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Datenskandal bei Facebook: Sind meine Daten sicher?
Datenskandal bei Facebook

Datenskandal bei Facebook: Sind meine Daten noch sicher?

Gefällt mir – nicht mehr! Vertrauensvoll legen wir unsere privaten Daten in die Hände von Facebook. Enttäuschend, dass unser Vertrauen mit Datenmissbrauch bestraft wird. Wie es zu dem Facebook Datenskandal kommen konnte und welche Möglichkeiten Sie haben, den Fängen von Facebook zu entfliehen: Wir haben für Sie recherchiert.

Was ist da eigentlich bei Facebook los?

Immer auf den neuesten Stand sein, was treiben Freunde und Bekannte, was gibt es für Neuigkeiten bei den Lieblingsmarken. Für viele gehört ein kurzer Blick bei Facebook zum Pflichtprogramm, und das nicht selten mehrmals täglich. Dass man zwischendurch neuen Datenschutzerklärungen und Privatsphäre-Einstellungen zustimmt, suggerierte, dass unsere Daten sicher sind und immer nach den neuesten Sicherheits-Standards behandelt würden. Doch wie sicher ist Facebook wirklich?

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Ende März 2018 kam heraus, dass Facebook offenbar persönliche Daten hinter unserem Rücken an Dritte weitergab. Und das von 87 Millionen Menschen weltweit!

Was den Facebook Datenskandal besonders verwerflich macht, ist aber nicht nur der Vertrauensbruch gegenüber uns Usern, vor allem erschüttert uns die Skrupellosigkeit, mit der unsere Daten zweckentfremdet wurden. Dass Facebook den Datenschutz vernachlässigt, um unsere Daten an Analysefirmen wie Cambridge Analytica zu verkaufen (wenn auch indirekt und unerlaubterweise über seine App-Entwickler, wie Aleksandr Kogan) und damit einträgliche Geschäfte abschließt, ist schon skandalös. Dass unsere Nutzerdaten dann aber auch noch eingesetzt werden könnten, um den Erfolg fragwürdiger politischer Kampagnen zu pushen, setzt dem Facebook Skandal die Krone auf. Fairerweise muss man dazu sagen, dass bisher nicht bestätigt werden konnte, dass Cambridge Analytica tatsächlich Wahlen und Volksabstimmungen beeinflussen konnte.

Bin ich betroffen? Das Ausmaß des Facebook Datenskandals in Deutschland

Laut Angaben von Mike Schroepfer, Technologiechef von Facebook, sollen 87 Millionen Nutzer weltweit vom Facebook Datenskandal betroffen sein. Nach aktuellen Erkenntnissen wurden davon die Daten von 310.000 deutschen Nutzern von Facebook an Cambridge Analytica weitergegeben.

Eine Aufklärung durch Facebook ist bereits überfällig. Seit 2015 wurden betroffene Facebook-Nutzer nicht über die Weitergabe und den Missbrauch ihrer Daten informiert. Erst jetzt reagiert Facebook und will Nutzer, deren Daten von Cambridge Analytica ausgewertet und eventuell missbraucht wurden, darüber benachrichtigen und informieren. Ob ihre Daten weitergegeben wurden, erfahren sie also erst, wenn es Facebook für richtig hält.

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Wie sicher ist Facebook wirklich? Die Angst vor Datenmissbrauch

Wie sicher ist Facebook wirklich?

Aufgrund des haarsträubenden Facebook Datenskandals sind wir als Facebook-Nutzer verständlicherweise nachhaltig verunsichert. Das betrifft nicht nur Facebook Laien, sondern auch Experten wie den Apple-Mitgründer Steve Wozniak. Dieser schrieb an die Zeitung USA Today per E-Mail: „Facebooks Profite basieren alle auf den Informationen der Nutzer, aber die Nutzer bekommen nichts von den Profiten zurück.“ Er verurteilt die Instrumentalisierung der Facebook-Nutzer damit aufs Schärfste. Für seine Mitgliedschaft bei Facebook würde er lieber zahlen, wenn er so den Datenmissbrauch vermeiden könnte. Auch Tim Cook, CEO von Apple, wirft Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor, dass Facebook seine Nutzer als Produkt ausnutzen und monetarisieren würde.

Können staatliche Regulierungsmaßnahmen wirklich etwas verändern?

Sogar Mark Zuckerberg selbst hat sich bei seiner Befragung durch den US-Senat zum Facebook Datenskandal für eine Regulierung der Online-Medien durch staatliche Maßnahmen ausgesprochen. Fraglich ist jedoch wie ein sinnvolles Regelwerk aussieht, dass Werbung als solche kennzeichnet, Fake News entlarven oder sogar vermeiden und die Verbreitung von Hassbotschaften stoppen soll.

Die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) versucht sich an dieser Mammutaufgabe und tritt ab 25. Mai 2018 in Kraft. Sie verpflichtet Unternehmen, seinen Nutzern zugänglich zu machen, welche personenbezogenen Daten gesammelt und wie diese verwendet werden. Zudem drohen bei der illegalen Weitergabe von Daten an Dritte mit Einführung der DSGVO hohe Sanktionen. Facebook hat bereits darauf reagiert, und plant einen Umzug der Daten aus Irland nach Amerika, zumindest von etwa 1,5 Milliarden Facebook-Nutzern, die außerhalb der EU leben.

