co. sogar ganz und werben damit, in einem Schutzgebiet, also in einer strahlungsfreien Zone zu liegen. So avanciert das Funkloch in manchen abgelegenen Regionen plötzlich zum Vorteil. Besinnliche Berghüttenaufenthalte und Klosterurlaube liegen im Trend. Und manche Ferienanlagen sind sogar nur per Seilbahn zu erreichen und bieten sogenannte „Funkstille-Pakete“ an.

Perfekt durchdacht und konzipiert arbeiten einige Hotels auch nach dem Motto: „Zurück in die Vergangenheit“. Dort „fehlen“ nicht nur Internet und Fernsehen, sondern man lebt gleich ganz wie im 19. Jahrhundert und schläft in Antiquitäten-Betten oder auf Stroh, ohne fließendes Wasser.

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Quellen: Bilder: Depositphotos/toxawww, natalipopova, Rawpixel, Text: Meike Riebe