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Im Interview Tom Szaky

Recycling: ein Jungunternehmer macht Müll zu Müllbehältern

Tom Szaky, 31, ist so etwas wie der grüne Shooting-Star der USA. Als Pionier der Wiederverwertung hat er als einer der ersten mit seinem 2001 gegründeten Startup TerraCycle die Amerikaner für das Recycling begeistert. Doch auch in Deutschland, dem führenden Land in Sachen Recycling, stehen alle Zeichen auf Erfolgskurs.

Als 20-jähriger Princeton-Student verließ darauf die Universität um sich ganz seinem grünen Recycling- und Upcycling-Unternehmen zu widmen, das Ökologie, Wirtschaftlichkeit und soziales Engagement vereint. Was mit der Herstellung von organischem Dünger aus Wurmkot, abgefüllt in gebrauchten Plastikflaschen, begann, entwickelte sich bald zu der weltweiten Mission, Abfall abzuschaffen. Auch ohne das Geld eines Investors gelang ihm 2004 der Durchbruch: Walmart und die Baumarktkette Home Depot, zwei der weltweit größten Einzelhändler, verkauften den bis dahin wenig bekannten Wurmdünger. Seit seiner Gründung ist TerraCycle enorm gewachsen, seit 2009 kamen allein 14 neue Standorte in Europa hinzu.

Nicht nur die bunten, mit Möbeln aus Müll ausgestatteten TerraCycle-Büros, auch das Auftreten des jungen Unternehmensgründers zeigen, dass man auch ohne grauen Business-Anzug Erfolg haben kann. 30 der weltweit führenden Marken wie Nestlé, CocaCola oder L’Oreal konnte Szaky als Partner gewinnen.

TerraCycle

Das deutsche Büro von TerraCycle in Mainz © TerraCycle

Tom Szaky, Firmengründer von TerraCycle, erklärt in einem Interview mit WiWo Green die weiteren Ziele des Unternehmens und wie ein nachhaltiges Leben funktionieren kann.

Die Deutschen sind beim Recycling führend in Europa. Kann man da überhaupt noch etwas besser machen?

Tom Szaky: Tatsächlich, für Recycling ist Deutschland vielleicht der beste Markt der Welt. Dennoch gibt es Verbesserungsbedarf: Interessanterweise werden selbst in Deutschland immer noch über 50 Prozent des Abfalls von Konsumenten nicht wiederverwertet, sondern in Müllverbrennungsanlagen zur Energieerzeugung genutzt. Genau diesen Müll wollen wir von den Menschen haben.

Bisher lassen Sie sich in Deutschland vor allem Stifte, Trinktüten von Capri-Sonne und Druckerpatronen schicken. Was ist als nächstes geplant?

Szaky: Wir werden in den kommenden Monaten ein Recyclingsystem für Zigaretten und gebrauchte Zahnpastatuben und Zahnbürsten aufbauen. Daran sieht man schon: Wir haben es auf Sachen abgesehen, die bisher nicht verwertbar waren.

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Und was wird aus den Zigaretten?

Szaky: Die Zigaretten werden in einen organischen Teil und einen anorganischen Teil getrennt. Aus dem Tabak, der Asche und dem Papier wird Dünger für die Landwirtschaft gemacht. All die anorganischen Bestandteile, wie der Filter, werden zu Plastik für Fabrikanwendungen.

Könnte man aus den Kippen nicht auch Plastikflaschen machen?

Szaky: Eher nicht. Denn das Plastik riecht immer noch nach Zigarette. Das Programm gibt es übrigens schon in den USA, Kanada und in Spanien. Derzeit sammeln wir im Jahr zwischen drei und fünf Millionen Stummel ein. Ich schätze, die Zahl könnte sich in den nächsten Jahren verzehnfachen. Aber nicht nur alte Zigaretten begeistern mich derzeit.

TerraCycle_Produkte

Aus Safttüten, Stiften und vieles mehr lassen sich einzigartige neue Produkte kreiren © TerraCycle

Was noch?

Szaky: Wir haben auch ein Programm, um alte Kaugummis wiederzuverwerten. Daraus machen die Unternehmen, die mit uns zusammenarbeiten, Müllbehälter. Die bestehen zu 20 Prozent aus den Kaugummis und zu 80 Prozent aus anderem recyceltem Plastik, zum Beispiel aus Chipstüten. Auch Windeln sammeln wir ein. Aus denen werden dann Parkbänke und Plastikzäune.

Planen sie auch weitere Programme für Deutschland?

Szaky: Ja, wir sind derzeit mit rund 100 Unternehmen im Gespräch, die ihre Abfälle mit uns recyceln und das Konzept Sponsoren wollen. Wir können aber noch nicht sagen, welche.

Welche Produkte gibt es denn schon in Deutschland zu kaufen?

Szaky: Neben einer Mülltonne werden unter anderem auch Gießkannen und Stiftehalter aus dem Abfall gemacht. Aber auf die Produkte nehmen wir keinen direkten Einfluss. Unsere Aufgabe ist es ja, den Müll einzusammeln und die Menschen oder Unternehmen dazu zu bringen, ihn uns zu schicken. Sie sollen Sammelgemeinschaften in Büros, Sportklubs, Universitäten und Schulen bilden.

Sie haben mal gesagt, dass es für Sie am wichtigsten ist, in einem Job „viel Geld zu verdienen“. Verträgt sich das mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell?

Szaky: Da hat der Journalist meine Aussage komisch interpretiert. Mein Ziel ist es, zu zeigen, dass man auf Wachstum und Wirtschaftlichkeit setzen, aber gleichzeitig etwas für die soziale Entwicklung und für den Umweltschutz tun kann. Ich will zeigen, dass man auch mit einem verantwortungsvollen Geschäft Geld machen kann.

Was machen Sie denn privat, um nachhaltiger zu leben?

Szaky: Ich glaube, wir konsumieren alle zuviel. Ich versuche nichts mehr zu kaufen, was schnell weggeworfen werden muss. Ich konzentriere mich auf haltbare Sachen, zum Beispiel bei Kleidung. Noch besser ist es, wenn ich sie gebraucht finde. Diesen Umstieg von Wegwerfprodukten zu haltbaren und, wenn möglich, gebrauchten Dingen kann jeder leicht machen.

Quelle: TerraCycle / Text: Christina Jung