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Schlehen am Strauch
Portrait einer Power-Frucht

Schlehen: Das Kraftpaket aus der Natur erkennen, sammeln und verwenden

Tiefblau versteckt sie sich im Herbst hinter Dornengittern. Doch das sollte uns nicht abhalten, die Schlehe nach Hause zu holen. Denn die Früchte des Schlehdorns schmecken köstlich und haben eine medizinische Wirkung.

Wenn der erste Frost über die Wiesen und Wälder gezogen ist, kommt ihre Zeit: die Schlehe. Wer dann einen Spaziergang im Spätherbst macht, sollte unbedingt einen großen Korb mitnehmen, der viel Platz zum Pflücken der Schlehbeere bereithält.

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Denn die tiefblaue Beere kann so einiges: vom heimischen Superfood bis hin zur süßen Marmelade. Ecowoman erklärt, wie ihr die Schlehe erkennt, für was man sie verwenden kann und welche Heilwirkung in ihr steckt. 

Schlehe erkennen: Mit diesen Merkmalen kommt es nicht zur Verwechslung

Schlehe

Die Schlehe, auch Schleh- oder Schwarzdorn genannt, ist ein wilder Heckenstrauch. Selten wächst er in den heimischen Gärten, vielmehr ist die Schlehe an Waldrändern oder Hängen zu finden, wo sie viel Sonne abbekommt.

Während Tiere, Vögel und Insekten die Pflanze als wertvollen Schutzort oder Nahrungslieferant schätzen, geht der Mensch oft ungeachtet an der Schlehe vorbei. Höchste Zeit also, die Power-Frucht besser kennenzulernen und zu nutzen.

Um die Früchte beim nächsten Spaziergang eindeutig zu erkennen, bieten diese Merkmale eine erste Orientierung und beugen der Verwechslung mit anderen Pflanzen vor:

  • Das markanteste Merkmal sind die Dornen. Sie sind etwa 2 Zentimeter lang und sehr spitz.
  • Das sind allerdings keine Dornen im eigentlichen Sinn, sondern aus Ausbildungen der Kurztriebe. Dadurch ist ein stark verästeltes Erscheinungsbild typisch für die Schlehe.
  • Der Schlehdorn trägt haselnussgroße Früchte. Im reifen Zustand im Frühherbst färben sie sich von Grün ins Stahl- bis Schwarzblaue. Die Beeren sind rund, etwa 1 bis 1,5 Zentimeter groß und haben einen dicken Kern in der Mitte.
  • Zwischen März und April blüht die Schlehe – lange bevor die ersten Blätter sprießen. Dann ist der Strauch in ein Meer aus 1 Zentimeter großen und schneeweißen Blüten getaucht.
  • Die Blätter entwickeln sich im Mai und haben eine konvexe bis ovale Form, sind bis zu 4 Zentimeter groß und am Rand leicht gezackt.
  • Die Rinde hat eine tiefdunkle bis schwarze Farbe. Übrigens: Dieses einzigartige Merkmal wurde sich früher zunutze gemacht, um Tinte herzustellen.

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Schlehdorn: Verwechslung mit anderen Früchten selten möglich

Schlehdorn und Weißdorn

links: Schlehdorn, rechts: Weißdorn

Sind diese Eigenschaften der Schlehe erst einmal gut eingeprägt, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen und es besteht keine Verwechslungsgefahr mit anderen Pflanzen. Eine Verwechslung ist nur mit dem Weißdorn möglich – auf den ersten Blick sind sich die Sträucher sehr ähnlich.

Aber der Weißdorn bildet seine Blüten erst, nachdem die Blätter da sind und sie riechen weitaus weniger intensiv als die Blüten der Schlehe. Außerdem trägt er richtige Dornen, eine helle Rinde und die Früchte sind rot. Also spätestens zur Erntezeit der Schlehbeere kann sie nicht mehr mit dem Weißdorn verwechselt werden.

Schlehen ernten: Der beste Zeitpunkt ist nach dem ersten Frost

Da die Verwechslung nun gebannt ist, ist es wichtig zu wissen, wie und wann die Beere der Schlehe gesammelt werden kann. Hier ist vor allem eins entscheidend: Wer Schlehen ernten möchte, sollte am besten nach dem ersten Frost aktiv werden.

Wer vorher schon einmal in eine rohe Schlehe gebissen hat, weiß warum. Sie sind sauer und hinterlassen ein pelziges Gefühl im Mund – giftig sind sie aber nicht. Nach der Frosteinwirkung werden sie deutlich milder und süßer. Der Zeitpunkt der Ernte schwankt also von Jahr zu Jahr, in der Regel dürfte es aber im November so weit sein.

Tipp: Wer ungeduldig ist und nicht bis zum ersten Frost warten will, kann Schlehen auch schon etwas früher pflücken und dann für einige Tage in die Gefriertruhe legen. Dadurch wird die Frosteinwirkung künstlich erzeugt, die gewisse Stoffwechselvorgänge der Frucht aktiviert und die dafür sorgen, dass die Schlehe süßlich schmeckt.

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Tipps zum Schlehen sammeln und verwenden

Wer Schlehen sammeln will, braucht etwas Geduld und Ausdauer, denn das Pflücken ist nicht ganz einfach: Jede Frucht muss einzeln von den Zweigen gepflückt werden. Dabei machen einem allerdings die spitzen und harten Dornen zu schaffen.

