Alte Weinkisten und Einmachgläser erstrahlen im neuen Glanz.
Upcycling: Ein gefährlicher Trend?

Upcycling: Ein gefährlicher Trend

Wegwerfen war gestern. Upcycling ist der neue Trend, wenn es darum geht, aus Altem etwas Neues zu machen. Sarah studiert Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanagement in Berlin und sieht in Upcycling eine gefährliche Entwicklung, die alles andere als nachhaltig ist.

Upcycling, upcycling, upcycling – alles wird upgecycelt, was nicht Niet und Nagel fest ist. So zumindest der Eindruck den ich bekomme, wenn ich „Upcycling“ bei Google eingebe und nach einer halben Sekunde mit über 16 Millionen Ergebnissen erschlagen werde.

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Aus alten Anzughosen werden Röcke, aus LKW-Planen werden Taschen und alte Flaschen werden zu Lampen. Ich habe den Eindruck, dass einfach alles wiederverwendet werden kann und somit seinem schrecklichen Schicksal entgeht – zu Müll zu werden. Ständig lese ich Sätze wie: „Recycling hilft, aber noch besser ist Upcycling.“

Aber was ist Upcycling eigentlich genau und warum ist es besser als Recycling?

Was ist Upcycling?

Upcycling wandelt nutzlose Materialien und Stoffe in neuwertige Produkte und haucht ihnen neues Leben ein. Im Gegensatz zum Recycling und Downcycling, wertet das Upcycling ein Produkt auf. Um bewerten zu können, was ‚aufwerten’ heißt, kommt es darauf an, von welcher Richtung man es betrachtet. Wenn man aus einem Baumwollshirt nicht mehr machen kann, als es zu einem Putzlappen zu verarbeiten, dann spricht man hierbei von „Downcycling“. Wenn man das Ganze allerdings von der Warte des Putzlappens aus betrachtet, der vor der energetischen Verwertung (Verbrennung) gerettet wird, dann kann man auch durchaus von „Upcycling“ sprechen. Es ist also eine Sache der Perspektive.

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Soweit so gut. Jetzt weiß ich also, was Upcycling bedeutet. Dennoch bleibt die Frage: Warum ist Upcycling besser als Recycling?

Ist Upcycling besser als Recycling?

Der Vorteil von Upcycling: Das Leben von Produkten wird verlängert und dadurch wird Müll vermieden. Dies ist jedoch mehr eine lebensverlängernde Maßnahme, als dass es den Produkten zur Unsterblichkeit verhelfen würde. Das heißt, früher oder später landen die meisten upgecycelten Produkte auf dem Müll, genau wie ihre nicht-upgecycelten Gegenstücke. Wenn das passiert, ist die Frage, ob sich durch das Upcycling etwas am ‚End-of-Life’ des Produktes verändert hat? Das heißt, ist eine upgecyclete Palette am Ende ihres Lebenszyklus weniger nachhaltig, weil sie zum Esstisch umfunktioniert und lackiert wurde? Setzt der Lack bei der Verbrennung vielleicht schädliche Stoffe frei?

Elefant aus PET-Flaschen

Zwar machen die PET-Flaschen als Kunstobjekt mehr her, trotzdem verschwinden sie nicht einfach. 

Upcycling kurbelt Produktion an

Auch wenn man durch Upcycling Müll vermeidet bzw. die Müllentstehung nach hinten verschiebt, löst es nicht das Problem des Ressourcenverbrauchs. Im Falle der Palette beispielsweise ist es so, dass die Palette für den, der sie gekauft hat, nicht mehr zur Verfügung steht, nicht mehr nutzbar ist. Für ihn macht es keinen Unterschied, ob die Palette nun in schönem lila Anstrich als Bett genutzt wird oder in der Verbrennungsanlage landet. Fakt ist, eine neue muss her.

Im Falle von PET-Flaschen bzw. Materialien, die gut recycelt werden können, ist es sogar so, dass neue produziert werden müssen, wenn dem Kreislauf zu viele entzogen werden. Wie sollen PET-Flaschen recycelt werden, und als Basis für neue Flaschen dienen, wenn sie alle als Vase auf dem Esstisch stehen? Somit muss für die Produktion auf frisches Erdöl zurückgegriffen werden. 

 In vielen Städten dienen Plastikflaschen als Pflanzenzuchtstation.Für eigentlich gute Zwecke werden tausende Flaschen dem Recycling-Kreislauf entzogen. Dies kurbelt die Produktion an.

Upcycling schönt die Realität

Die größte Schwachstelle, die ich beim Upcycling sehe, ist, dass es das Problem nicht an der Wurzel packt. Wir werden irgendwann in upgecycelten Produkten ersticken, wenn wir den Zufluss immer neuer Produkte, die von unten her drücken, nicht stoppen. Upcycling ist eine kreative, positive Art mit den Müllproblemen der Gegenwart umzugehen, aber keine Lösung für die Zukunft.

So wird eine Flasche zur Lampe umfunktioniert.

Upcycling ist ohne Frage ein kreativer Prozess mit schönen Ergebnissen, eine Lösung für die Zukunft ist es allerdings nicht.

Ganz im Gegenteil: Es schönt die Realität. „Müll? Ach Quatsch, es gibt doch jetzt Upcycling!“. Genau das wird den Verbrauchern mit Sätzen wie: „Upcycling – aus Müll mach neu“‚ oder „Upcycling: Wenn Müll sich nützlich macht“, suggeriert.

Das Fazit meiner Recherche: Upcycling kann sinnvoll sein und upgecycelte Produkte sind oft ein echter Hingucker. Aber man muss genauer hinschauen und darf sich nicht blind auf jedes upgecycelte Produkt stürzen. Wir sollten uns vor jedem Kauf überlegen, ob wir das Teil wirklich brauchen. Egal ob upgecyclelt oder nicht.

Upcycling ist eine kreative, positive Art mit den Müllproblemen der Gegenwart umzugehen, aber keine Lösung für die Zukunft. Ganz im Gegenteil: Es schönt die Realität. „Müll? Ach Quatsch, es gibt doch jetzt Upcycling!

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Quellen: Bild:, Depositphtotos/erix2005, happymay, sergey02, photographee.eu, Text: Sarah Pollinger, Meike Riebe