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Medikamente in der Apotheke: Nicht lieferbar!
Medikament nicht vorrätig

Medikamente in der Apotheke: Nicht lieferbar!

In den Apotheken werden die Medikamente knapp. Wenn ein Medikament nicht lieferbar ist, stößt das auf Unverständnis und Wut – gerade wenn Arzneimittel dringend benötigt werden. Doch warum ist in einer Apotheke ein Medikament nicht vorrätig? Warum gibt es Lieferengpässe bei Arzneimitteln?

Eine Apotheke irgendwo in Deutschland, Kunden, die ihr Rezept abgeben. Und plötzlich erstaunte Gesichter: Das Medikament ist nicht lieferbar! Ratlosigkeit, Wut und auch ein bisschen Verzweiflung machen sich breit. Immer wieder sind Medikamente in Deutschland nicht verfügbar.

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Medikamente sind knapp: Die Ohnmacht der Ärzte und Apotheker

Immer öfter stehen Ärzte und Apotheker vor dem Problem, dass ein Medikament knapp oder nicht lieferbar ist. Bei mehr oder minder harmlosen Erkrankungen lässt sich das mit viel gutem Willen noch unter ärgerlich abbuchen. Handelt es sich jedoch um lebenswichtige Arzneimittel oder Schmerzmittel, sieht die Sache anders aus. So beklagte Apotheker Christoph Gulde (Stuttgart), dass im Herbst 2017 in seiner Apotheke ein Medikament gegen Schmerzen über längere Zeit nicht lieferbar war. Viele Patienten reagierten verunsichert und litten unter den Folgen der nicht vorhandenen Lieferung.

Der Apotheker Doktor Matthias Coen (Unna) bemängelte die sich häufenden Lieferengpässe bei den schwer dosierbaren Schilddrüsenmedikamenten. Die Liste der eingeschränkt lieferbaren Arzneimittel wird inzwischen länger und länger. Auch bei Antibiotika, Medikamenten für Krebstherapien, Narkosemitteln und Impfstoffen kommt es immer wieder zu Lieferverzug. So war beispielsweise das Medikament Nitrofurantoin über einen längeren Zeitraum knapp beziehungsweise komplett vergriffen. Dieses Antibiotikum gegen bakterielle Harnwegsinfektionen und Blasenentzündungen hat den Vorteil, dass es ein sehr breites Wirkungsspektrum aufweist.

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Reglements der Krankenkassen, ein Hemmschuh für die Heilung

Lieferengpässe bei Medikamenten stellen sowohl Ärzte als auch Apotheker vor die teilweise unlösbare Aufgabe, Ersatz zu finden. Bei vielen rezeptpflichtigen Arzneien dürfen Mediziner und Pharmakologen wider besseres Wissen nicht ausweichen, da sie an die Vorgaben der gesetzlichen Krankenkassen gebunden sind. Neben den gesetzlich vorgegebenen Rabattsätzen schließen Krankenkassen mit Pharmaherstellern sogenannte Rabattverträge ab. Diese gelten entweder für ein einzelnes Medikament oder, was häufiger der Fall ist, ein ganzes Sortiment. In den Verträgen verpflichten sich die Hersteller, den Krankenkassen einen Rabatt auf den Apothekenverkaufspreis zu gewähren. Im Gegenzug übernimmt die Krankenkasse bei ihrem Versicherten nur Kosten für das rabattierte Präparat. Möchte der Versicherte den Hersteller wechseln, muss er entweder komplett oder zu einem sehr hohen Anteil für die Kosten selbst aufkommen - bei vielen schweren Erkrankungen für den Normalbürger kaum zu bezahlen.

