1. Home
  2.  › Ernährung
  3.  › Essen
Rund 20 Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr verschwendet.

Was machen gegen Lebensmittel-Müll, oder: Wohlstand und Wahnsinn

20 Tonnen im Wert von 400 Euro pro Person, rund die Hälfte der produzierten Menge. Das sind die nüchternen Zahlen unserer Wegwerfgesellschaft, genauer, jene Zahlen für Lebensmittel, die jährlich weggeworfen werden. Doch Nahrungsmittel zu vernichten ist zynisch und sollte vermieden werden. Wie, ein paar nachhaltige Tipps.

Spätestens seit dem Film «Taste the Waste» ist jeder geschockt darüber, wie viele Lebensmittel weggeworfen werden. Doch letztlich liegt es nicht nur an den großen Lebensmittelproduzenten, die beschuldigt werden, aus Perfektionsgründen nicht ideal gewachsene Tomaten oder Kartoffel wegzuwerfen. Oder an den Supermärkten, die eigentlich mindestens 32 Tage haltbare Joghurts aus dem Regal räumen.

Woran liegt es, dass so viele Lebensmittel im Müll landen?

Es gibt gleich mehrere Gründe. Wir Verbraucher kaufen schlichtweg keine Ware, die nicht so schön aussieht oder die kurz vor dem aufgedruckten Mindesthaltbarkeitsdatum ist. Dadurch landet schon ein Großteil in den Müllcontainern der Supermärkte. Und werden als Verlust abgeschrieben.

Anzeige

Kartoffel mit den so genannten «Augen», sehen nicht so toll aus. Dabei sind dies nur natürliche Auswüchse der Ackerfrucht und zeugt eher davon, dass diese Kartoffeln eher weniger Chemie in ihren 100 Tagen Wachstum gesehen hat. Doch, sie kommt schon gar nicht in den Handel. Dieses und viele andere Beispiele.

Der Verbraucher ist verwöhnt und wirft im Zweifelsfall ein Lebensmittel weg oder lässt es schon beim Einkauf links liegen. Und dann wird es dort in den Müll geworfen. Der Verbraucherinformationsdienst aid hat folgende Werte ermittelt:

Wo werden Lebensmittel in der EU weggeworfen?


  • 42 % Privathaushalten
  • 39 % in der Lebensmittelindustrie
  • 5 % im Handel
  • 14 % im Service (Restaurants z. B.) oder beim Catering

Dies sind Schätzwerte und werden sicherlich von Land zu Land differieren. Denn: Haben andere Länder Rabattaktionen für Lebensmittel vor dem Verbrauchs- oder Mindesthaltbarkeitsdatum, so sind diese preisgünstigen Angebote in Deutschland noch Mangelware.

Warum werfen wir zuhause Lebensmittel eigentlich weg?

Es gibt verschiedene Gründe. Wenn Lebensmittel faulig und schimmelig sind oder schlecht riechen ist es offensichtlich. Doch warum sollte ein Joghurt, der gerade gestern oder auch letzte Woche das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten hat im Müll landen. Ungeöffnet und nicht begutachtet? Tim Mälzer sagte kürzlich in der Talkshow von Markus Lanz «Für was brauche ich diesen Aufdruck auf der Packung. Ich habe doch Sinnesorgane auf die ich mich verlassen kann. Ich sehe, rieche oder schmecke, wann etwas noch gut ist oder aber auch schlecht.» Und weiter meint der bekannte Fernsehkoch Mälzer: «Bei mir kann es vorkommen, dass ich einen Joghurt noch nach einem Monat im Kühlschrank esse. Denn, und das weiß ja überhaupt keiner, es gibt die Vorschrift, dass ein Joghurt mindestens 32 Tage haltbar sein muss». Auch in seinem Restaurant hat Tim Mälzer dem Wegwerfen den Kampf angesagt. «Bei uns in der Küche gibt es so gut wie keinen Abfall. Wir verarbeiten Fleisch bis zu 42 Tage ab Einkauf und das ist überhaupt kein Problem.» Sondern nur eine Frage der Frische schon beim Einkauf, der Kühlkette und der richtigen Lagerung, könnte ergänzt werden.


