ecowoman verrät, wo giftige und gesundheitsschädliche Stoffe zu finden sind.
Hormonell wirksame Stoffe im Alltag

Diese Chemikalien beeinflussen dein Hormonsystem

Die Sonnencreme im Urlaub, der Bodenbelag aus PVC, das Spielzeug der Kinder, Klebstoffe, Farben, Medikamente oder die Abgase der Autos, die uns ständig um die Nase wehen: Überall sind wir von hormonähnlichen Stoffen umgeben, die uns krankmachen. Die gefährlichsten Stoffe, die zur Zeit in Deutschland diskutiert werden, haben wir in einer Liste zusammengefasst.

Heutzutage sind wir ständig von hormonell wirksamen Stoffen, den sogenannten Endokrinen Disruptoren (EDC) umgeben. EDC sind hormonähnliche Substanzen, die schädliche Auswirkungen auf unser eigenes Hormonsystem haben können. Hormone – die chemischen Botenstoffe unseres Körpers – sind für viele Körperfunktionen, wie das Knochenwachstum, den Zucker- und Fettstoffwechsel, die Verdauung und die Sexualentwicklung zuständig. Werden die körpereigenen Hormone durch EDCs gestört, kann es zu Krankheiten, wie Hoden- und Prostatakrebs, Brust-, Eierstock- und Gebärmutterhalskrebs, Fettleibigkeit, Diabetes, Unfruchtbarkeit und vieles mehr kommen. Untersuchungen haben gezeigt, dass Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen vor allem bei Männern und männlichen Tieren zu beobachten sind. Ca. 800 Chemikalien gelten derzeit als hormonell wirksame Stoffe, die wir mit der Nahrung, dem Wasser und über die Luft aufnehmen.

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REACH-Verordnung für gefährliche Stoffe

Laut EU Biozid-Verordnung (EU 528/2012) und EU Pestizid-Verordnung (EG 1107/2009) dürfen endokrine Disruptoren, aufgrund ihrer gefährlichen Eigenschaften nur in Ausnahmefällen zugelassen, also vermarktet werden. Unter REACH können sie zulassungspflichtig werden. Voraussetzung hierfür ist, dass sie in einem EU-weiten Verfahren als besonders besorgniserregende Stoffe identifiziert und in die sogenannte Kandidatenliste aufgenommen wurden. Bis so ein Verfahren abgeschlossen ist, können jedoch Jahre vergehen.

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Was ist REACH?

Seit dem 1. Juni 2007 ist die EU-Chemikalienverordnung REACH in Kraft getreten. REACH steht für Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals, also für die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien. Die REACH-Verordnung ist in der gesamten EU gültig und vereinfacht dadurch das bisherige Chemikalienrecht. Auf Antrag kann die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) eine Zulassung aussprechen. Dazu muss der Antragsteller nachweisen, dass die Risiken der Chemikalie entweder beherrschbar sind oder ihr sozioökonomischer Nutzen größer ist als ihr Risiko. 168 Stoffe stehen bereits auf der REACH-Liste und werden auf ihre Gefahren für Mensch und Umwelt geprüft. Eine vollständige Auflistung endokrin wirksamer Stoffe ist jedoch nicht möglich – allein schon deshalb, weil man sich auf keine allgemein gültigen Kriterien einigen kann.

Und so vergehen Jahre von der Bewertung eines Stoffes, bis zu seinem Verbot - falls es überhaupt so weit kommt.

In der folgenden Liste findest du die Chemikalien, die derzeit vom deutschen Umwelt Bundesamt für eine Aufnahme in die REACH-Liste vorgeschlagen werden, da sie im Verdacht stehen, hormonell wirksam zu sein.

Inhaltsangaben sind für Verbraucher oft kryptischDie REACH-Liste bietet eine Orientierung für den Alltag.

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Vorgeschlagene Chemikalien für die REACH-Liste:

Endokriner Wirkstoff
 
Wirkweise Wo werden die Wirkstoffe eingesetzt?
Bisphenol A Wird für Polycarbonat-Kunststoffe und Kunstharze verwendet. Babyflaschen (bis 2013), Schnuller (bis 2013), Plastikspielzeug, Trinkbecher, die Innenbeschichtung von Konservendosen, Cds, Kassenbons, Kronkorken, Plastikgeschirr, wird als Farbbildner in sogenannten Thermopapieren für Thermodrucker und -faxgeräte eingesetzt.
 
Phthalate Weichmacher in Kunststoffen, werden speziell in PVC eingesetzt. Früher in Spielzeug aus PVC, Klebstoffen, Elektronikartikeln, Verpackungs- und Baumaterialien, Weich-PVC als Bodenbelag, Kunstleder, Babyartikel.
 
Ethinylestradiol Hormonelle Verhütung. Anti-Babypille.
 
Polybromierte Diphenylether (PBDE) Flammschutzmittel dienen dazu, die Entzündung brennbarer Kunststoffe, Textilien oder Holz hinauszuzögern und die Flammausbreitung zu verlangsamen.
 
Deca-Bromdiphenylether  (Deca-BDE), Hexabromcyclododecan (HBCD) und Tetrabrombisphenol A (TBBPA) dominieren den Markt. HBCD steht bereits auf der roten Liste.
Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) Entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material oder sind als wesentlicher Bestandteil in fossilen Rohstoffen, wie Steinkohle oder Erdöl enthalten.
 
