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In den letzten Wochen haben sich die Schreckensmeldungen im Zusammenhang mit der Produktion von Palmöl geradezu gehäuft.
Palmöl erkennen und meiden

Lebensmittel mit Palmöl: So verzichten Sie drauf!

Wer auf Palmöl verzichten möchte, hat es oft nicht leicht. Erstens ist es in unglaublich vielen Produkten enthalten und zweitens erscheint es unter vielen verschiedenen Namen auf deren Verpackungen. ecowoman verrät Ihnen, wie Sie verstecktes Palmöl enttarnen und vermeiden können.

Immer wieder hört man Schreckensmeldungen im Zusammenhang mit der Produktion von Palmöl. Deren katastrophale Folgen rücken immer mehr in den öffentlichen Fokus. Regenwälder werden abgeholzt und damit wertvolle Ökosysteme zerstört, Tiere verlieren ihren natürlichen Lebensraum. Durch die Rodung gelingen Unmengen an giftigem Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre und belasten die Umwelt. Die Arbeiter auf den Plantagen haben ohnehin meist mit miserablen Arbeitsbedingungen und durch Pestizide verursachten Gesundheitsproblemen zu kämpfen. Kurzum – es muss sich dringend etwas ändern.

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Kaum ein Agrarrohstoff ist in den vergangenen zehn Jahren so stark nachgefragt worden wie Palmöl. Dass bei einer großen Nachfrage das Thema Nachhaltigkeit schnell vergessen wird, erleben wir immer wieder. Die Diskussion um Palmöl ist zwar längst in der Wissenschaft, der Politik und auch der Öffentlichkeit angekommen, doch die Konsequenzen lassen zu wünschen übrig. Nicht umsonst gibt es immer wieder Petitionen, die sich sowohl gegen den Anbau, als auch die Verwendung von Palmöl stark machen.

Doch jetzt erst einmal von vorne.

Wo kommt Palmöl her?

Palmöl-Plantage

Die Palmölpflanze benötigt tropisches Klima. Daher wächst sie am besten dort, wo auch Regenwald steht. Da dieser jedoch wirtschaftlich nicht so rentabel ist, wie ein weltweit stark gefragter Rohstoff, wird er nun zunehmend abgebaut. Ohne Rücksicht auf die Folgen für die dort lebenden Tiere, die Natur oder das Klima. Malaysia, Indonesien und Thailand zählen zu den Hauptproduzenten von Palmöl, Südamerika zieht inzwischen nach.

Welche Folgen hat der Anbau von Palmöl?

Durch die Rodung der Regenwälder verlieren nicht nur Tiere und Pflanzen ihren natürlichen Lebensraum, ganze Arten sterben dadurch aus. Auch für die dort lebenden Menschen birgt es Gefahren: Kohlenstoffdioxid tritt in die Atmosphäre und austretende giftige Dämpfe machen die Menschen vor Ort krank – Von der, in trockenen Regionen ohnehin, größeren Brandgefahr durch Brandrodungen ganz zu schweigen. Der Palmölanbau trocknet aber auch unabhängig von den Feuern den Boden der Region aus. Dadurch wird der traditionelle Reisanbau fast unmöglich gemacht. Darüber hinaus macht die Düngung mit Pestiziden die Mitarbeiter auf den Plantagen krank und auch das Grundwasser wird dadurch belastet.

Die erhöhten CO²-Emissionen führen zu einer weltweiten Instabilität des Klimas, was wiederum extreme Wetterereignisse und Überschwemmungen begünstigt. Mehr zu Thema lesen Sie hier.

Warum Palmöl schlecht ist, beziehungsweise nicht gesund ist

Warum der Anbau von Palmöl für die Menschen und Tiere in den Anbauländern und die Umwelt schlecht ist, wäre damit geklärt. Aber inwiefern sind auch wir direkter davon betroffen, als wir zunächst glauben?

Palmöl ist reich an gesättigten Fettsäuren, was zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Auch das in Palmöl enthaltene Glycidol ist in hohen Mengen in raffiniertem Palmöl enthalten und ist ebenfalls krebserregend. Neben Krebs können auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes durch einen erhöhten Konsum von Palmöl in Produkten begünstigt werden.

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Wo ist Palmöl drin?

Palmöl ist oft nur schwer zu erkennen

Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, dass Palmöl in etwa jedem zweiten Produkt im Supermarkt enthalten ist.

Im Jahr 2014 lag der gesamte Palmölverbrauch der EU bei 7,2 Millionen Tonnen.

  • 45 Prozent davon waren in Biodiesel enthalten,

  • 34 Prozent in Lebensmitteln,

  • 16 Prozent in Elektrizität und Wärmemeerzeugung und

  • weitere 5 Prozent in Chemie und Futtermitteln.

Am stärksten ist der unachtsame Konsument von Palmöl in Produkten beim Verzehr von Lebensmitteln betroffen. Denn die Liste der Produkte mit Palmöl begleitet uns den ganzen Tag über: Angefangen bei crunchigem Müsli, Margarine oder Nussnougatcreme über Wurstwaren, Fertiggerichte bis hin zu Gebäck, Speiseeis oder Süßigkeiten. Besonders fatal ist der extrem hohe Palmölanteil in industrieller Babynahrung. Die darin enthaltene Menge an Glycidol sind zehnmal höher als die unbedenkliche Höchstgrenze.

