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Oliva Kishero von der Kooperation Gumutindo beim Pflücken
Fairer Kaffee

So nutzt fairer Kaffee Produzenten und Genießern

Auf der ganzen Welt genießen Millionen Menschen jeden Tag ihren Kaffee. In Deutschland ist er das beliebteste Getränk, sogar vor Mineralwasser und Bier. Doch bis der heiße Kaffee an einem kalten Wintermorgen in Ihrer Lieblingstasse duftet, geht er einen weiten Weg. Viele Kaffeetrinker sind sich nicht bewusst, dass ihr Konsumverhalten massive Auswirkungen auf Menschen und Natur in den Ursprungsländern besitzt.

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Hoher Profit – viele Probleme

Das Wort Kaffee erinnert an die Ursprungsregion Kaffa, die im heutigen Äthiopien liegt. Die Sträucher und Bäume, an denen die kirschähnlichen Früchte in der Regel einmal im Jahr geerntet werden, gedeihen jedoch mittlerweile in rund 50 Ländern in Mittel- und Südamerika, Afrika und Asien. Die Nachfrage nach den Bohnen ist riesig. Doch wo enormer Profit Konzerne und Großbauern lockt, entstehen viele Probleme. Beim Anlegen von Kaffeeplantagen verdrängen riesige Anbauflächen, teils durch Brandrodung, die Regenwälder in der Gegend. Die Plantagen befinden sich in feucht-warmen Regionen mit ausgeglichenem Klima rund um den Äquator, in denen die Früchte wachsen. Wird deren anstrengendes, langwieriges Pflücken von Hand und nicht von sogenannten „Stripping“-Maschinen wie etwa in Brasilien erledigt, kommen dabei immer noch häufig Kinder zum Einsatz. Zusätzlich schädigen giftige Pestizide die Gesundheit von Einwohnern und Arbeitern und zerstören die regionale Biodiversität.

Weiterer Arbeitsschritt in der Kaffeernte

Sortieren der Kaffeekirschen durch Mitarbeiter der Fedecocagua

Gründe für Preisschwankungen

Nach seriösen Schätzungen (etwa von der WirtschaftsWoche) befinden sich darüber hinaus rund 25 Millionen Menschen, die weltweit direkt von der Produktionskette des Kaffees leben, in wirtschaftlicher Unsicherheit. Dies liegt an den seit Jahrzehnten volatilen Weltmarktpreisen für ein Pfund Kaffee (Englisch: lb = libra, etwa 0,453 kg). Die Preise werden von Schwankungen

  • bei den Ernte-Erträgen (häufig: Schädlingsbefall oder Extremtemperaturen),
  • des Dollarkurses,
  • durch politische Unruhen in den Ursprungsländern oder
  • durch Hedge-Fonds und spekulative Anleger

beeinflusst. Die Nachfrage nach Kaffee gilt im Gegensatz zu diesen Faktoren als relativ stabil und sorgt so nicht für die genannte Preisvolatilität.

Weißliche Kaffeebohnen

Die weißlichen Kaffeebohnen auf einem Gitter.

Vertrauen als Basis für eine nachhaltige, langfristige Produktion

In unserer Gesellschaft findet ein Umdenken statt. Immer mehr Käufer, Händler und Produzenten   weltweit sorgen sich bei allen Stationen der Produktionskette um faire und ökologisch einwandfreie Bedingungen. Doch springen nicht andererseits viele größere Anbieter auf einen bereits fahrenden Zug auf, der mehr Profit verspricht? Wie können Verbraucher wissen, ob sich ein Kaffeekonzern oder ein Händler seit Kurzem ein grünes Feigenblatt umbindet und faires Bewusstsein vortäuscht oder tatsächlich eine sozial gerechte, ökologische Kaffeeproduktion vorantreibt? Saskia Pogodzik ist beim nachhaltigen Versandhändler memo AG als Produktmanagerin für die Auswahl des Kaffees zuständig. Für sie ist klar, worauf man bei der Kaffeeauswahl Wert legen muss: „Es geht um Vertrauen und Tradition. Wir arbeiten nur mit Anbietern zusammen, die wir seit Jahrzehnten kennen. Im Kaffeebereich ist das die GEPA, seit 40 Jahren ein Pionier auf dem Gebiet des fairen Handels.“ Die Abkürzung GEPA leitet sich von der Bezeichnung „Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt“ her. Der Name stammt von der Firmengründung 1975. 

