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Menstruationstasse als Alternative zu Binden und Tampons
Ist die Menstruationstasse eine Alternative zu Binden und Tampons?

Menstruationstasse Erfahrungen: Alternative zu Binden und Tampons?

Schon mal von einer Menstruationstasse gehört? Vielleicht wäre die umweltfreundliche und günstige Alternative zu Binden und Tampons auch was für Sie? Janine Steeger zeigt Ihnen alle Vor- und Nachteile auf!

Liebe ecowomen bei ecowoman.de,

heute soll es mal um ein Thema gehen, bei dem ich merke, dass da zwei Herzen in meiner Brust schlagen: Menstruationstasse versus Tampons und Binden.

Als ich kürzlich auf der Biofach unterwegs war, habe ich es wieder gespürt. Ich sah einen Stand, der Menstruationstassen vermarktet hat und dachte bei mir: Das ist nichts für mich. Und dann habe ich mich gefragt: Warum eigentlich? Der Nachhaltigkeit wegen wäre es sinnvoll diese Teile zu verwenden. Vielleicht bin ich abgeneigt, weil ich nicht ausreichend informiert bin?

Deshalb habe ich für mich und natürlich auch für Sie noch mal alle Fakten zusammen getragen und anschließend Punkte vergeben.

Was ist die Menstruationstasse überhaupt?

Ein kelchähnlicher Becher, der bei der Monatsblutung in die Scheide eingeführt wird. Die Mens­tru­a­ti­onstasse dockt an den Muttermund an. Der Verschluss ist angeblich so dicht, dass das Menstruationsblut im Becher aufgefangen wird. Die Mens­trua­tions­tasse ist damit eine Alternative zu Tampons und Binden. Sie gilt als besser verträglich und als umweltschonender, weil ein Cup jahrelang verwendet werden kann.

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Wirklich ein Trend?

Eines der ersten Patente wurde schon 1937 von einer Amerikanerin angewendet. In Frauennetzwerken wird immer häufiger über die Menstruations-Cups berichtet. Auf jeden Fall gibt es immer mehr Nutzerinnen. Vielen ist es aber nach wie vor noch kein Begriff, insbesondere Männern. Das hat meine kleine Befragung in der Familie und unter Freunden ergeben.

Ist die Menstruationstasse gesünder?

Manche Frauen beklagen, dass sie auf Tampons allergisch reagieren. Das dürfte daran liegen, dass die konventionellen Produkte aus Kunststoff, Zellulose oder Baumwolle bestehen bzw. aus allem gemischt und die Stoffe werden dann noch mit Duftstoffen, Pestiziden, Bleichmitteln und Weich­machern behandelt.

90 Prozent der Menstruations-Cups bestehen aus medizinischem Silikon, das weder mit all diesen Zusatzstoffen behandelt wurde und auf dem sich auch Bakterien deutlich seltener ansiedeln.

Gynäkologen raten bei häufigen Vaginal- und Pilzinfektionen allerdings zu luftdurchlässigen Binden, am besten als Naturprodukt.

Durch Tampons kann die Vaginalschleimhaut sehr trocken werden, wodurch das Einführen der Tampons unangenehm ist. Das passiert bei den Menstruationscups nicht.

Und wir müssen unbedingt über das Toxische-Schock-Syndrom (TSS) sprechen. Das ist eine äußerst seltene, aber lebensgefährliche Erkrankung, ausgelöst durch bestimmte Bakterien. Das TSS wird immer wieder mit Tampons in Verbindung gebracht, kann aber theoretisch ebenso gut bei der Verwendung von Menstruationstassen entstehen. Wichtig bei beiden Anwendungen ist die Hygiene.

Und noch ein Hinweis für Veganerinnen: Menstruationstassen sind in der Regel vegan. Bei der Herstellung von Tampons können bei diversen Produktionsschritten auch tierische Stoffe verwendet werden. Einfach in beiden Fällen darauf achten.

Wer bekommt den Punkt?

Zumindest wenn man bei Tampons und Binden zu nicht natürlichen Produkten greift, scheint mir die Menstruationstasse die gesündere Alternative. Der Punkt geht an sie.

Die Handhabung

Viele Nutzerinnen und die Hersteller selbstverständlich auch beschreiben die Anwendung als ausgesprochen einfach und unkompliziert.

In einigen Videos kann man sich anschauen, wie man die Tasse am besten zusammenfaltet vor dem Einführen. Einige Userinnen beschreiben, dass sie Gleitcreme zur Hilfe nehmen. Es gibt übrigens unterschiedliche Größen, mit unterschiedlichem Fassungsvermögen, aber auch, um sich dem jeweiligen Körper besser anpassen zu können.

Wenn alles gut funktioniert, ploppen die gefalteten Seiten nach dem Einsetzen wieder auf und das Blut wird aufgefangen. Für Anfängerinnen wird empfohlen zusätzlich noch Slipeinlagen zu verwenden, auch hier besser waschbare Mehrwegbinden verwenden, wenn es um den ökologischen Aspekt geht.

Gynäkologen und Hersteller empfehlen, wie bei anderen Hygieneprodukten auch, das regelmäßige Wechseln. So einfach die Hersteller das Herausnehmen beschreiben, so schwer scheint es doch einigen Userinnen zu fallen. Zumindest konnte ich das in Internetforen nachlesen.

Das Blut wird in die Toilette entsorgt, die Tasse am Waschbecken ausgespült. Wem das auf einer öffentlichen Toilette unangenehm ist, wird empfohlen eine Wasserflasche mit sich zu führen. Von Feuchttüchern, zumindest je nach Inhaltsstoff, wird dringend abgeraten.

