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Transparenz und Dialog sind Manomama's Erfolgsrezept

Nachhaltigkeit der Superlative lebt Sina Trinkwalder in Ihrem Textilunternehmen «manomama». Gewinnmaximierung steht nicht im Mittelpunkt, sondern der nachhaltige Umgang mit Kunden, Mitarbeitern und eine Produktionskette, die auf regionale Lieferanten zurückgreift und auf jegliche Schadstoffe verzichtet. Nachhaltigleben.de sprach mit der Firmengründerin, die im letzten Jahr mit dem «Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit» prämiert wurde.

Sina Trinkwalder setzt auf Nachhaltigkeit

Mein Antrieb ist ein ganz einfacher: gesellschaftliche Missstände durch ökonomische Lösungen zu lindern und langfristig auszuhebeln. Foto: Manomama

Mit «manomama» haben Sie das erste soziale Textilunternehmen gegründet. Was waren Ihre Beweggründe und was steckt dahinter?

Als Werber hatte sich mir nach jahrelanger Tätigkeit irgendwann die «Sinnfrage» gestellt. Immer häufiger stellte ich infrage, ob das, was ich mit meiner Energie, mit meinem Schaffen, tat, auch wirklich nützlich für eine Gesellschaft ist. Die Antwort war schnell gefunden: nein. Und so stieg ich aus dieser Branche aus, um etwas in meinen Augen sinnvolles zu tun: nämlich Menschen, die keine Chance auf Arbeit haben, eine sinnvolle Beschäftigung zu geben. Nachdem Augsburg eine traditionelle Textilhochburg war und es dort zahlreiche ehemalige Beschäftigte aus dieser Branche gibt, die leider nicht mehr in ihrem eigentlichen Beruf arbeiten können oder aber arbeitslos sind, war der Grundstein für «manomama» schnell gelegt. Wichtig war mir von Anfang an das «Know-Why» und nicht «Know-how». Das nämlich folgt von ganz allein.

Sie haben mit Ihrer Idee viele Auszeichnungen erhalten. 2011 wurden Sie u.a. mit dem "Social Entrepreneur der Nachhaltigkeit" prämiert. Was bedeuten Ihnen solche Auszeichnungen?

Einerseits sind die zahlreichen Auszeichnungen, die wir für unser Engagement bekamen, eine Anerkennung für unser Tun. Andererseits finde ich es sehr befremdlich, dass in meinen Augen verantwortungsvolles Unternehmertun, das Rückbesinnen auf Werte, der respektvolle Umgang mit Mensch, Natur und Tier heutzutage so besonders erscheint, dass es preiswürdig ist.

Was ist Ihr Antrieb als Unternehmerin?

Mein Antrieb ist ein ganz einfacher: gesellschaftliche Missstände durch ökonomische Lösungen zu lindern und langfristig auszuhebeln. Dies geht nur durch nachhaltiges Handeln. Blabla, möge man nun argumentieren, nachhaltig sein heute doch alle. Mitnichten. Wenn Sie jemanden fragen, was Nachhaltigkeit ist, bekommen Sie die abstrusesten Definitionen. Derweil ist Nachhaltig sehr einfach definiert: Respektvolles Handeln gegenüber Mensch, Natur und Tier. Das nämlich klingt leicht, ist aber eine wahrliche Herausforderung. Und das ist mein Antrieb.

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Gewinnmaximierung ist bei Ihnen Nebensache. Hat Ihr Modell Zukunfts- und Trendcharakter?

Das stimmt so nicht. Gewinnmaximierung ist mir wichtig. Nur definieren wir Gewinn neu. Nicht monetär, sondern menschlich. «Manomama» schrieb von Anbeginn Gewinn: für den Menschen. Schließlich bringen wir Menschen wieder in eine sinnvolle Beschäftigung. Zudem unterstützen wir zahlreiche Arbeitsplätze durch unsere Art der Produktion: in einer regionalen Wertschöpfungskette. Wir kaufen keine billigen Stoffe und Zutaten von irgendwo, sondern lassen alles in unserer Region produzieren. Selbst die Einrichtung unserer Produktion (in weiten Teilen aus hessischer, nachhaltiger Fortwirtschaft), die Maschinen und alles Drum und Dran versuchen wir aus der Region zu beziehen. Und ja, die Bewegung der Regionalisierung wird sicherlich ein Megatrend werden. Denn: nur, wenn es regional ist, ist es auch wirklich bio. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Für lange Transportwege ist, neben der logistischen Umweltbelastung, die chemische Keule der Punkt, der alles «bio» kaputt macht. Seefrachtcontainer werden mit Schimmelhemmern begast, um das Gut an europäische Häfen zu schiffen. Wer also ernsthaft nachhaltig agieren möchte, und dazu gehört natürlich der ökologische Aspekt, wird sich mittelfristig wieder regional orientieren.

