Saatgut ist Kulturgut und Bio-Qualität die erste Wahl

Bio-Saatgut herzustellen ist ein immenser Aufwand. Um die beste, samenproduzierende Sorte etwa für Gemüse zu erhalten kann es mehr als 10 Jahre dauern. Doch, der Aufwand lohnt. Gemüse aus Bio-Saatgut schmeckt, benötigt keinen Kunstdünger und sorgt für Artenvielfalt in den Gärten und auf den Feldern. Die Hybride aus dem Labor indes, sind eine genetische Sackgasse.

Bio-Saatgut ist einfach die bessere Wahl. Foto: Fotolia

Wir haben auf Nachhaltigleben.de schon öfter Bio-Saatgut als die erste Wahl empfohlen. Nicht nur aus dem Grund, weil es einfach nachhaltig ist, dies zu verwenden. Denn Bio-Saatgut ist einfach die bessere Wahl. Denn hier werden auf natürliche Weise Pflanzen gezüchtet, die auf unser Klima ideal ‚eingestimmt‘ sind. Sie vertragen unser Nässe- oder Temperaturniveau, sind weitestgehend resistent gegen Schädlinge und haben den richtigen Geschmack. Wer eine wässrige, nahezu geschmacksneutrale Tomate aus dem Discounter schon Mal gegen eine Bio-Tomate vom eigenen Balkon oder aus dem eigenen Garten antreten lassen hat, weiß, was hiermit gemeint ist.

«Abhängigkeit von Hybrid-Sorten aus dem Labor muss beendet werden»

10.000 Jahre war das Saatgut in den Händen von Bauern und Gärtnern. Doch heute ist das konventionelle Saatgut immer mehr in den Händen von Genetikern. Immer neue, leistungsfähigere Sorten werden gezüchtet, synthetischer Dünger oder Spritzmittel sind für deren Gedeihen nötig. Damit ist auch die Vielfalt der Pflanzen, letztlich eines ganzen Ökosystems bedroht. Schädlinge fressende Nützlinge kommen nicht mehr zu gespritzten Pflanzen, leiden unter Nahrungsmangel, werden weniger und dienen somit nicht mehr als Futter für nächst größere Tiere wie beispielsweise Vögel. Deren Art ist dann auch wieder bedroht und so weiter.

Die etymologische Herkunft des Wortes «Hybrid» sagt eigentlich schon alles aus. Denn das griechische Wort «Hybris», was so viel heißt wie schuldhafte Tat wider die Ordnung, erklärt sich von selbst. Um unabhängig von solchen Hybridsorten im Bereich des Saatgutes zu werden, setzen ökologische Züchter seit mehr als 20 Jahren all ihre Energie daran, samenfeste Sorten zu erhalten und neue, biologische Sorten zu züchten. Der Ertrag dieses Bio-Saatgutes ist auch in der folgenden Generation gesichert. Bei Hybridsorten, lässt der Ertrag aus diesen Samen dagegen erheblich nach und aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist es wiederum besser, neue Hybrid-Samen zu kaufen, anstatt die eigene Saat zu verwenden.

Bio-Saatgut für eine gute Pflanzengesundheit

Bio-Züchtungen haben andere Zielsetzungen, als die Züchtung von konventionellem Saatgut. Dem Bio-Züchter ist insbesondere die Pflanzengesundheit wichtig, die er auch ohne Pestizide oder Kunstdünger erhalten kann. Denn Bio-Saatgut sichert eine hohe natürliche Resistenz und Toleranz gegenüber Schädlingen und Krankheiten.

Auch die Bodengegebenheiten werden beim Bio-Anbau berücksichtigt. Die Pflanzen aus Bio-Saatgut nehmen die vorhandenen Nährstoffe bestmöglich auf und verwerten diese. Hinzu kommt ein stabiler Ertrag und eine planbare Erntezeit, bestmöglicher Geschmack sowie wertvolle Inhaltstoffe, und, nicht zuletzt, ein ansprechendes Aussehen. Denn, Bio-Qualität hin oder her, was nicht gut aussieht, wird auch nicht gekauft.

Bio-Saatgut und Bio-Pflanzen haben hohen Züchtungsaufwand

Der Nachteil an der Züchtung von Bio-Saatgut ist eine lange Zuchtzeit, die, inklusive Zulassungsverfahren, fünf bis 16 Jahre betragen kann. Doch aus genannten Gründen mehr als lohnenswert. In der Tat ist die Bio-Saatgutzüchtung ein Zuschussgeschäft, dass sich durch Spenden und Initiativen wie dem Saatgutfond der Zukunftsstiftung Landwirtschaft oder dem Verein Kultursaat e.V. finanziert. Doch, die vielen Vorteile für Bio-Saatgut überwiegen und die Vielfalt, auch beim Geschmack, ist das beste Argument.

Wie Bio-Saatgut entwickelt wird und Gemüse mit Charakter und Geschmack entsteht zeigt der interessante Film von VielfaltErleben:

Die Arbeit des Biosaatgut-Züchters Thomas Heinze from Vielfalterleben on Vimeo.

Quelle: VielfaltErleben, Text: Jürgen Rösemeier