3 Minuten langer Film über die Kaffeegenossenschaft FIECH in Mexiko, welche mit der GEPA kooperiert.

Die Tradition fairer Partner am Beispiel

Die memo AG vertreibt als ökologisch und sozial ausgerichteter Händler aus Greußenheim, Bayern, europaweit Brüh- und Espresso-Kaffee. Darunter ist beispielsweise der erste fair gehandelte Bio-Kaffee in Deutschland namens Orgánico, der von GEPA angeboten wird. Schon seit 1975 entwickelt der Wuppertaler Groß- und Einzelhändler seine Tradition weiter, macht den fairen Handel bekannter, fördert seine Partner nachhaltig und eröffnet Absatzchancen. Laut Wikipedia ist GEPA so zum größten europäischen Importeur fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte von der südlichen Welthalbkugel geworden. Neben GEPA-Produkten vertreibt die memo AG auch ihre Eigenmarke Biokaffee, welcher nicht Fairtrade-zertifiziert ist. Die Unterfranken gewährleisten jedoch ein faires Produkt, welches nach der EG-Öko-Verordnung biologisch angebaut sowie in partnerschaftlichen, fairen Handelsbeziehungen beschafft wurde. Der memo Biokaffee wird dabei von einer mittelständischen Rösterei bezogen, welche seit über 30 Jahren im Ursprungsland ihren Kaffee erwirbt. Auch hier ist der Wert der Tradition erkennbar, welcher 2016 für die memo AG überdies zu einem besonderen Jahr macht. Denn das bayrische Unternehmen feiert in diesem Jahr 25-jähriges Jubiläum und gilt als Nachhaltigkeitspionier. Dafür wurde die memo AG vielfach ausgezeichnet, etwa 2015 zum zweiten Mal mit dem Nachhaltigkeitspreis Mainfranken und mit Gold von der Verbraucher Initiative e.V. Daher arbeiten der bayerische Händler und die nordrhein-westfälischen Fair Trade Company wohl noch lange zusammen.

Kaffee fair gehandelt

GEPA The Fair Trade Company

Finanzierung im Fair Trade-Stil  

Wie gelangt der Kaffee bis zu uns und worauf achten wirklich faire Händler? Bei fairen Handelsbeziehungen wie durch die GEPA wird auf Anfrage eine Vorfinanzierung geleistet. Sie findet zum Beispiel ein Jahr im Voraus zur Erntezeit im September statt, um Planungssicherheit für die Erzeuger zu garantieren. Die memo Produktmanagerin Saskia Pogodzik erklärt im Detail, dass diese Finanzierung nicht nur zum Kauf von Saatgut dient: „Das Geld kann von den Kooperativen selbstständig verplant werden, etwa für den Bau von Krankenhäusern oder um eine Lehrerin zu bezahlen. Insgesamt werden ihnen für ein Pfund (lb) Kaffee zum regulären Weltmarktpreis ein Bio-Aufschlag sowie ein Aufschlag für fairen Handel gezahlt.“ Doch darüber hinaus sorgen GEPA-Kontrolleure, die durch die Herstellerländer reisen, für langfristige Handelsbeziehungen. Sie beraten bei Export- und Produktabwicklung und fördern biologischen Kaffeeanbau. Nach und nach konnten so nicht nur die medizinische, sondern auch die Strom- und Wasserversorgung verbessert werden, ebenso wie die Bildung vor Ort und die Produktqualität. Langfristig kurbelt eine faire Handelsbeziehung den regionalen Arbeitsmarkt im Erzeugerland an, eröffnet den Produzentinnen und Produzenten ein Mitspracherecht und sorgt für weit mehr als nur gerechtere Arbeitszeiten.