Tabakrauch, Abgase im Verkehr, in gegrillten Lebensmitteln. Durch die Weiterverarbeitung von Erdöl und Verwendung von PAK-haltigen Weichmacherölen gelangen PAK auch in weitere Produkte aus Weichplastik und Gummi, wie zum Beispiel Badelatschen, Fahrradhandgriffe, Sportplatzbeläge, Spielzeug- und Sportartikel, sowie Werkzeug.
1H-Benzotriazol Dient als Korrosionsschutz von Metallen. Zum Schutz von Dächern, in Reinigungstabs für Geschirrspülmaschinen, in Schmierölen und Schmierstoffen, in Wärmeleitflüssigkeiten, in medizinischen Geräten und in der Enteisung von Straßen.
 
BENPAT Stabilisator in Gummiprodukten.
 
Reifen, Schläuche.
 
Benzolamine Dieser Stoff hat eine unbekannte chemische Zusammensetzung und gehört damit zu den UVCB (Unknown or Variable Composition or Biological compound). Hat vernetzende Eigenschaften.
 
Schmierstoffe und -fette, Hydraulikflüssigkeit, Schneidöl, Kleb- und Dichtungsstoffe.
BMDM UV A-Filter. Sonnenmilch, Kosmetik.
 
Campherstoffe UV-Filter. Sonnenmilch, Kosmetik.
 
BPA-DA Dieser Stoff wird in der Herstellung von temperaturbeständigen Hochleistungskunststoffen verwendet.
 
Haushaltsgeräte, Fahrzeuge, Kabelisolierungen.
4-tert-Butylphenol    Wird hauptsächlich als Monomer für die Herstellung von Polycarbonaten, Phenolharzen und Epoxidharzen verwendet.
 
Klebstoff, Beschichtungen, Farben.
Ungesättigte C18-Amide Dieser Stoff hat eine unbekannte chemische Zusammensetzung und gehört damit zu den UVCB (Unknown or Variable Composition or Biological compound).
 
Tenside.
Dapsone Antibiotisch und entzündungshemmender Arzneistoff. Wird zur Behandlung und Prävention von Infektionskrankheiten wie Lepra, Malaria, Actinomyceten-Infektionen und Pneumocystis jirovecii-Pneumonien bei HIV-Patienten eingesetzt. Ebenso wird es zur Behandlung chronisch entzündlicher Autoimmunerkrankungen, wie der Dermatitis herpetiformis Duhring, der Linearen IgA-Dermatose, der Subcornealen pustulösen Dermatose, dem Erythema elevatum diutinum und anderen blasenbildenden Autoimmundermatosen eingesetzt. Klebe- und Dichtungsmittel.
 
DCBS Vulkanisationsbeschleuniger in der Gummiindustrie.
 
Reifen.
DMDC Verbundwerkstoff, Härtungsmittel.
 
Kunststoff.
DMDS Als Sulfidierungsmittel in Ölraffinerien und als Hilfsstoff in der Erdöldestillation.
 
Als Aromastoff in einer Vielzahl von Lebensmitteln, wie Kohl- u. Allium-Arten, Wein, Käse und Bier.
Helvetolide Duftstoff. Lufterfrischer, Kosmetik, Parfüm, Reinigungsmittel.
 
Irganox L118 Dieser Stoff hat eine unbekannte chemische Zusammensetzung und gehört damit zu den UVCB (Unknown or Variable Composition or Biological compound).
 
Hydraulikflüssigkeit, Metallbearbeitungsflüssigkeiten, Schmiermittel, Fette.
Nonylphenol Tenside. Farben, Lacke, Ausgangschemikalie für die Herstellung von Polymeren und Klebstoffen, importierte Textilien, Fungizide, Arzneimittel und Weichmacher für Celluloseester.
 
Octylphenol Octylphenol-Formaldehyd-Harz. Farben, Klebstoffe, Reifen, Isolationslack, Druckfarben Tenside.
 
PAN   Kühlschmiermittel an Drehbänken und in der Gummiindustrie.
 
4-tert-Pentylphenol Wird als Monomer für die Herstellung von Phenolharzen verwendet.
 
Härter in Klebstoffen, Beschichtungen und Farben.
Perchlorate Oxidationsmittel Raketentreibstoff, Sprengstoff, Feuerwerk, Fackeln, Düngemittel, Bleich- und Desinfektionsmittel (Vorläufersubstanzen, die sich in der Umwelt zu den langlebigen Perchloraten umwandeln können).
 
TBBPA nBGE PO Dieser Stoff hat eine unbekannte chemische Zusammensetzung und gehört damit zu den UVCB (Unknown or Variable Composition or Biological compound).
 
Kunststoff, Klebe- und Dichtungsmittel.
Trigonox 29   Farben, Körperpflegeprodukte.
 
UVASorb HEB UV-Filter Sonnenmilch, Kosmetik.
 

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Quellen: REACH-Verordnung, bfr.bund.de, reach-info.de, childprotectfromchemicals.euBild: Depositphotos/londondeposit, boggy22, 06photo, Text: Meike Riebe