Janine Steeger
Klamotten zum Wegwerfen?

Janine Steeger: Hinter billiger Kleidung stecken schlechte Arbeitsbedingungen

Janine Steeger berichtet dieses Mal in ihrem Blog von der Eröffnung des größten Primark in Deutschland. Dort gibt es billige Klamotten, die vermutlich nicht fair und unter guten Arbeitsbedingungen entstanden sind.

Bei Primark gibt es günstige Kleidung. © Sean Gallup/Getty Image News

Bei Primark gibt es günstige Kleidung. © Sean Gallup/Getty Image News

Ein Oberteil für 2.50 Euro, eine Jeans, die weniger als 10 Euro kostet.... Gerade hat in Köln Deutschlands größte Primark Filiale eröffnet. Eine Anbieter für billigste Klamotten, so billig, dass die Konkurrenz wie H&M oder Zara schon zittert. 

Bevor die Türen dieser neuen Filiale öffneten, hatten sich lange Schlangen gebildet. Viele junge Menschen, die, sobald sie drin waren im Laden, alles grapschten, was sie kriegen konnten. Ist ja schließlich so billig, dass es nicht schlimm ist, wenn zu Hause vor dem Spiegel etwas doch nicht gefällt.  Ohnehin geben die Kunden zu, diese Klamotten oft nach einem Diskoabend in den Müll zu schmeißen. Konsum für die Tonne. 

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Janine Steeger © Marcus Nass

Janine Steeger © Marcus Nass

Schlechte Arbeitsbedingungen für billige Kleidung

Vor der neueröffneten Filiale stehen am Premierentag auch zahlreiche Demonstranten. Menschen, die darauf aufmerksam machen, dass diese eigentlich unrealistisch günstigen Preise eine dunkle Seite haben: Nämlich die Arbeitsbedingungen, unter denen die Klamotten hergestellt werden. Auch Primark hat in der eingestürzten Fabrik Rana Plaza in Bangladesch produzieren lassen. 1127 Menschen wurden im April 2013 getötet, 2438 verletzt. Obwohl in dem Gebäude Risse festgestellt worden waren, wurden die Textilarbeiterinnen reingeschickt. Dann die Katastrophe. 

Ein Hilfsfond soll den Opferfamilien Unterstützung bieten. Primark hat 12 Millionen US-Dollar gezahlt. Immerhin. Auf die Frage, was grundsätzlich an den Produktionsbedingungen geändert werden soll, erhalten Journalisten aber keine konkreten Antworten.  Wenn man den begeisterten Kunden von Primark das alles erzählt, kommt meist der Satz: Na und, auch teure Klamotten werden häufig unter genauso schlimmen Arbeitsbedingungen hergestellt. Das ist leider wahr. Aber es darf nicht die Entschuldigung sein für gewissenlosen Rausch-Konsum. Und ich glaube ganz sicher: Es fühlt sich so viel besser an fair produzierte Kleidung zu tragen. Davon hat man dann vielleicht nur zwei Teile. Aber die hat man länger und kloppt sie nicht nach einer durchtanzten Nacht in die Tonne. 

Faire Kleidung mit gutem Gewissen

Ich möchte hier nicht mit erhobenem Zeigefinger schreiben, ich kenne selbst allzu gut das Schwanken und Wanken zwischen gutem Gewissen, also Fairtrade-Klamotten und dem Gefühl "ach, das gefällt mir aber jetzt, da blende ich mal alle Gewissensbisse aus...". Aber ich möchte gerne dafür sensibilisieren, dass zumindest mehr Menschen darüber nachdenken, wie zum Teufel ein Kleidungsstück für 2,50 produziert werden kann. 

Danke für's Zuhören!