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Nach jeder Periode sollte die Tasse ausgekocht werden.

Grundsätzlich gilt: Frauen, die ein Problem damit haben, einen Tampon oder ein Vaginalzäpfchen einzuführen, werden sich auch mit den Menstruationstassen schwertun. Und das Einsetzen braucht Übung.

Viele Frauen finden aber die Nicht-Sichtbarkeit des Cups toll, z.B. in der Sauna oder im Schwimmbad.

Wer bekommt den Punkt?

Beim Punkt Handhabung kann ich den Punkt nicht eindeutig vergeben, zumal Frauen, die von Schwierigkeiten sprechen im Netz, gleich als „zu doof“ angegangen werden. Das macht denen, die auch offen Negatives ansprechen wollen, nicht gerade Mut. Null Punkte für beide.

Binden und Tampons

10.000 - 17.000 Tampons bzw. Binden verbraucht eine Frau in ihrem Leben

Die Kosten

Die Menstruationstassen kosten im Schnitt, je nach Hersteller, zwischen 28 und 32 Euro und können im Internet oder in der Apotheke bestellt werden. Es gibt sie natürlich auch im Einzelhandel, übrigens auch schon ab 16 Euro. Aber da sind wir schon wieder beim Punkt: Legt man die genauso hemmungslos aufs Kassen­band, wie Tampons? Selbst die verstecke ich manchmal unter anderen Sachen, je nachdem, wer hinter mir steht.

Vom Kostenfaktor ist die Tasse natürlich ne Granate, da sie bis zu 10 Jahre halten kann.

Tampons kosten laut Stiftung Warentest zwischen 4 und 13 Cent pro Stück, können aber auch deutlich teurer sein. Es gibt sogar Probiotik Tampons, um die Vaginalflora zu unterstützen.

Auf der Seite www.meineregelmeinplanet.de habe ich folgende interessante Rechnung gefunden.

  • Rund 40 Jahre verbringen Frauen durchschnittlich mit ihrer Regel
  • 3-7 Tage pro Monat, insgesamt 6-7 Jahre und damit rund 3000 Tage ihres Lebens
  • 10.000 – 17.000 Tampons bzw. Binden verbraucht eine Frau in ihrem Leben

Hier das Beispiel einer „Durchschnittsfrau“

Edda Erdbeerwoche hat seit ihrem 12. Lebensjahr ihre Periode und eine mittelstarke Blutung mit einer Dauer von 5 Tagen pro Zyklus. Sie benutzt tagsüber Tampons, in der Nacht eine Binde und trägt vor der Regel und an den schwächeren Tagen auch gerne einmal eine Slipeinlage.

4 Tampons pro Tag x 20 Cent x 5 Tage x 12 Monate x 40 Jahre = EUR 1920

1 Binde pro Tag x 20 Cent x 5 Tage x 12 Monate x 40 Jahre = EUR 480

1 Slipeinlage pro Tag x 6 Cent x 5 Tage x 12 Monate x 40 Jahre = EUR 144

Einen Hinweis möchte ich an dieser Stelle noch geben: Es gibt natürlich auch andere Gründe um Binden oder Slipeinlagen zu verwenden. Blasenschwäche, und Ausfluss können bspw. Gründe sein. Um auch hier die Kosten und die Umweltbelastung zu minimieren, können waschbare Hygieneartikel verwendet werden.

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Wer bekommt den Punkt?

Bei den Kosten geht der Punkt klar an die Menstruationstasse.

Menstruationstasse

Wie grün ist die Tasse für's Rote?

Hier kann ich gleich zu Beginn sagen, dass der Punkt für die Ökologie an die Tasse geht.

Wie oben beschrieben liegt der Verbrauch von Tampons und Binden um ein Vielfaches höher, als der Verschleiß von Menstruationstassen. Und der Müll wird ja nicht nur durch das Produkt selbst erzeugt, sondern auch durch Umverpackungen und Applikatoren.

Hinzu kommt der teilweise ekelerregende und überhaupt nicht umwelt­scho­nende Umgang mancher Frauen mit ihren Hygieneartikeln.

Ehrenamtliche MitarbeiterInnen der Umweltschutzorganisation Ocean Con­ser­vancy Tag sammelten an einem einzigen Tag 27.938 benutzte Tampons und Applikatoren an Stränden rund um den Globus (International Coastal Cleanup, 2013), schreibt der Menstruationstassenhersteller www.mooncup.de auf seiner Seite.

Und trotz aller Hinweisschilder auf Damentoiletten in gefühlter Schriftgröße 80, landen immer wieder Tampons und Binden in der Toilette, die umständlich aus dem Abwasser sortiert und dann entsorgt werden müssen.

Und dann war da noch dieses Gerücht…

Während der Recherche hatte ich gehört, dass das Blut im Abwasser Probleme bereiten könnte. Hierzu habe ich bei der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. nachgefragt.

Dort sieht mein keinerlei Probleme darin, wenn vermehrt Blut ins Abwasser gerät durch die Menstruationstassen. Hier weist man nur darauf hin, dass es auch Einweg-Modelle gibt, die natürlich ebenso wenig in die Toilette gehören, wie Tampons oder Binden.  

Meine persönliche Erkenntnis

Wenn ich die Punkte für Gesundheit, Handhabung, Kosten und Ökologie zusammen rechne, steht es 3:0 für die Menstruationstasse. Gehe ich nur nach meinem Gefühl, bin ich immer noch unsicher. Ich denke noch mal nach…

Ihre Janine Steeger

Quellen: Bilder: Depositphotos/gregorylee, matka_Wariatka, apid, Text: Janine Steeger