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Um die deutsche Fleischeslust zu stillen, wird eine enorme Fläche benötigt.

WWF-Studie: Deutscher Fleischhunger vertilgt Fläche Österreichs

Passend zum Welternährungstag am 16. Oktober hat der WWF eine Studie zum Fleischkonsum der Deutschen heraus gebracht mit dem Titel: "Fleisch frisst Land". Umgerechnet auf die Landnutzung beansprucht der Fleischkonsum hierzulande eine Fläche in der Größe des Nachbarn Österreich. Doch zu viel Fleisch schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch der Gesundheit, warnt die Umweltstiftung.

Insgesamt werden 8,42 Millionen Hektar benötigt, um die Fleischeslust der Bewohner Deutschlands zu stillen. Da aber die deutschen Lande endlich sind, importiert Deutschland daher über alle Fleischarten hinweg virtuell Fläche in einer Größenordnung von 210.000 Hektar. Das entspricht fast der Flächengröße des Saarlandes und in etwa der Gesamtfläche der drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg.

Schon heute ist die Viehwirtschaft der größte, globale Landnutzer mit Auswirkungen auf Land und Leute: 18 Prozent der Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto der Viehwirtschaft. Rund ein Drittel der gesamten Landoberfläche wird als Ackerland oder Weidefläche zur Futtermittelproduktion verwand. Eine Hauptzutat des Futtermittels ist Soja. Von den über sechs Millionen Tonnen Soja, die Deutschland jährlich importiert, werden 79 Prozent denn auch verfüttert. Umgerechnet auf die Fläche ergibt das 2,6 Millionen Hektar Ackerland. Um den Fleischhunger aller Deutschen allein aus deutscher Produktion stillen zu wollen, müsste Land der Größe des Bundeslandes Rheinland-Pfalz allein mit Soja bebaut werden. 75 Prozent der Sojaimporte nach Deutschland kommen heutzutage aus Südamerika, vor allem aus den beiden Ländern Brasilien und Argentinien. Wertvolle Regenwälder werden dort gerodet, um Flächen für den Anbau mit Soja zu schaffen - und schlussendlich den deutschen Fleischhunger zu stillen.

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Interessant ist die WWF-Vergleichsrechnung des „Flächen-Fußabdrucks“ von Fleisch mit dem anderer Lebensmittel: Während Spaghetti mit Tomatensauce mit gerade einmal 0,46 Quadratmetern zu Buche schlagen, liegt ein Hamburger mit Pommes und Salat schon bei einem Flächenbedarf von etwa 3,61 Quadratmeter. Und der klassische Schweinebraten mit Rotkohl und Kartoffelklößen bringt es auf 3,12 Quadratmeter. So kommt der jährliche Fleischkonsum eines Durchschnittsdeutschen auf gut 1000 Quadratmeter. Daneben braucht der Verzehr von Kartoffeln nur 15 Quadratmeter pro Kopf und Jahr.

Und was rät der WWF jedem Einzelnen, der nicht schon Vegetarier oder Veganer ist? Wir Deutschen essen mit rund 60 Kilo durchschnittlichem Verzehr pro Jahr sowieso zu viel Fleisch. Das ist nämlich doppelt so viel, wie noch im Jahr 1950 verzehrt wurde und was Ernährungsberater empfehlen würden. Daher lautet der Rat des WWF: Esst weniger Fleisch. Am besten nur noch halb soviel pro Woche wie bisher, aber dafür besseres und zwar in Bio-Qualität oder auch Weidefleisch. Darüber haben wir bei ecowoman.de vor kurzem schon berichtet: Warum sich Fleisch mit Bio-Siegel lohnt.

Doch es seien nicht nur Verbraucher gefordert, so der WWF. Sondern genauso die Fleischindustrie und EU-Agrarpolitik: Der Gedanke der Nachhaltigkeit müsse konsequent umgesetzt werden. Es gelte heimische Futtermittel verstärkt zu fördern, um künftig vermehrt Soja ersetzen zu können.

Mehr zum Fleischkonsum der Deutschen sehen Sie im folgenden Video:

Hier geht's zur WWF-Studie als PDF: wwf.de

Text: Sabine Letz

Fotoquelle: WWF