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Küche der Zukunft – Digital? Smart? Nachhaltig?
So Kochen wir Morgen

Küche der Zukunft – Digital, Smart, Nachhaltig

Die Digitalisierung hält in Zukunft immer mehr Einzug auch in unsere eigenen vier Wände. Smarte Lichtsteuerung oder Sicherheitstechnik sollen unser Leben noch komfortabler machen. Auch die Küche ist seit einiger Zeit in den Fokus von Entwicklern und Designern geraten, die hier innovative Konzepte schmieden. Wie sieht sie aus, die Küche der Zukunft, und wie nachhaltig wird sie dabei sein?

Kühlschränke, die fehlende Nahrungsmittel von selbst im Internet nachbestellen oder Backöfen, die sich passend zum jeweiligen Gericht minutiös programmieren lassen – solche technischen Innovationen gibt es bereits, auch wenn sie bislang nur in wenigen Haushalten zu finden sind. Gerade die elektrischen Geräte, von denen es in der Küche durchaus einige gibt, bieten sich für innovative und meist digitale Zukunftskonzepte an.

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Wird die Küche künftig zu einem intelligenten Raum, der verschiedene Aufgaben wie Einkaufen, Lagern, Recyceln und sogar das Kochen in weiten Teilen automatisch für uns übernimmt? 

Küche und Kochen im Wandel

Doch wollen wir das überhaupt? Die Küche ist in den letzten Jahren verstärkt wieder zum Wohnungsmittelpunkt geworden. Sind das Essen und seine Zubereitung einige Zeit aus unserem alltäglichen Fokus geraten, hat das gemeinsame Kochen und Speisen bei vielen inzwischen wieder einen höheren Stellenwert eingenommen. Statt Fast Food und Dinner to Go stehen viele wieder gerne selbst am Herd. 

Nicht nur der Gesundheits- und Fitnesstrend ist für diesen Wandel verantwortlich. Wer sich für gesunde Ernährung interessiert, setzt sich automatisch intensiver mit den Lebensmitteln und den verschiedenen Zubereitungsarten auseinander. Aber auch so versuchen immer mehr Menschen ihr Ernährungs- und Einkaufsverhalten nachhaltiger auszurichten und etwa auf Zutaten biologischer und regionaler Erzeugung zurückzugreifen.  

Wie passen hier digitale Kochautomaten ins Bild, wenn es hier doch gerade um ein Erlebnis mit allen Sinnen geht? Geht der haptische Kontakt mit den Lebensmitteln dann nicht wieder verloren? Saugt die intelligente Abzugshaube die Gerüche ab noch bevor wir uns daran erfreuen können?

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Sozialer Familientreffpunkt oder digitales Wettrüsten? 

Viele Innovationen setzen allerdings gar nicht auf so umfassende Veränderungen, sondern sollen einzelne Arbeitsabläufe vereinfachen oder automatisieren. Eismaschine, elektrischer Eierkocher, Popcornzubereiter oder Schneidapparate für ganz bestimmte Lebensmittel – die Liste der Spezialgeräte ist lang. Wie sinnvoll diese sind, hängt meistens davon ab, wie oft wir sie tatsächlich regelmäßig gebrauchen. Dadurch, dass sich in der Regel nur wenige separate Arbeitsgänge damit erledigen lassen, sorgen sie in der Küche oft nur für eines: Platzmangel. 

Dennoch werden ständig neue technische Helfer auf den Markt gebracht, die uns das Kochen erleichtern sollen. Vom digital gesteuerten Smoker über das automatische Bierbrausystem für Zuhause bis hin zum Sous-Vide-Garer mit Wi-Fi Anschluss. Sie alle versprechen optimierte Ergebnisse und sollen uns zum besseren Koch machen.

Sozialer Familientreffpunkt oder digitales Wettrüsten?

Fotolia / © georgerudy

Für manche können die digitalen Gadgets tatsächlich eine sinnvolle Hilfe sein und Arbeitsgänge, für die etwas Erfahrung und Fingerspitzengefühl notwendig ist einfacher machen. Auch Anfängern gelingt so das perfekt gegarte Steak oder ein „selbst“ gebackenes Brot. Eine Schnittstelle zur Smartphone-App, welche die Steuerung und Programmierung übernehmen kann, bietet meist auch Zugang zu einer riesigen Rezeptdatenbank.   

Auf diese Weise muss sich die smarte Küche und ein gemeinsamer Kochabend mit den Liebsten nicht ausschließen. Manch einer verliert vielleicht gerade so die Angst, etwas falsch zu machen und entdeckt seine Liebe zum Kochen. Wieviel dann dabei den technischen Helfern überlassen wird, kann jeder selbst entscheiden.

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Umgang mit Lebensmitteln  

Statt sich auf das optimieren einzelner Arbeitsschritte zu konzentrieren, verfolgen andere Innovationen ganz gezielt einen nachhaltigen Ansatz. So sorgen optimierte Kochvorgänge oder digital gesteuerte Herde und Öfen etwa dafür, die Energie so effizient wie möglich zu nutzen. Der Kühlschrank kann – je nach Art und Menge des Inhalts – die Temperatur entsprechend anpassen und so beim Strom sparen helfen. 

Smartphone-Apps geben Vorschläge, wie bestimmte Zutaten am besten gelagert und welche Gerichte damit zubereitet werden können. Auf diese Weise können sie dazu beitragen, dass weniger Lebensmittel weggeworfen werden. 