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Warum manche Medikamente nicht lieferbar sind

Warum manche Medikamente nicht lieferbar sind

Kein Hersteller hat Interesse daran, seine Produkte nicht zu verkaufen. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Gründen, warum Pharmaunternehmen bei manchen Präparaten in Lieferverzug geraten. Einer der Ursachen liegt in der Komplexität der Herstellung von Arzneimitteln. Der kleinste Fehler oder die minimalste Verunreinigung kann eine komplette Charge ruinieren. Hat der Zulieferer eines speziellen Stoffs Schwierigkeiten mit der Fracht, kommt es vor, dass die gesamte Produktion stehen bleibt. Weitere Gründe können beispielsweise sein:

  • Verspätete Lieferung eines Grundstoffs

  • Die Lieferkette wird unterbrochen

  • Unerwarteter Anstieg des aktuellen Bedarfs

  • Änderungen bei den Zulassungsbestimmungen, zum Beispiel aufgrund neuer Forschungsergebnisse

  • Rückruf einer Charge oder, ganz simpel,

  • Probleme mit den Verpackungen

Bei Impfstoffen erschwert nicht nur die besonders aufwendige Herstellung das Prozedere. Oftmals mutieren Erreger, sodass der Impfstoff an die aktuelle Situation angepasst und neu produziert werden muss. Ein gutes Beispiel ist der Grippeimpfstoff. Nach jeder Grippewelle verändert sich das Virus, sodass der aktuelle Impfstoff seine Wirksamkeit verliert. Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) gibt deshalb jährlich bekannt, welche vier Typen in der kommenden Saison für den Grippeimpfstoff verwendet werden sollen.

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Medikament nicht lieferbar - was tun?

Grundsätzlich gilt, dass es in Deutschland im Allgemeinen keine Gefährdung der Versorgung mit notwendigen Arzneimitteln gibt. Entsteht das Gefühl, dass Medikamente knapp werden, oder kommt es vor, dass ein rezeptpflichtiges Mittel öfters nicht lieferbar ist, stellt sich natürlich die Frage, ob es andere Wege gibt, die eigene Versorgung sicherzustellen.

  • Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt im Internet eine laufend aktualisierte Liste, der Sie entnehmen können, welche Medikamente knapp sind. Unter dem Punkt Lieferengpässe finden Sie die Wirkstoffe, bei Lieferengpassdatenbank die Präparate. Das Paul-Ehrlich-Institut stellt in Zusammenarbeit mit dem BfArM eine Liste zur Verfügung, aus der man erkennt, welche Impfstoffe nicht lieferbar sind. Ein Blick in die Aufstellung lohnt sich auf jeden Fall für Menschen mit Dauermedikamentierung sowie bei der Planung von Impfungen.

  • Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie sich einen kleinen Vorrat der lebenswichtigen Medikamente anlegen. Achten Sie dabei auf die Verfallsdaten. Es lohnt sich beispielsweise nicht, Insulin für zwei Jahre zu bunkern, wenn die Haltbarkeit gerade mal sechs Monate beträgt. Brechen Sie ein neues Paket Ihres Medikaments an, sollten Sie sich direkt beim Arzt ein Rezept für die nächste Schachtel besorgen und es in der Apotheke abgeben. So bekommt der Apotheker ausreichend Zeit, Ihnen Ihr Arzneimittel zu besorgen.

  • Handelt es sich nicht um eine Erkrankung, bei welcher der Einsatz von Chemie unumgänglich ist, können Sie auf Naturheilmitteln ausweichen. Seit es Menschen gibt, nutzen Heiler deren Kräfte. Bis Ende des Spätmittelalters / Anfang der frühen Neuzeit genossen Kräuterhexen hohes Ansehen. Sie wurden bei Krankheit und Geburt geholt. Mit Beginn der Hexenverfolgungen verschwanden die Kräuterhexen zusammen mit ihrem umfangreichen Wissen. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts erleben Naturheilmittel eine Renaissance. Viele der sogenannten Unkräuter zeichnen sich durch eine sehr gute Heilwirkung aus und können mit so manchem Pharmaprodukt problemlos konkurrieren. Salbeitee stellt beispielsweise bei Angina und Halsentzündung einen ausgesprochen effektiven Antibiotikaersatz dar, Spitzwegerich mit Honig hilft bei Husten. Und die Natur heilt doch. Und Sie können dafür selbst sorgen, dass Sie Ihr Heilmittel immer lieferbar ist.

Salbeitee als Antibiotikaersatz

Salbeitee dient bei Angina und Halsentzündung als Antibiotikaersatz

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Quellen: Bilder: Depositphotos/kalinovsky, garyphoto, duskbabe, Text: Jasmine Barendt