Mexikanisches Mädchen mit Schulheft

Ein Mädchen der mexikanischen Kooperative FIECH mit einem Schulheft.

Nicht nur fairer, sondern gesunder Genuss

Die Kaffeefrüchte werden gesammelt, getrocknet und die zunächst weißlichen Bohnen vom umgebenden, roten Fruchtfleisch befreit. Prüfer kontrollieren die Qualität und Beschaffenheit des Rohkaffees, welche nicht nur am Anbauland, sondern an

  • Farbe,
  • Geruch oder
  • Bohnengröße

ersichtlich wird. Die memo AG bietet ausschließlich reine Arabica-Sorten an. Wie die meisten Kaffeelieferungen in Europa treffen ihre Rohkaffee-Säcke in Hamburg oder Bremerhaven ein. Arabica-Sorten bieten neben den ebenfalls wichtigen Robusta-Sorten, die sich mit ihnen die Nachfrage des Weltmarktes teilen, laut Saskia Pogodzik einige Vorteile. „Arabica-Sorten sind milder und aromatischer. Zudem besitzen sie weniger Kernsäure, die den Magen angreift. Wir lassen unseren Kaffee darüber hinaus auch länger rösten, was ebenfalls den Magen schont.“ Die memo AG vertreibt ausschließlich Kaffee, der in einer 12 bis 15 Minuten dauernden Langzeitröstung mit Öko-Strom produziert wird.

Unterschiede in der Röstung

Erfahrene Röstmeister überprüfen die Trommelröstung ständig, um zu sehen, ob die nach und nach  bräunlicher werdenden Bohnen bereits fertig sind. Sie verwenden geheim gehaltene Mischungen der angelieferten Arabica-Sorten, zum Beispiel 30 % einer kräftigen Sorte aus Peru mit 70 % einer milden Sorte aus Guatemala. Wie die anderen Sorten auch wird etwa der GEPA-Espresso Fuego aus einer Mischung von Arabica-Sorten gefertigt und kann zum Beispiel im Online-Shop der memo AG für Privatkunden, memolife.de, bestellt werden. Große Konzerne hingegen bevorzugen die etwa ein bis fünf Minuten dauernden Kurzzeitröstungen. „Nach dem Abkühlen wird die Charge für memo im Mahlwerk der Röstereien gemahlen. Bei der maschinellen Abpackung werden strenge hygienische Vorschriften beachtet und die Packungen schließlich versiegelt“, berichtet Saskia Pogodzik. Ihrer Ansicht nach führen zwar viele Großkonzerne grüne Produktlinien. Dennoch seien viele Erzeugnisse mit dem Zusatz „fair“ oder „grün“ nicht immer das, was sie vorgeben zu sein. Konsumenten könnten jedoch schon durch eine Internetrecherche herausfinden, wer hinter einem Kaffee steht und ob dieser tatsächlich fair produziert und gehandelt wird.

Kleiner Röster im Kaffeelabor

Kleiner Röster im Kaffeelabor.

Tradition, auch für die Zubereitung

Man kann es keinem Leser dieses Artikels verdenken, wenn er nun richtig Lust bekommen hat, sich einen frisch gebrühten, duftenden Kaffee zu gönnen. Wer kostenlos Bio-Espresso testen und dazu noch einen hochwertigen De'Longhi-Kaffeevollautomaten geschenkt bekommen möchte, der kann am Gewinnspiel zum 25jährigen Jubiläum der memo AG teilnehmen. Wie die GEPA und die memo AG steht auch der norditalienische Hersteller De'Longhi für eine lange Tradition auf dem Kaffeemarkt. Das Paket aus Kaffeevollautomat und Espresso steht als Preis für den Monat Februar zur Verfügung.

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Quelle: memo AG, Bild: GEPA The Fair Trade Company, Autor: red