Um sich bei der Ernte der Schlehe nicht zu verletzen, trägt man zum Schutz Handschuhe und im besten Fall eine feste Jacke. Ausgestattet mit einem Korb kann man dann aber mit einer echten Power-Frucht im Gepäck vom Herbstspaziergang nach Hause kommen – um dann die Schlehe am besten direkt zu verarbeiten. Dabei sollten allerdings die Kerne, wie auch bei Kirschen, entfernt werden. Sie enthalten Blausäure und eignen sich deshalb nicht zum Verzehr.

Die Schlehe und ihre Heilwirkung: Blaue Beere mit stärkender Kraft

Gesunde Frau im Winter

Doch was lässt sich mit der Schlehe alles machen? Fangen wir mit den heilenden Kräften der blauen Beere an. Die Steinfrucht gilt als jahrhundertaltes Heilmittel, denn sie enthält viele gesunde Flavonoide, Gerbstoffe und Vitamine wie Vitamin C, A, B1, B2 oder B6.

Selbst die weißen Blüten des Schlehdorns finden ihre Anwendung in der pflanzlichen Medizin. Getrocknet in einem Tee sollen sie Verdauungsbeschwerden oder Blasen- und Nierenproblemen lindern. Aber auch die Früchte können bei Durchfall oder Magen-Darm-Infekten eingesetzt werden.

Außerdem soll die Schlehe zusammenziehend wirken und somit gut für die Mundschleimhaut sein sowie Zahnfleischentzündungen vorbeugen. Das zeigt zum Beispiel seine Wirkung, wenn man die rohe Beere rund eine Minute kaut.

Auch wird der Schlehe eine entzündungshemmende Heilwirkung nachgesagt, und dass sie bei Erkältung, Fieber, rheumatischen Beschwerden oder Harnwegsinfektionen helfen sollen. Dazu wird die Schlehe am besten als Mus gegessen oder in Form eines Saftes getrunken. So geht`s:

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Schlehen-Elixier: Gut gegen Erkältung

Die Schlehe ist nämlich gerade in den Wintermonaten ein echter Vitaminspender. Insbesondere aufgrund ihres hohen Vitamin C-Gehaltes unterstützt sie das Immunsystem und bringt uns erkältungsfrei durch die kalte Jahreszeit.

Um die Heilwirkung der Schlehe zu erfahren, kocht man aus den blauen Beeren am besten ein konzentriertes Elixier ­– nimmt man davon jeden Tag einen Esslöffel, beugt das Erkältungen vor. Für das Schlehenelixier braucht man vor allem Zeit. Aber auch ein Kilo Früchte für einen Liter des Saftes.

  • Schlehen mit kochendem Wasser übergießen, sodass alle Früchte bedeckt sind. Dann das Ganze mindestens 24 Stunden ziehen lassen.
  • Die Beeren herausfiltern, den Sud aufkochen, noch einmal über die Schlehen gießen und wieder 24 Stunden stehen lassen.
  • Diesen Arbeitsprozess fünf bis sechsmal wiederholen, bis die ganze Pflanzenkraft im Sud steckt und das Elixier dunkel, süß und leicht zähflüssig ist.
  • Den noch heißen Schlehensaft in ausgekochte Flaschen abfüllen und fest verschließen. So ist es einige Monate haltbar.

Wer möchte, kann das Elixier im letzten Kochgang mit etwas Zitrone verfeinern oder mit Zucker süßen. Das ist allerdings kein Muss. Der Saft aus der Schlehe kann dann vielseitig angewendet werden: Als Elixier gegen Erkältung, als Basis für Schlehen-Gelee oder mit Wasser verdünnt als köstliches Heißgetränk an kalten Wintertagen.

Schlehen verarbeiten und anwenden: Marmelade und Saft kochen

Schlehen Marmelade

Zum einen kann aus dem Schlehensaft ein leckeres Gelee hergestellt werden, es lässt sich aber auch wunderbar eine Marmelade mit herb-aromatischem Geschmack aus der Steinfrucht kochen. Dafür braucht man nichts weiter als 1 Kilo Schlehen, ein Kilo Gelierzucker, Wasser und einen Kartoffelstampfer.

Für die Marmelade die Schlehen mit Wasser übergießen, sodass sie nicht vollständig bedeckt sind. Den Inhalt einige Minuten kochen, bis die Früchte aufplatzen und sie mit einem Kartoffelstampfer zerdrückt werden können. Die Masse durch ein Sieb streichen und das daraus gewonnene Schlehenmus mit dem Gelierzucker – ähnlich wie auch andere Marmelade – für einige Minuten bei hoher Temperatur kochen. Mit Vanille verfeinert, bekommt das Mus noch mal eine besondere Note.

Die heiße Marmelade in sterile Gläser füllen, verschließen, umdrehen und abkühlen lassen. Fertig ist der süße Brotaufstrich. Wer besonders fleißig beim Schlehensammeln war und deshalb einen großen Vorrat an Schlehenmarmelade gekocht hat, kann auch ein paar Gläser beispielsweise verschenken: Denn über Selbstgemachtes freuen sich Freunde und Bekannte doch garantiert.

Quellen: Dr. Hauschka, Chefkoch, Bilder: Depositphotos/3quarks, KPixMining, arousa, mschuppi, gukovskayaov@gmail.com, Text: Lisa Bender