Beim Einkaufen helfen ein paar einfache Tricks

Lebensmittelverschwendung ist alles andere als Nachhaltig: Schon beim Einkaufen helfen ein paar einfache Tricks. © fuzzbones - Fotolia.com

Wir schimpfen über die stetig steigenden Lebensmittelpreise, mokieren uns über die hohen Kosten beim Tanken oder für Strom und Energie, fordern mehr Klimaschutz und werfen durchschnittlich für knapp 400 Euro pro Person Lebensmittel weg. Das passt einfach nicht zusammen. Nachhaltigkeit ist auch in diesem Bereich Trumpf und spart eine Menge Geld noch dazu.

Auf Großküchen, Supermärkte und Lebensmittelindustrie haben wir wenig Einfluss. Man kann nur an die Vernunft und eine bessere Warenwirtschaft appellieren. Das Letzteres oftmals in der Gastronomie beispielsweise nicht funktioniert, zeigen die vielen Kochsendungen, in denen Profis ungelernten Gastronomen aus dem Tal der Ahnungslosigkeit helfen. Da wir zuhause aber schon Unmengen an Lebensmitteln wegwerfen, ein paar nützliche Tipps, des Verbraucherinformationsdienstes aid, um die Lebensmittel-Müllberge zu vermeiden.

Anzeige

Die 5 besten Tipps um nachhaltig Lebensmittel-Verschwendung zu vermeiden

  • Der gute alte Einkaufszettel ist Gold wert, um auch der Lebensmittel-Verschwendung Einhalt zu gebieten. So vergisst man nicht nur benötigte Dinge des alltäglichen Lebens einzukaufen. Genauso unterliegt man nicht einem «Einkaufswahn» oder der attraktiven Präsentation von Lebensmitteln und Co. Der Einkauf wird damit erfahrungsgemäß auch noch billiger.
  • Ganz nach Tim Mälzer heißt es, den eigenen Instinkten zu vertrauen. Wenn ein Joghurt oder der Käse keinen Schimmel hat, oder die abgepackte Wurst sich nicht die Packung aufbläst, dann kann man das nach einer Geruchsprobe in der Regel auch noch nach dem angegebenen Datum essen. Oder: Ist eine Banane etwas unansehnlich geworden, warum nicht mal einen Power-Milkshake zum Frühstück daraus machen, anstatt wegzuwerfen?
  • Schnäppchen, XXL-Packungen oder Familienportionen – alles besonders günstig. Macht die Werbung am Regal vor. Doch, wer etwas wegwirft hat nicht gespart, sondern draufgelegt. Tipp: Wenn es die Großpackung sein muss, mit den Nachbarn teilen oder einfrieren. Gilt auch für das große Brot: halbieren und einfrieren. Das schmeckt frisch aufgetaut auch wie frisch gebacken und besser als 2 Tage alt aus dem Brotkasten.
  • Wichtig: Richtig lagern! Fisch und Fleisch benötigen nicht nur im Sommer eine vernünftige Kühlkette, um lange haltbar zu sein. Kartoffel mögen es kühl, Kräuter in einer Plastikdose im Kühlschrank, statt im berühmten Wasserglas aufbewahren, usw. Richtig gelagert halten Lebensmittel viel länger.
  • Schmackhafte Resteküche, spart Geld und verhindert das Wegwerfen von Lebensmitteln! Gerade altes Brot wird oft weggeworfen. Dabei kann es nicht nur eingefroren werden, sondern auch zu Semmelknödel und Bruschetta, Brotsuppe oder Arme Ritter verarbeitet werden. Selbst kleine Mengen Lebensmittel sind noch prima verwertbar. Ein Rest Tomatensoße von gestern? Prima, dann gibt es heute Pizza mit einem bereits fein abgestimmten Belag, ein paar ältere Stücke Salami darauf und die Reste vom Gemüse von Vorgestern darauf und etwas Käse, schon ist eine leckere Restemahlzeit kreiert. Tipp: Einfach mal kreativ sein und Lebensmittelreste sinnvoll verwerten, das spart Geld und schont nachhaltig Ressourcen.

Weitere Tipps für die richtige Lagerung von Lebensmitteln finden Sie unter www.was-wir-essen.de

Text: Jürgen Rösemeier, Quelle: www.aid.de