Können Sie uns ein paar Hintergründe zu «manomama» nennen? Ihre Geschäftsidee, Ihre Produkte, Ihre Philosophie etc.?

Die Geschäftsidee ist ziemlich einfach: Produkte dort zu produzieren, wo sie konsumiert werden. Mit Menschen, die den Beruf irgendwann mal aus Leidenschaft ergriffen haben und im Zuge der Globalisierung zusehen mussten, dass ihr Berufsleben im Ausland stattfindet. Eigentlich ist manomama nicht mehr als ein «Happy End» für meine Mitarbeiter. Für unsere Kunden ist manomama eine vertrauensvolle, weil transparente Marke für echte ökologische Bekleidung. Der oftmals kritisierte Standortnachteil Deutschland haben wir einfach zu unserem Vorteil gemacht: aufgrund der hohen Qualifikation können wir den Farb- und Maßwünschen unserer Kunden in kurzer Zeit gerecht werden.

Was bedeutet Nachhaltigkeit in der Produktion von Textilien?

Was Nachhaltigkeit an sich bedeutet, habe ich vorhin bereits definiert. Im Textilbereich geht es etwas tiefer. Herkömmliche, aber auch zahlreiche Biolabels achten ausschließlich darauf, dass die Produkttoxikologie, also die Schadstoffkonzentration im fertigen Gut, gering ist. Wie der Prozess dahinter ist, interessiert niemanden. Wir hingegen konzentrieren uns auf die Produktionsökologie. Gemäß dem alten Kochmotto «Wo was Guats eingmisch, kommt was Guats raus». Wir gehen jeden einzelnen Schritt innerhalb der Produktionskette durch und hinterfragen genau, was für Einsatz von welchen Mitteln Sinn macht und welcher nicht. Was schädlich ist, und was nicht. Als Grundlage dienen uns die strengsten Richtlinien im Biobereich: die des Internationalen Naturtextilverbands, kurz IVN. Doch das ist uns noch nicht ausreichend genug. So achten wir darauf, dass unsere Produkte kompostierbar sind. Entgegen aller Siegel erlauben wir uns nicht, mit Plastikfäden zu nähen. Bei uns kommt ein Faden aus kba-Baumwolle zum Einsatz. Wir nehmen nicht, wie erlaubt, Polyester-Schulterpolster, sondern haben eine eigene Entwicklung im Einsatz: aus bayerischem Hanf hergestellte Einlagen, die ausschließlich mechanisch verarbeitet sind. Wir verzichten auf Steinnuss-Knöpfe und sonstige exotische Materialien, die von weither kommen, sondern «backen» unsere Knöpfe aus Lignin, einem Abfallprodukt aus der Zeitungsindustrie. Ich könnte hier stundenlang ausholen, aber ich denke, die kleinen Beispiele zeigen auf, was wir als nachhaltig im Textilbereich sehen.

Stichwort: Finanzierung. Werden Ihre Projekte von Banken und durch staatliche Hilfen unterstützt?

Nein. Ich finanziere «manomama» komplett privat.

Sie setzen intensiv auf Soziale Netzwerke. Wie und warum?

Weil Twitter (www.twitter.com/manomama) und Facebook (www.facebook.com/manomama) die Kanäle sind, die uns ermöglichen, das, was wir mit unserer Kommunikation erreichen möchten, auch erreichen lassen: Transparenz und Dialog. Wir möchten keine One-Way-Kommunikation, wie in den klassischen Medien. Eine traditionelle Kommunikation vom Unternehmen zum Kunden ist nicht, was wir verfolgen. Wir möchten und realisieren eine Kommunikation von Mensch zu Mensch. So spricht der Kunde Michael nicht mit dem Unternehmen «manomama», sondern mit Sina von «manomama».

Sie sind eigentlich von Hause aus Werberin. Wie wurden Sie Textilunternehmerin?

Ganz einfach: Ich kam vom letzten Kundenmeeting heim, sagte meinem Mann, dass ich den Affenzirkus nicht mehr mitmache. Dann tranken wir ein Glas Wein und wie es weiterging, war doch die erste Frage, oder? (lacht).

Mehr zum Nachhaltigkeitspreis den Sina Trinkwalder erhielt, lesen Sie hier.

Interview: Peter Rensch