In allen Formen und Farben. PET-Flaschen: unökologisch! ©iStockphoto

Discounter ohne Umweltbewusstsein

Der Grundgedanke hinter der Mehrwegflasche ist ausgesprochen nachhaltig: Der Handel nimmt die Flasche zurück und führt sie nach einer Grundreinigung wieder neu aufgefüllt in den Warenkreislauf zurück. Energie- und kostensparend. Aber wie bei den Märchen der Gebrüder Grimm –hört sich die Geschichte besser an, als es der Wahrheit entspricht.

Eine riesige Auswahl! Leider an PET-Flaschen. Die klassische Mehrwegflasche wurde aus den Supermarktregalen verdrängt. ©iStockphoto

Eine riesige Auswahl! Leider an PET-Flaschen. Die klassische Mehrwegflasche wurde aus den Supermarktregalen verdrängt. ©iStockphoto

Die Welt erstickt in Plastikmüll. Ganze Berge davon wachsen in den Himmel und die Umwelt droht davon zu ersticken. Würde man die weltweite Menge an Plastikmüll zu Folie verarbeiten, könnte man damit sechs Mal den gesamten Erdball umwickeln. Ein erschreckend giftiger Tatbestand. Die Idee mit der Mehrwegflasche kommt da genau richtig. Weil es ohne dieses Plastikteil nicht geht, kann man es doch wiederverwenden? Hört sich gut an. Also die Einwegflasche wird zur Mehrwegflasche. Sie wird also nach Gebrauch nicht als Kunststoffgranulat verarbeitet, sondern wandert zurück in den Handel.

 

 

 

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Der Müll landet nicht immer, aber auch in unseren Seen und Flüssen ©iStpckphoto

Der Müll landet nicht immer, aber auch in unseren Seen und Flüssen ©iStpckphoto









 

Discounter machen Kasse

Das System aber fängt an zu kranken, denn die Discounter verdienen bares Geld mit der Einwegflasche und umgehen damit den Mehrweg ihrer Produkte. Das lukrative Geschäft mit dem giftigen Plastikteil bringt diesen Geschäften pro Tonne in den Recyclingkreislauf zwischen 400 und 500 Euro. Problem an der Geschichte: Die Discounter haben aus Profitgründen gar kein Interesse an der Mehrwegflasche und die Verbraucher unterliegen dem Irrglauben, dass jede Flasche auf die Pfand gezahlt wird ein Mehrwegprodukt sei. Ist es aber leider nicht. Getränkemärkte setzen zwar auf das Mehrwegsystem, doch immer mehr Verbraucher holen sich Bier, Wasser & Co. beim billigen Discounter. Die Folge: Die Mehrwegquote ist gesunken. Und das kommt nicht von ungefähr: Discountketten lassen sich die Einwegflaschen in ihre Rücknahmeautomaten stopfen und sparen damit Logistikkosten durch Rückfüllung und Wiederbefüllung ein. Die Flaschen werden direkt in den Recyclingprozess geschleust und dafür gibt es, wie wir oben gelesen haben auch noch satte Einnahmen.

Mehrweg schont die Umwelt

Profitdenken contra Umweltverantwortung. Nur zum Vergleich: Die Flaschen aus dem Mehrwegsystem können bis zu 50 Mal befüllt werden. Also 50 Mal werden die Umwelt und die Energie geschont. Pro Flasche. In Deutschland leben ca. 60 Millionen volljährige Menschen, von denen ein Großteil jeden Tag Plastikflaschen kaufen. Eine unvorstellbare Menge und eine enorme Möglichkeit, einen sinnvollen Beitrag zur Umweltschonung zu leisten. Wenn die Geldgier nicht wäre. Bundesumweltminister Peter Altmaier möchte jetzt das Einweg- und Mehrwegsystem überarbeiten und dem Verbraucher ermöglichen, es besser zu durchblicken und zu unterstützen. So hat das Kabinett beschlossen, Einweg- und Mehrwegprodukte zu kennzeichnen und so dem Verbraucher eine Entscheidungshilfe beim Kauf zu ermöglichen.

Auch wenn es sich gut anhört, dass bei einer Einwegflasche 97 Prozent des Stoffes beim Recycling zurückgewonnen wird, sollte nicht der hohe Einsatz chemischer Stoffe und Energie dabei vergessen werden. Laut Jürgen Resch, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe darf der Verbraucher nicht weiter in die Irre geführt werden. Seiner Meinung nach ist Mehrweg zieführender für die Umwelt und den Klimaschutz.

Auch wenn auf den Einzelhandel hohe Kosten bei der Auszeichnung der Produkte zukommt, ist es dennoch ein wichtiger Schritt in Richtung Umwelt und nachhaltiges Bewusstsein.

Plastikmüll im Meer: Ausstellung zeigt verheerende Folgen

  • Alleine 80 Prozent des Plastikmülls in den Meeres stammt vom Land, vom Wind hinein getragen oder über Flüsse hineingespült. Foto: NOAA/PIFSC
  • Alleine im Pazifischen Ozean schwimmt ein Strudel aus Plastikmüll, so groß wie Mitteleuropa. Foto: Gavin Parson/Marine Photobank
  • Nur im allergünstigsten Fall ein Habitat für Fische und Muscheln... Foto: Lindsey Hoshaw
  • Wie die Spitze eines Eisbergs gelangt nur ein Bruchteil an die Küsten. Mal weniger wie hier in Thailand ... Foto: Kanyarat Kosavisutte/Green Fins Association/Marine Photobank
  • ... mal mehr wie hier in Norwegen. Foto Bo Eide
  • Ganze Küstenabschnitte sind verseucht von Unmengen an Plastikmüll. Foto: William Rodriguez Schepis, Instituto EcoFaxina/Marine Photobank
  • Berge davon wurden nun im Hamburger MKG zusammengetragen, um die große Umweltverschmutzung (be-)greifbar zu machen. Aber auch sehr drastische Bilder... Foto Michaela Hille
  • ... dienen der Dokumentation der Folgen von Plastikmüll in den Weltmeeren. Besondere Gefahr: Über Bord geworfene Fischernetze, die ... Foto: Kanna Jones/Marine Photobank
  • ... für Robben, Delfine oder diesen Rochen zur tödlichen Falle werden können. Foto/© Susanne Skyrm/Marine Photobank
  • Wie gefährlich Plastik in den Weltmeeren für Tiere ist, zeigt dieser verendete Vogel. Genauso fressen Fische den zerkleinerten Plastikmüll, der so auf unseren Tellern landet. Foto/© Chris Jordan, Courtesy of Christophe Guye Galerie
  • Da haben diese jungen Albatrosse fast noch Glück... Sie sind nur inmitten von Plastikmüll geschlüpft und aufgewachsen... Foto/© Forest & Kim Starr

Text: Peter Rensch
Bild: ©iStockphoto