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Wird die Sonne zu Unrecht verteufelt?
Die Heilkraft der Sonne

Wird die Sonne zu Unrecht verteufelt?

Seit Jahrzehnten raten Dermatologen dazu, die Haut mit Sonnencreme vor UV-Strahlung zu schützen oder die Sonne gleich ganz zu meiden. Diese Meinung gerät zunehmend ins Wanken. Sonnenlicht ist zwar in der Lage Hautkrebs zu verursachen, andererseits ist die UVB-Strahlung die Hauptquelle zur Versorgung des Körpers mit Vitamin D. Immer mehr Studien zeigen, wie wichtig dieser Stoff ist.

Angst vor der Sonne: Wie schädlich ist die Sonne?

Sie wird als der größte Feind unserer Haut beschrieben, sorgt für Falten und ist sogar in der Lage Krebs zu verursachen. Die Furcht vor Hautkrebs hat in den vergangenen Jahren bei vielen Menschen zu einer geradezu panikartigen Vermeidung von Sonnenlicht geführt. In England warnen jetzt erstmals Gesundheitsbehörden vor ernsthaften Konsequenzen.

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Vitamin D: Die Sonne tut auch gut

Denn gerne wird vergessen, dass Sonnenlicht mit seiner ultra-violetten Strahlung Organe und Haut auch heilen kann. Schon länger wissen Mediziner, dass das Vitamin D für die positive Wirkung von Sonnenlicht auf Hautkrankheiten wie Schuppenflechte, Neurodermitis und Akne verantwortlich ist. Es wird in der obersten Hautschicht gebildet und aktiviert in der Haut liegende Immunzellen, die sogenannten Dendritischen Zellen. Die Dendritischen Zellen wirken also als Vermittler zwischen einem äußeren Reiz und dem Immunsystem und sorgen so dafür, dass die Körperabwehr immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. 

Darüber hinaus kann die Sonne sogar gegen Falten wirken, denn mit einer gewissen Menge Infrarotlicht, das sich im Spektrum des Sonnenlichts befindet, wird die Synthese von Kollagenfasern angeregt, was zu einer besseren Durchblutung führt.

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Gegen Depressionen, Demenz und Rheuma: Gesundheit durch Vitamin D

Doch das Sonnenlicht ist in Maßen nicht nur gut für unsere Haut, sondern durch die Bildung des Vitamin D sogar lebenswichtig. Vitamin D steuert unseren Tag-Nacht-Rhythmus, hebt die Stimmung, wirkt gegen Depressionen, macht fit und leistungsfähig. Man hat festgestellt, dass viele Krankheiten, wie Demenz, Rheuma und Multiple Sklerose in sonnenreichen Gegenden seltener vorkommen. Statistiken belegen sogar, dass unter südlicher Sonne eine Reihe von Krebsarten weniger häufig vorkommen – mit Ausnahme von Hautkrebs.

Studie bestätigt: Vitamin D hält jung

Vitamin D hält jung

Eine repräsentative Studie der holländischen Bevölkerung in den höheren Altersgruppen kommt sogar zu dem Ergebnis, dass das Sonnenschein Vitamin D den Alterungsprozess verzögert.

Die Forscher vom Medizinischen Zentrum der Universität von Amsterdam untersuchten über einen Zeitraum von drei Jahren ein Gruppe von 1.234 Männer und Frauen ab 65 Jahre auf ihre körperliche Fitness und die Geschwindigkeit, mit der diese Fitness mit zunehmendem Alter abnahm. Heraus kam, dass die Teilnehmer mit höherem Vitamin D-Spiegel im Blut eine wesentlich bessere Fitness in unterschiedlichen Leistungs- und Gleichgewichtstests bewiesen. Außerdem nahm ihre Leistungsfähigkeit über die drei Jahre weniger deutlich ab als bei den Probanden mit niedrigerem Vitamin D-Gehalt im Blut.

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Sonne sei Dank: Leistungsfähig im Alter mit Vitamin D

Bestätigt werden diese Resultate durch eine ältere Studie (2009) von der Tufts Universtität in Boston, USA, unter Leitung von Prof. Katherine L. Tucker. In dieser Studie wurden nicht nur geistige Fähigkeiten, sondern auch Beweglichkeit und Orientierung im Alltag gemessen. Das Ergebnis: Zwischen den Teilnehmern mit normalem und denen mit unzureichendem Vitamin D-Spiegel ergaben sich deutliche Unterschiede vor allem in Geschicklichkeit, Konzentration und Informationsverarbeitung, nicht jedoch bei der Gedächtnisleistung.

Gesundheitsbooster Sonne: Vitamin D schützt von Osteoporose und Krebs

Ebenfalls schon lange bekannt ist, dass Vitamin D am Kalziumstoffwechsel beteiligt ist und damit zur Knochendichte beiträgt. Eine Unterversorgung kann Osteoporose begünstigen und zu Rachitis bei Kindern oder Osteomalazie bei Erwachsenen führen.

Wissenschaftler der Universität Boston streiten seit langem für die Rehabilitation des Sonnenlichts. Denn sie fanden heraus, dass eine Unterversorgung mit Vitamin D auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Infektionskrankheiten, Diabetes, Morbus Crohn und zahlreiche Krebserkrankungen, wie Brust-, Darm- und Prostatakrebs erhöhen kann.

Wird die Sonne zu Unrecht verteufelt?

„Sonne ist in erster Linie kein Auslöser von Krebs, sondern schützt davor“, sagt Vorsorgemediziner Jörg Spitz, Gründer der “Gesellschaft für Medizinische Information und Prävention“.

Forscher fanden heraus, dass das Sonnenvitamin bei über 20 verschiedenen Krebserkrankungen eine Rolle spielt.

“Krebszellen können im Körper nur entstehen und sich vermehren, wenn die Kontrollmechanismen nicht funktionieren. Vitamin D unterstützt ganz wesentlich diese Vorgänge – und zwar in allen Stadien der Krebsentwicklung. Zum Beispiel achtet es darauf, dass keine übermäßige Zellteilung wie etwa beim Tumorwachstum einsetzt“, so Spitz.

Ein Verteufeln der Sonne sei somit fehl am Platz.

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Sonne tanken: So gelingt es im Alltag Vitamin D aufzunehmen

genügend Sonnenstrahlen und Vitamin D tanken

Von Mai bis August scheint zwar genug Sonne, aber wir halten uns entweder nicht lang genug in der Sonne auf oder kleistern die Haut mit Sonnencreme zu, so dass keine Vitamin D Produktion mehr stattfinden kann. Denn Sonnencreme enthält unter anderem Titanoxid, was die Sonnenstrahlen reflektiert und das Absorbieren verhindert. Um Vitamin D bilden zu können, sollten Sie mäßig, aber regelmäßig für etwa 15 Minuten der Mittagssonne aussetzen und dabei möglichst viel Haut zeigen.

Zu viel Sonne: Die Dosis macht das Gift

Wie für alles, so gilt auch hier: die Dosis macht das Gift. Man sollte es mit dem Sonnenbaden also nicht übertreiben, sonst kehrt sich der positive Effekt in einen negativen um und es kommt zu Verbrennungen. 

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Quellen: Bilder: Depositphotos/lussoadv, monkeybusiness, t.tomsickova, Text: Meike Riebe