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Der Klimaschutz ist nach Edenhofer Wirtschaftspolitik.

Ottmar Edenhofer forscht für den Klimaschutz

Klimaschutz kostet Geld. So ordnet Klimaforscher Ottmar Edenhofer den Klimaschutz auch nicht mehr dem Bereich Umweltschutz, sondern der Wirtschaftspolitik zu. Dabei fordert er eine weltweite Kooperation und Verteilung von Emissionsrechten.

Die hohen wissenschaftlichen Posten deuten bei Edenhofer auf eine steile Wissenschaftskarriere hin. Ottmar Edenhofer ist Chefökonom und stellvertretender Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Zudem übernahm er vor zwei Jahren an der Technischen Universität Berlin die Professur «Ökonomie und Klimawandel» und ist Vorsitzender einer Arbeitsgemeinschaft im Weltklimabeirat (IPCC, Intergovernemental Panel on Climat Change). Dieser trägt Forschungsergebnisse aus den verschiedensten Disziplinen zusammen, beurteilt dabei die Risiken der globalen Erderwärmung und erarbeitet Strategien zur Vermeidung und Anpassung. Doch den gradlinigen akademischen Aufstieg sucht man in Edenhofers Lebenslauf vergebens. Nach dem Abschluss des Studiums in Volkswirtschaftslehre trat der 26-jährige Edenhofer in einen Jesuitenorden ein. Zwar fand er das Studium interessant, doch «die Volkswirtschaftslehre konnte nicht alle Antworten geben», äussert sich Edenhofer im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) über seinen Entscheid. Zwei Jahre lang war er dann als humanitärer Helfer in Bosnien und Kroatien unterwegs. Sieben Jahre später schied Edenhofer aus dem Orden aus, da «die Theologie von den grossen Herausforderungen der Zeit eher weggeführt hatte».

Ottmar Edenhofer promovierte anschliessend fächerübergreifend in Wirtschafts-, Natur- und Computerkunde und schloss mit Bestnote ab. Daraufhin trat er die Stelle im Potsdam-Institut an und analysiert seither den Klimawandel und seine Folgen für die Wirtschaft. Dabei spricht er sich für eine weltweite Kooperation und eine Umverteilung der Ressourcen aus, um den Klimaschutz nach vorne bringen zu können. «Denn für ein Klimaschutzziel von zwei Grad werden weder rein technische Lösungen noch Lebensstilwandel ausreichen. Die Leute hier in Europa haben die groteske Vorstellung, Einkaufen im Bioladen oder Elektroautos lösten das Problem. Das ist arrogant, denn der ökologische Fussabdruck unseres Lebensstils hat sich in den letzten 30 Jahren vergrössert, trotz Öko-Bewegung», meint Edenhofer im Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ).

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Die Welt muss sich darüber einigen, wie sie das Gemeinschaftsgut Atmosphäre nutzen will. Bis anhin haben sich die Industrieländer der Atmosphäre als Abfallhalde für ihre CO2-Emissonen bedient. Um dies zu ändern spricht sich Edenhofer für die globale Verteilung von Emissionsrechten aus. Eine einfache und faire Lösung wäre die pro Kopf Verteilung der atmosphärischen Eigentumsrechte, auch Emissionsrechte genannt. «Dann ist Afrika der grosse Gewinner, und es fliesst viel Geld dorthin». fügt Edenhofer an. Denn Entwicklungsländer könnten dabei ihre nicht benötigten Emissionsrechte an die Industrieländer verkaufen und im Gegenzug Güter und Kapital erhalten.

Klimapolitik ist für Edenhofer somit auch Wirtschaftspolitik. Wenn die Weltgemeinschaft das 2-Grad-Ziel (die weltweite Klimaerwärmung darf nicht mehr als weitere zwei Grad steigen) erreichen will, dann dürfen nur noch 400 Gigatonnen Kohlestoff in der Atmosphäre abgelagert werden. Die in der Erde gelagerten Kohlereserven ergeben aber noch eine Kohlestoff-Ablagerung von insgesamt 11‘000 Gigatonnen. «Dass die Besitzer von Kohle und Öl davon nicht begeistert sind, liegt auf der Hand», fügt Edenhofer im Gespräch mit der NZZ an. Und gibt im Interview mit der FAZ gleich Lösungsvorschläge für die Ressourcen-Besitzer: «Jeder Strukturwandel hat zu einer Umverteilung von Einkommen und Vermögen geführt. Auch die Besitzer von Kohle, Öl und Gas können in neue Technologien investierten und zu Gewinnern des Strukturwandels werden». Dies sind gute Aussichten, vor allem für das Klima.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Neue Zürcher Zeitung, stimmen-der-zeit.de, Text: Lea Schwer