So funktioniert Upcycling
Erfolgreich Wiederverwertet

Abfall ist das, was wir nicht draus machen

Papier kommt in die blaue Tonne, Bio in die grüne – soweit ist das ganz einfach. Ich wurde zur Mülltrennung erzogen und trenne, inzwischen sogar aus Überzeugung. Dass ich mich einmal beruflich mit solchen Themen beschäftigen würde, hätte ich jedoch nicht gedacht.

Schon während meines Studiums „Sprache & Kommunikation“ entwarf ich für Agenturen Kommunikationskonzepte: Bestehendes hinterfragen, nichts einfach hinnehmen – das ist genau mein Ding. Es war eine tolle Abwechslung zum Studium, für Kunden neue Sichtweisen zu entwickeln und sie auch davon zu überzeugen. Meine Leidenschaft, alles zu hinterfragen, brachte mich nach dem Studium in ein für Sprachwissenschaftler eher untypisches Geschäftsfeld, ins Kapitalmarktgeschäft. Sechs Jahre war ich bei einer Bank tätig. Hier arbeite ich im Product Management, in der Pressearbeit und internen Kommunikation bis hin zum Change Management. Das waren alles tolle und herausfordernde Aufgaben in einem dynamischen Umfeld. Letztendlich fehlte mir aber der Mehrwert – der Gedanke, etwas ganzheitlich verändern zu können und dabei etwas Sinnvolles zu tun. Und damit legte ich den Grundstein für einen radikalen beruflichen Wechsel.

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Ich entschied mich für das Themenfeld Nachhaltigkeit und begann meine Arbeit bei Landbell, einem Umwelt- und Entsorgungsdienstleister. Für viele meiner Freunde war dieser Schritt nicht nachvollziehbar. Abfall ist wohl ein Thema, mit dem man sich eigentlich nicht beschäftigen will. Da gilt das Motto: „Ab in die Tonne und fertig“. Die Frage, wie man genau das ändern kann, das Thema „Abfall“ attraktiv gestalten kann, und Gründer sowie Start-ups dazu ermutigt, sich mit einem solchen Thema zu beschäftigten, finde ich extrem spannend. Und so habe ich mich mit Kollegen zusammengesetzt und überlegt, wie wir die Themen Recycling und Ressourcenverwertung für Start-ups und junge Gründer zugänglicher machen können.

Was als fixe Idee begonnen hat, ist inzwischen ein Unternehmen in Berlin-Wedding geworden, die Green Alley Investment GmbH. Wir fördern grüne Start-ups, die sich mit Themen der Kreislaufwirtschaft bzw. Circular Economy beschäftigen, und investieren auch in sie. Wir waren damit übrigens die ersten, die mit eigenen Mitteln aktiv den Aufbau einer innovativen Kreislaufwirtschaft gefördert haben! Hunderte von Bewerbungen aus über 17 Ländern sind seitdem bei uns eingegangen. Nun richten wir bereits zum dritten Mal erfolgreich den Green Alley Award aus – Europas ersten Gründerwettbewerb mit Fokus auf die Circular Economy. Zu den bisherigen Gewinnern unseren Awards zählt das finnische Start-up RePack mit der Idee einer wiederverwendbaren Versandtasche. Die Erfinder von FoodLoop haben eine App entwickelt, die es den Verbrauchern einfacher macht, Produkte mit näher rückendem Mindesthaltbarkeitsdatum zu finden. Oder auch Adaptavate, ein britisches Jungunternehmen, das eine 100 Prozent recycelbare Wandverkleidung und damit eine ökologische Alternative zu schädlichen Gipsplatten anbietet.

Ein toller Preis fuer tolle Menschen

Wir erhalten Business-Pläne von Menschen, die Nachhaltigkeit nicht nur leben, sondern daraus ein nachhaltiges und gesundes Geschäftsmodell aufbauen wollen. Und jedes dieser Geschäftsmodelle ist einzigartig und es wert, dass man bisherige Konzepte hinterfragt und sich dafür einsetzt, neue Sichtweisen zuzulassen. Das ist nicht immer einfach. Aber die Zeit ist reif zum Umdenken. Es liegt an uns, nachhaltig zu wirtschaften und den Übergang zur Green Economy zu schaffen; einer Wirtschaftsweise die Wohlstand und Lebensqualität sichert, dabei die Umwelt schont und sozialverträglich ist. Die Ideen dazu liegen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße. Wir müssen nur die Chancen ergreifen und etwas daraus machen. Also, packen wir es an!

Bild: Depositphotos/TLFurrer und Green Alley, Text: Miriam Kehl, Co-Founder von Green Alley