Bei der Konzeptküche, die IKEA zusammen mit der Designagentur IDEO und Studenten aus Lund und Eindhoven entwickelt hat, geht dieser Ansatz noch einen Schritt weiter: Statt versteckt im Kühlschrank werden die Zutaten gut sichtbar in einzelnen Behältnissen aufbewahrt und geraten so nicht so leicht in Vergessenheit. Die einzelnen Boxen übernehmen dabei gleich mehrere Funktionen. Sie sorgen für die passende Temperatur und können obendrein auch als Kochtopf oder Serviergefäß eingesetzt werden. 

Produktion vor Ort

Andere Konzepte folgen der Idee, verschiedene Zutaten direkt in der eigenen Küche zu produzieren. Urban Gardening hat das Selbstversorgen ohnehin wieder salonfähig gemacht. Auch ohne eignen Garten können Kräuter und viele Gemüsesorten auch in Kübeln auf dem Balkon oder Fensterbrett gezogen werden. Regionaler geht es nicht. 

Indoor-Gardening-System

Fotolia / © Denys Kurbatov

Doch auch hier sollen verschiedene technische Geräte unserem grünen Daumen etwas auf die Sprünge helfen. Sogenannte Indoor-Gardening-Systeme sorgen etwa auch bei der geringeren Sonnenausbeute im Haus dafür, dass die Pflanzen genügend (künstliches) Licht abbekommen. Durch Hydrokultur wird eine optimale Nährstoffversorgung gewährleistet und selbst der Aufwand fürs Gießen hält sich damit in Grenzen. Der Wasserstand ist über eine Anzeige immer im Blick. 

Um damit tatsächlich seinen Bedarf an frischen Zutaten zu decken, ist das System allerdings viel zu klein. Es eignet sich eher dafür, sich eigene Kräuter zu ziehen oder auch Kindern zu vermitteln, wie verschiedene Lebensmittel wachsen und entstehen. 

Auch hier wurden jedoch schon großformatigere Systeme erdacht. Vom Gewächshausschrank, der auf engstem Raum die optimalen Bedingungen für verschiedene Gemüsesorten, Salat oder auch Sprossen bietet bis hin zum kompletten Stoffkreislauf, bei dem Abwässer gefiltert, Küchenabfälle direkt kompostiert und für die Anzucht von Pflanzen vor Ort direkt weiterverwendet werden. 

Optimierte Stoffkreisläufe

Doch auch bei einem solchen umfassend nachhaltigen Ansatz stellt sich die Frage nach der Skalierbarkeit. Noch sind die meisten dieser Konzepte noch im Prototypenstadium. Wie praktikabel die einzelnen Lösungen sind, hängt auch davon ab, wie gut sich eine solche Küche in unsere bisherigen Haushalte integrieren lässt. 

Gerade beim Thema Wasseranschlüsse sind wir beim Einbau gerade in Mietwohnungen stark auf die vorhandenen Gegebenheiten angewiesen. Sind zusätzliche Installationen für Zu- und Ablauf notwendig, ist dies unter Umständen mit höheren Kosten verbunden. 

Dennoch bieten gerade die Punkte Wasserverbrauch oder Müllrecycling in der Küche viele Möglichkeiten zur Optimierung. Ein Teil des Wassers kann etwa für bestimmte Programmstufen der Spülmaschine weiterverwendet werden. 

Smarte Mülleimer könnten die lästige Mülltrennung für uns übernehmen und etwa organische von nicht organischen Abfällen separieren.  

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LowTec oder HighTec

Die Art und Weise wie wir in Zukunft kochen werden und wie dementsprechend unsere Küche von morgen aussehen wird, hängt am Ende vor allem von unseren eigenen, individuellen Präferenzen ab. Manche wollen die Zubereitung auch weiterhin in die eigenen Hände nehmen – die Zutaten anfassen, spüren, riechen und schmecken, was später als fertiges Gericht auf dem Teller landen soll. 

Andere hingegen setzen schon jetzt auf die Unterstützung eines „Kochroboters“ wie etwa dem Thermomix, der nicht nur zahlreiche Zubereitungsarten in einem Gerät vereint, sondern durch die Vernetzung mit der digitalen Rezeptbibliothek auch genaue Angaben zur jeweiligen Menge oder Reihenfolge beim Zubereiten gibt.  

Verschiedene Smarthome-Technologien könnten hier eine Vielzahl von Spezialgeräten überflüssig machen. Vor allem eine intelligente Steuerung, die uns dabei hilft Energie zu sparen oder das Ablaufdatum von Lebensmitteln im Auge zu behalten, kann dabei sinnvoll sein – ohne dass dabei das ursprüngliche Kocherlebnis verlorengeht. 

Statt dem dicken Kochbuch können heute bereits die unzähligen Foodblogs oder Rezeptportale im Internet eine digitale Alternative darstellen. Auch hier muss auf ansprechende Bilder nicht verzichtet werden und oft ist eine Schritt-für-Schritt Videoanleitung leichter verständlich als ein ausführlicher Erklärtext. 

Ob wir hierfür künftig IKEAs intelligenten Küchentisch nutzen können, der zu den darauf liegenden Zutaten direkt passende Rezeptvorschläge macht, wird sich noch zeigen. 

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Quellen: Bilder: Fotolia / © bernardbodo, © georgerudy, © Denys Kurbatov, Text: red