Beim urbanen Bio-Garten helfen alle mit.

Shaw und Clausen: Initianten eines urbanen Bio-Gartens

Robert Shaw und Marco Clausen initiierten die Prinzessinnengärten, ein grosser Bio-Garten in Berlin. Mit dem urbanen Bio-Gartenbau wollen sie mehr Nachhaltigkeit in die Stadt bringen. Verschiedenste Menschen züchten gemeinsam biologisches Gemüse.

Unter dem Namen «Nomadisch grün» gründeten Shaw und Clausen eine gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, eine Brachfläche von 6000 ungenutzten Quadratmetern in einen riesigen Bio-Garten umzuwandeln. Die Idee zum urbanen Gartenbau kam Filmemacher Shaw während einer Kubareise. Da entwickelte sich der Gartenbau in städtischen Gebieten aus dem Mangel heraus. Im Sommer 2009 pachteten Shaw und der Historiker Clausen vom Berliner Liegenschaftsfond das Wertheimergrundstück am Moritzplatz. Dann begannen Sie mit der Unterstützung freiwilliger Helfer das Grundstück erstmals von all dem Müll zu befreien und nah dies nah zu begrünen. Wo über 60 Jahre eine Brachfläche war, stehen nun seit zwei Jahren die Prinzessinnengärten mit einer grossen Vielfalt an angebauten Gemüse-und Kräutersorten.

«Wir sind keine Gärtner», meinen Shaw und Clausen im Interview mit der WirtschaftsWoche zu ihren Ambitionen. Der urbane Bio-Gartenbau ist «ein Versuchslabor für die nachhaltige Stadt von morgen». Auf ökologischer Ebene wollen die beiden Initianten mit den Prinzessinnengärten einen wichtigen Beitrag zum lokalen Ökosystem und Mikroklima beitragen. «Der Garten bietet Bienenvölker ein zu Hause. Zudem bauen wir unser Gemüse in Bio-Qualität an. Es gibt keine chemischen Düngemittel oder Pestizide, Erde und Saatgut haben ein Biozertifikat. Daneben sind wir bemüht, die Vielfalt von Nutzpflanzen zu erhalten und kümmern uns um alte und seltene Sorten», äussern sich die Hobby-Gärtner auf ihrer Webseite prinzessinnengarten.net zum ökologischen Anbau.

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Monatlich zahlen die Pächter, die Organisation «Nomadisch grün», der Stadt Berlin 2300 Euro Miete. Die Brachfläche dürfen sie so lange nutzen, bis sich ein solventer Käufer findet. Shaw und Clausen haben in diesem Falle vorgesorgt: «Da wir jeweils nur für ein Jahr die Nutzung zugesichert bekommen, haben wir einen Garten entwickelt, der umziehen kann. Die Gebäude bestehen aus Containern und die Pflanzen bauen wir in recycelten Bäckerkisten, Reissäcken und Tetra-Paks an. Das macht den Garten mobil und ermöglicht einen Anbau auch auf versiegelten Flächen.»

Mit den Prinzessinnengärten wollen Shaw und Clausen nicht nur auf ökologischer, sondern auch auf sozialer Ebene einen Beitrag zu einer nachhaltigen Stadt leisten. Berlin-Kreuzberg ist ein dicht besiedelter Innenstadtbezirk mit vielen sozialen Problemen und hoher Arbeitslosigkeit. Die Prinzessinengärten sollen dann ein Ort des Treffens und gemeinsamen Lernens sein. Kinder, Jugendliche und Erwachsene jeder Couleur sind zur Gartenarbeit eingeladen. «Niemand hat im Prinzessinnengarten sein eigenes Beet. Jeder kann mitmachen und alle arbeiten gemeinsam daran, diesen grünen Ort zu erschaffen», erläutern sie ihr Konzept. So trifft in den Prinzessinnengärten ein Werbetexter aus Manchester, den seine Neugierde herlockte, auf chinesische Migrantinnen, die in den mobilen Beeten ihren Asia-Salat züchten oder Kids aus dem Kiez, die im Rahmen des Projekts Stadtsafari Baumhäuser bauen.

Das Ziel von «Nomadisch grün» ist es Orte zu schaffen, wo man gemeinsam Lernen und Dinge ausprobieren kann. «Die Aktivitäten sind offen für alle und reichen vom Säen, Pflanzen, Ernten über die Saatgutgewinnung, das Verarbeiten und Konservieren des Gemüses, das Halten von Bienen und den Aufbau eines Wurmkomposts bis hin zur Entwicklung neuer Anbaumethoden im Selbstbau. Bei all dem sind wir selber keine Profis oder Experten», äussern sich Shaw und Clausen über das Ansinnen ihrer Stiftungsgemeinschaft. So kann man gemeinsam etwas über die biologische Vielfalt, Stadtökologie, Klimaanpassung, Recycling, nachhaltiger Konsum und zukunftsfähige Formen städtischen Lebens lernen.

Für Interessierte bietet die Webseite prinzessinnengarten.net zahlreiche Informationen zu Aktivitäten und Ziele des urbanen Bio-Gartens.

Quelle: wiwo.de, architekturclips.de, prinzessinnengarten.net, Text: Lea Schwer