1. Home
  2.  › Vorbilder

«Die Energiewende vorantreiben!» Ein nachhaltiges Energieprojekt stellt sich vor

Die Energiewende ist im vollen Gange. Immer mehr umweltbewusste Bürger verlangen nach alternativen Stromquellen. Die im September 2010 gegründete UrStrom eG leistet einen wertvollen Beitrag zur Energiewende in Mainz und der Region Rheinhessen/Nahe. Ein Projekt, das bundesweit Schule machen sollte. Nachhaltigleben.de sprach mit Christoph Albuschkat, Vorstand UrStrom eG über Ziele, Projekte und die Arbeit der Bürgerenergiegenossenschaft.

Christoph Albuschkat gehört zum Vorstand der Urstrom AG.

Christoph Albuschkat, Vorstand UrStrom AG, Foto: privat.

Was steckt hinter Ihrer Bürgerenergiegenossenschaft UrStrom?

Wir sind eine Bürgerinitiative, die sich 2010 gegründet hat und einen Beitrag zur Energiewende leisten will.

Welche Ziele und Projekte verfolgen Sie?

Unser Ziel ist, durch die Installation von Photovoltaikanlagen die Energiewende in Mainz und Umgebung voranzutreiben – und zwar unter breiter Beteiligung der Bevölkerung. Zu diesem Zweck haben wir die UrStrom Genossenschaft gegründet. Diese Rechtsform ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern, sich sowohl finanziell an den Anlagen zu beteiligen und somit eine nachhaltige Rendite zu erwirtschaften, als auch sich aktiv in die Geschicke der Genossenschaft einzubringen.

Welche aktuellen Projekte haben Sie am Laufen?

Zurzeit haben wir drei Projekte in Mainz, Ingelheim und Laubenheim an der Nahe. Dort installieren wir Photovoltaikanlagen, die noch in diesem Jahr ans Netz gehen sollen. Dabei handelt es sich um zwei Anlagen auf kommunalen Dächern und eine Anlage auf einem privaten Dach.

Anzeige

Welchen Service bieten Sie Ihren Mitgliedern und wer kann Mitglied werden?

Mitglied werden kann jeder bei uns, in dem mindestens ein Genossenschaftsanteil gezeichnet wird. Den Wert eines Anteils haben wir mit 250 Euro bewusst niedrig gehalten, um es möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, sich an unserer Initiative zu beteiligen. Mit einem E-Mail-Rundbrief informieren wir unsere Mitglieder und weitere Interessenten über unsere Arbeit. Ab diesem Monat bieten wir auch erstmals ein Art Stammtisch an, zu dem Interessierte hinkommen können und sich über das Thema Erneuerbare Energien im Allgemeinen, aber auch über konkrete Projekte austauschen können.

Werden Sie Ihre Initiativen über Mainz und Umgebung hinaus erweitern?

Wir konzentrieren uns bewusst auf die Region zwischen Mainz und Nahe. Nicht nur, weil die Gründungsmitglieder aus dieser Region kommen, sondern weil die regionale Verankerung ein wichtiges Element unserer Arbeit ist. Wir möchten den Menschen, die bei uns Mitglied werden und bei uns investieren, das Gefühl geben, dass sie in die Zukunft ihrer Region investieren. Hinzu kommt, dass es immer mehr Energiegenossenschaften gibt, auch in benachbarten Regionen.

Welche Renditen können Ihre Anleger erwarten und wie sicher ist die Anlageform?

Wir streben eine Rendite von 3 % an und sind sehr zuversichtlich, dass wir das auch erreichen. Die Anlage ist sehr sicher, zum einen, weil die Vergütung des von unseren Anlagen produzierten Stroms durch das Erneuerbare Energien Gesetz für 20 Jahre staatlich garantiert ist. Zum anderen, weil unsere Genossenschaft regelmäßig durch den Genossenschaftsverband geprüft wird, so dass eine wirtschaftliche Schieflage frühzeitig erkannt werden könnte.

Sie wollen die Energiewende fördern. Welche Konzepte haben Sie und wie werden Sie von der Politik unterstützt?

Wir denken, dass die Energiewende aus drei Faktoren besteht. Zum einen müssen wir weg von den fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Uran und stattdessen die regenerativen Energiequellen stärker nutzen. Zweitens muss sich die Struktur der Energieerzeugung demokratisiert werden. Und schließlich muss die Energieversorgung auch stärker dezentralisiert werden. Es muss mehr Energie da produziert werden, wo sie auch verbraucht wird – das reduziert dann auch den Bedarf an kostspieligen und umstrittenen Stromtrassen. An allen drei Schrauben drehen wir mit unserer Genossenschaft. Wir sind mit der Landesregierung im Gespräch, die unsere Arbeit sehr wohlwollend beobachtet und eine Unterstützung in Aussicht gestellt hat.

Was verstehen Sie unter der Demokratisierung des Energiemarktes und wie kann diese umgesetzt werden?

Zurzeit ist es so, dass 80 % des Stroms, der in Deutschland verbraucht wird, von vier Konzernen produziert wird. Durch diese Konzentration haben diese Unternehmen eine große wirtschaftliche und politische Macht. Unser Ansatz lautet „Bürger machen Energie“. Durch die Mitgliedschaft in einer Bürgerenergiegenossenschaft haben Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen – sowohl finanziell als auch politisch.

Wird Ihre Genossenschaft hauptsächlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen?

Ja, zurzeit arbeiten die neun Gründungsmitglieder, die den Vorstand und den Aufsichtsrat stellen, rein ehrenamtlich. Tätigkeiten, die wir nicht selber leisten können wie z. B. die Erstellung des Jahresabschlusses, vergeben wir gegen Bezahlung an entsprechende Fachleute. Sobald es unsere Einnahmen erlauben wollen und müssen wir jedoch zumindest stundenweise eine Vergütung zahlen, weil die Arbeit mittlerweile einen sehr großen Umfang eingenommen hat.

Interview: Peter Rensch