Ein weiteres Gesetz, das in Deutschland zum Datenschutz beitragen soll, ist das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), das soziale Netze und Plattformen anhält, unangemessene Beiträge wie beispielsweise Hassbotschaften selbstständig zu entfernen. Problematisch ist an diesem Gesetz die Beschneidung der Meinungsfreiheit. Die sozialen Netzwerke sind für uns Nutzer insbesondere auch ein Ort, an dem wir uns austauschen und unsere Meinung frei äußern können. Das NetzDG kann diesen Charakter sozialer Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram gefährden.

Ganz gleich wie hoch die Strafen angesetzt werden, Datenmissbrauch, Fake News oder Hassbotschaften, werden die staatlichen Regulierungsmaßnahmen wohl nicht zuverlässig verhindern können. Die neuen Gesetze können nämlich erst nach Veröffentlichung der Inhalte greifen. Doch gerade eine schnelle und freie Verbreitung von Informationen ist einer der Vorzüge, die wir an Facebook besonders schätzen.

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Wie kann ich meine Daten schützen?

#deletefacebook

Wie genau ein Gesetz für den Datenschutz in sozialen Netzwerken aussehen muss, ist bisher noch nicht klar. Der einzige Weg die eigenen Daten zu schützen, scheint in dieser Situation die Abmeldung des eigenen Facebook Accounts zu sein. Der Gedanke, so die Kontrolle über seine privaten Daten wieder zu erlangen und möglicherweise durch eine Massenbewegung (siehe Hashtag #DeleteFacebook) sogar Facebook seine Macht zu entziehen, scheint verlockend.

Doch was passiert, wenn das Facebook-Profil erst einmal gelöscht ist? Wie können wir dann mit unseren Freunden, Kollegen und Interessengruppen in Kontakt bleiben, unsere individualisierten Nachrichten abrufen, Veranstaltungen verfolgen, an Geburtstage und Jahrestage erinnert werden?

Gibt es Alternativen zu Facebook?

Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, Facebook den Rücken zu kehren, sollten Sie sich konsequenterweise auch von folgenden beiden Diensten trennen, da sie Teil des Facebook-Konzerns sind:

  • WhatsApp: der Chat gilt als relativ sicher aufgrund der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, gehört seit 2014 zu Facebook

  • Instagram: foto- und videobasiertes soziales Netzwerk, wird vor allem per mobiler App genutzt, gehört seit 2012 zu Facebook

Gerade WhatsApp ist weit verbreitet und dadurch schwer durch andere Dienste, mit weniger aktiven Nutzern, zu ersetzen. Wenn Sie sich dennoch vorstellen können, sich von Facebook zu trennen, könnten folgende Alternativen zum sozialen Netzwerk für Sie interessant sein. Doch beachten Sie, auch diese bringen Nachteile mit sich!

  • Google Plus: zweitgrößtes soziales Netzwerk mit Newsfeed und Fotobereich – Interessengruppen

  • Twitter: Kurznachrichtendienst mit mehr als einer halben Million Nutzer – Nutzergruppen und Fotobereich sind integriert

  • Pinterest: Plattform zum Sammeln und Teilen von Berichten – Orten und Fotos

  • Diaspora: soziales Netzwerk mit Statusmeldungen, Chat und Teilen von Bildern; große Ähnlichkeit zu Facebook, aber bisher geringe Nutzerzahl

  • Nebenan: Kontaktportal für Nachbarn, Organisation von Veranstaltungen und Marktplatz zum Verkaufen und Kaufen

  • XING: Netzwerk für berufliche Kontakte, integrierte Jobsuche, News, Gruppen, Veranstaltungen, kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft

An dieser Reihe von Diensten wird deutlich, wie stark Facebook bereits in die unterschiedlichsten Bereiche unseres Lebens integriert ist und wie viele Funktionen Facebook erfüllt. Es ist schwer, diesem festen Bestandteil unseres Alltags Lebewohl zu sagen – zumal die Alternativen, Facebook nicht komplett ersetzen können. Die Reißleine zu ziehen und sich endgültig von Facebook zu trennen, wäre sicher auch für Sie ein großer Schritt.

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Warum bleiben wir bei Facebook?

Der Facebook Datenskandal wirft Diskussionen auf und schürt unsere Ängste als Nutzer vor dem Missbrauch unserer privaten Daten. Dennoch hat noch kein Datenskandal dazu geführt, dass Facebook tatsächlich Nutzer verliert. Unsere Abhängigkeit von Facebook und unser Bedürfnis Teil der Facebook-Gemeinschaft zu sein, ist bereits viel zu groß. Ohne Facebook würden wichtige Kontakte aus unserem sozialen Umfeld verloren gehen und unser Alltag wäre – wenn auch bei vielen Menschen nur im ersten Moment – in mancher Hinsicht schwieriger zu organisieren.

Wer es nicht schafft, sich von Facebook in Gänze zu lösen, der ist gezwungen, sich an die Facebook-Privatsphäre-Einstellungen anzupassen. Es bleibt die Hoffnung auf ein strengeres Datenschutzgesetz, das gleichzeitig einen unbefangenen Austausch in den sozialen Netzwerken zulässt.

Die Abwägung zwischen freiem Informationsaustausch gegenüber Datenschutz und Sicherheit in der Onlinewelt wird für uns alle weiterhin ein großes Thema bleiben. Solange der Mehrheit der Nutzer Facebook „gefällt“, werden wir dem sozialen Netzwerk trotz Datenskandal wohl weiterhin treu bleiben.

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Quellen: Bilder: Depositphotos/Mactrunk, Vilisov, jbk-photography, arseniuk_oleksii, Text: Jasmine Barendt