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Liste mit Palmöl: So vermeiden Sie Palmöl in Produkten, Lebensmitteln oder Kosmetika

Palmöl

Angeblich stellt auch nachhaltig produziertes Palmöl keine echte Alternative dar. Was kann man also tun, wenn Sie im Alltag möglichst ganz auf Palmöl verzichten wollen? Leider ist das aber gar nicht so einfach. Das liegt zum einen an der schier unfassbaren Masse an palmölhaltigen Lebensmitteln, Kosmetika und andere Produkte. Immerhin ist Palmöl das am häufigsten eingesetzte Pflanzenöl überhaupt. Obwohl die Listen der Inhaltsstoffe allmählich genauer und übersichtlicher werden, ist gerade Palmöl oft nur schwer zu erkennen. Es gibt unzählige Synonyme, hinter denen sich das kritische Öl verbirgt. Wer schon vorher weiß, worauf er achten muss, verschwendet beim Einkauf weder Zeit noch Nerven und kann palmölhaltige Produkte so gut wie eben möglich meiden. ecowoman hat deshalb eine Palmöl Lebensmittel Liste mit allen Namen zusammengestellt, unter denen Palmöl auf der Verpackung deklariert werden kann:

   
Pflanzenöl/Vegetable Oil Pflanzenfett/Vegetable Fat
Palm Kernel Palm Kernel Oil
Palm Fruit Oil Palmate
Palmitate Palmolein
Glyceryl Stearate
Stearic Acid Elaeis Guineensis
Palmitic Acid Palm Stearine
Palmitoyl Oxostearamide Palmitoyl Tetrapeptide3
Sodium Laureth Sulfate Sodium Lauryl Sulfate
Sodium Kernelate Sodium Palm Kernelat
Sodium Lauryl Lactylate/Sulphate Hyrated Palm Glycerides
Etyl Palmitate Octyl Palmitate
Palmityl Alcohol

Also: ausdrucken, mitnehmen und die Umwelt schützen! Wer diese Liste nun weder auswendig lernen, noch ausdrucken und immer mit sich herumtragen möchte, dem seien Apps nahegelegt. Eine App, die sich auf Inhaltsstoffe in Lebensmitteln und Kosmetika spezialisiert hat, ist CodeCheck. Ein schneller Scan des Barcodes oder die Eingabe der EAN-Nummer genügt, um herauszufinden ob Palmöl in Produkten, Mikroplastik, Nanopartikel, Parabene oder andere Inhaltsstoffe enthalten sind, die man lieber meiden sollte.

Was hat es mit Zertifizierungen auf sich?

So viel vorab: Vertrauen darf man vielen Zertifizierungen und Labels grundsätzlich nicht blind! In unserer Gesellschaft setzen sich zunehmend Zertifizierungen und Labels durch, die einem vieles versprechen – das Trendthema Nachhaltigkeit wird hierbei auch berücksichtigt. Je nach Seriosität des Zertifizierungssystems darf man ihnen unterschiedlich stark vertrauen. Auch hier gilt es – ähnlich wie bei den Synonymen für Palmöl – genau hinzuschauen. Denn sie können eine Richtlinie sein und durch strengere Kontrollen einen Teil des Problems lösen, nicht jedoch das gesamte Ausmaß. Der RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil) ist das derzeit am meisten genutzte Zertifizierungssystem, wenn es um nachhaltiges Palmöl geht. Er wirbt mit allgemeinen Menschen- und Grundrechten und damit, dass die Abholzung von Primär- und Wäldern mit besonderem Schutzwert verboten ist.

Was jedoch unter den Teppich gekehrt wird: Auch RSPO erlaubt den Anbau auf Torflandschaften, die viel Kohlenstoff speichern. Die Verwendung von giftigen Pflanzenschutzmitteln ist erlaubt und der Beschwerdemechanismus ist für den Endverbraucher nicht nachvollziehbar. Bereits 2008 haben 256 Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt RSPO als Etikettenschwindel abgelehnt.

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Gibt es nachhaltige Alternativen zu Palmöl?

Rapsöl

Rapsöl ist beispielsweise eine gute heimische Alternative zu Palmöl

Die beste Alternative zu Palmöl stellt ein bewusstes und achtsames Konsumverhalten dar. Dass Palmöl in Fertigprodukten enthalten ist, wissen die meisten. Doch um wirklich sicher zu gehen, dass sich möglichst wenig Palmöl in den eigenen Alltag einschleicht, ist ein regionaler und aufmerksamer Umgang mit Ressourcen jeglicher Art essentiell. Kaufen Sie europäische Pflanzenöle wie Raps, Sonnenblume, Olive oder Walnuss. Nehmen Sie sich Zeit für einen gründlichen Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe in den Produkten, die Sie kaufen und bleiben sie stets kritisch.

Wenn Sie doch nicht ganz auf Palmöl verzichten möchten, dann achten Sie zumindest darauf, natives Palmöl aus ökologischem Anbau zu kaufen. Hier sind nicht nur die Anbaubedingungen wenigstens etwas besser, es enthält verglichen mit raffiniertem Palmöl auch deutlich mehr seiner ursprünglichen Inhaltsstoffe.

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10 Tipps zum Thema Palmöl von Yvonne Willicks

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Quellen: WWF, Bilder: thinkstock/Antonio Diaz, Depositphotos/kampee_p, Anetlanda, tristantan71, Vfotografie Text: Jasmine Barendt