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Kinotipp: Furusato - Wunde Heimat
Furusato - Wunde Heimat

Eine Doku über die Langzeitfolgen des Atom-Unfalls von Fukushima

Der Film "Furusato-Wunde Heimat" von Thorsten Trimpop spricht eine leise Sprache ohne schockierende Bilder. Eine Dokumentation über die Langzeitfolgen des Atom-Unfalls von Fukushima. Menschen in bewegenden Momenten, deren Heimat binnen Sekunden ausgelöscht wurde. Bleiben oder gehen?

"Furusato-Wunde Heimat" startet am 08.03.2018 in den deutschen Kinos und ist ein Film über die Menschen, die ihre Heimat nach der Atom-Katastrophe von Fukushima nicht verlassen haben. Thorsten Trimpop geht in seiner preisgekrönten Doku der Frage nach "Warum leben Menschen in einer Gegend, über die sie wissen, dass von ihr eine unsichtbare tödliche Gefahr ausgeht?".

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Er beginnt, wo die Berichterstattung der Medien geendet hat und erzählt von den Bewohnern um die Sperrzone, an Orten, denen jede Zukunft genommen wurde. Von ihrem Leben mit der Unsicherheit und Entscheidungen, die nicht bei allen freiwillig gefallen sind. Ein nachhaltiger Film, der berührt, verwundert und zugleich beunruhigt.  

Minamisoma - Stadt mit Todeszone

Minamisoma - Stadt mit Todeszone

Die Stadt Minamisoma im Distrikt Fukushima ist eine geteilte Stadt. Gerade mal begrenzt von einer unsichtbaren Linie, liegt der eine Teil noch in der evakuierten 20-Kilometer-Sperrzone um den havarierten Atomreaktor. Dort ist es heute so ausgestorben und still, dass es an die Geisterstadt Prypjat in der Nähe von Tschernobyl erinnert. Der andere Teil der Stadt gilt seit dem Reaktorunglück vor 8 Jahren, trotz zum Teil identisch hoher Strahlenwerte, weiterhin als bewohnbar. Dort leben bis heute immer noch fast 57.000 Menschen. Die zentrale Frage der Doku nach dem "Warum" ist da nicht verwunderlich.

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Bleiben aus Tradition

In Japan hat Heimat eine tiefe Bedeutung. Mit der Landschaft, in die ein Mensch hineingeboren wird, bleibt man ein Leben lang verbunden. Sie prägt ihn, sie ist ihm heilig: sie ist sein FURUSATO. Die meisten Bewohner blieben und bleiben aus einem traditionellen Verantwortungsbewusstsein heraus und leben bis heute in der nahen Umgebung von Fukushima ungeachtet ihrer zum Teil bereits spürbaren Folgen für ihre Gesundheit. Menschen wie die junge Miwa und ihr Vater Tokuei, der Pferdezüchter. Direkt nach der Tsunami- und Nuklearkatastrophe war er und seine Familie in einen Notcontainer evakuiert worden. Einige Wochen später wurde ihm erlaubt, einige Habseligkeiten von seinem Hof zu holen. Tokuei ging los und kam nie wieder zurück. Er konnte es nicht ertragen, seine Tiere einfach dem Tod zu überlassen. Ebenso wie sein Vorfahren ist er an diesem Ort geboren,  das Wissen um Pferdezucht sowie Grund und Boden wurden über mehrere hundert Jahre weitervererbt. Diese Tradition einfach aufgeben, geht nicht. Seine Tochter Miwa hilft ihm, wo es nur geht. Gemeinsam arbeiten sie unermüdlich an einer zukünftigen Reitschule für Kinder, obwohl ihnen mittlerweile die Pferde an den Folgen radioaktiver Strahlung wegsterben. Die Mutter konnte dem Druck und der Unsicherheit nicht mehr standhalten und lebt heute in einer psychiatrischen Klinik. Hilfe von der Regierung oder Entschädigungszahlungen erhalten sie keine. So wie den beiden, geht es vielen Bewohnern um Fukushima. Thorsten Trimpop lässt in seinem Film "Furusato-Wunde Heimat" noch einige Menschen in Minamisoma zu Wort kommen, die deutlich machen, dass weggehen für viele keine Option ist, während anderen die Mittel fehlen, um der Todeszone zu entfliehen.

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Eine Doku über die Langzeitfolgen des Atom-Unfalls von Fukushima

Nachbearbeitung zum Kinostart von "Furusato-Wunde Heimat" am 08. März 2018

Die Dokumentation "Furusato-Wunde Heimat" wird voraussichtlich einige Fragen aufwerfen. Um dem Kinopublikum nach der Vorstellung Diskussionen anzubieten, werden auch fachkundige Partner vor Ort sein. Allen voran wird die Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt die Kinoauswertung aktiv begleiten und bundesweit ExpertInnen für Publikumsgespräche an die Kinos vermitteln. Parallel dazu werden auf den Kino-Flyern einige Rahmendaten zu der betroffenen Region zusammengestellt umfangreiches Unterrichtsmaterial für Schulvorstellungen bereitgestellt.

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Quellen: Bilder: furusato-film.com, Text: Tine Esser