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Nachhaltige Geldanlage
Nachhaltige Geldanlage

CO₂ sparen: Worauf Sie bei grünen Geldanlagen achten sollten

Nachhaltig. Ein Wort, das mittlerweile in fast allen Bereichen Einzug gehalten hat. Auch bei der Geldanlage. Immer mehr Banken bieten u. a. nachhaltige Fonds und ETFs an. Was heißt eigentlich „nachhaltig anlegen“? Nach welchen Kriterien werden nachhaltige Fonds ausgewählt, und lässt sich damit tatsächlich der Klimaabdruck reduzieren? Und bei all den ökologischen Vorteilen: wie sieht es mit der Rendite aus?

Das Interesse an nachhaltiger Geldanlage steigt stetig, und mit ihm das Angebot. Immer mehr Verbraucher möchten einen zusätzlichen Mehrwert für andere Menschen oder Natur und Umwelt schaffen. Heutzutage lässt sich nicht nur mit Mülltrennung und dem Vermeiden von Plastik Gutes tun, sondern auch mit Finanzanlagenprodukten. Nachhaltiges Investment liegt im Trend. Inzwischen gibt es fast jede Anlageform auch in „nachhaltig“ oder "grün".

Übersicht Geldanlage: Tagesgeld, Aktien, Immobilien, Festgeld

„Wo und wie kann ich mein Geld am besten anlegen?“ Diese Frage beschäftigt viele Anleger. Und tatsächlich, die Möglichkeiten an Geldanlagen scheinen grenzenlos: Aktien, Immobilien, Tagesgeldkonten, Festgeldkonten, Fonds oder doch das altbekannte Sparbuch – was ist die richtige und beste Variante?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht, denn zu verschieden sind die Voraussetzungen, die jeder mitbringt. Fest steht: Das private Sparen hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Ein Umdenken musste stattfinden, denn lange Zeit hatten sich Sparer auf das klassische Sparbuch verlassen. Hier winkten ordentliche Zinsen, bei einer gleichzeitig einfachen Handhabung, Flexibilität verbunden mit kaum bis gar keinen Kosten. Diese Zeiten sind passé. Der Zinssatz bewegt sich heute bei nahe null. Und auch die Inflation führt gleichzeitig zu einer schleichenden Entwertung des Vermögens. Wer heutzutage eine zufriedenstellende Rendite erzielen möchte, kommt um andere, meist risikobehaftetere Geldanlagen nicht herum.

CO₂ verringern: noch besser, Treibhausgas gänzlich vermeiden 

Schon mal von dem „Country Overshoot Day“ gehört? Dieser Tag zeigt beispielhaft, an welchem Tag die jeweilige Bevölkerung eines Landes alle natürlichen Ressourcen für das ganze Jahr verbraucht hat. 2019 war das in Deutschland der 3. Mai der Fall, bis zu diesem Tag wäre die Erde fähig, die verbrauchten Ressourcen wieder nachhaltig zur Verfügung zu stellen, in den USA war es bereits der 15. März.
Aktuell verschob sich der sogenannte „Erdüberlastungstag“ weltweit um drei Wochen nach hinten – das allerdings resultiert aus der Corona-Pandemie, wie overshootday.org berichtete. Der Ressourcenverbrauch sank 2020 zwar, doch eine nachhaltige Trendwende markiert das keineswegs.

Um die positiven Effekte nicht wieder verpuffen zu lassen, müssen wir jetzt entschieden umsteuern. Jeder kann etwas dazu beitragen, Ressourcen zu schonen. Was also tun?

Schon kleine Dinge bewegen Großes: Fahrrad statt Auto, Plastik vermeiden, weniger Fleisch essen

Nachhaltigkeit, nachhaltig leben, ist in aller Munde. Die zur Verfügung stehenden Ressourcen sollten, wer nach dieser Devise lebt, also nur soweit verbraucht werden, wie sie auch wieder bereitgestellt werden können. Der Duden definiert Nachhaltigkeit recht knapp: "Prinzip, nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann."

Wie sieht das im Alltag aus? Wir trennen Müll, nutzen Öko-Strom, kaufen regionale und saisonale Lebensmittel und sparen Plastikabfall. Wir schmeißen Kleidung nicht weg, tauschen, recyceln, nutzen nicht das Flugzeug und sparen Plastikabfall. Es sind oftmals die kleinen Dinge im Alltag, die der Umwelt und der nächsten Generation helfen. Wem daran gelegen ist, seinen CO₂-Fußabdruck zu verkleinern, der tut Gutes daran, erst gar kein Treibhausgas in die Atmosphäre zu bringen.

Nachhaltige Geldanlage

Geld gut und nachhaltig anlegen: wie geht das?

Nicht nur mit dem bewussten Kauf von Fleisch, Kleidung und sonstigen Konsumgütern lässt es sich nachhaltiger leben, eine weitere Stellschraube, an die nicht sofort gedacht wird: die eigenen Finanzen. Waffenproduzenten, Klimasünder, wie Atomkraftwerke oder Kohlebergbauten oder Ausbeuterfirmen, wer auf nachhaltige Geldanlagen setzt, steckt sein Geld nicht länger in schmutzige Geschäfte – sondern investiert in Firmen, die ökologisch, sozial oder ethisch handeln.

Wie das aussieht? Banken investieren das Geld, das bei Ihnen liegt weiter: davon werden Kredite vergeben, Aktien, Fonds oder Anleihen gekauft. Gewinnmaximierung steht hierbei im Vordergrund, Klimaschutz, erneuerbare Energien, aber auch Bereiche wie Bildung oder Soziales sind in der Regel nicht von Belangen. So werden Investitionen auch in klimaschädliche Branchen getätigt, etwa in Erdöl-Förderung oder in die Waffenproduktion.

Die Verbraucherzentrale Bremen hat bereits 2014 mit einer Studie analysiert, wie groß der CO₂-Ausstoß bei 13 Investmentfonds ist. Das Ergebnis: Bereits bei einem investierten Vermögen von 1000 Euro Studie produzierte der am schlechtesten abgeschnittene Fonds rund 740 kg des Klimagases mehr als der Fonds, der am besten abschnitt. Soviel CO₂ verbraucht man zum Vergleich, wenn man mit dem Auto einmal quer durch Europa, etwa 4600 Kilometer fährt. Die NGO Friends of the Earth errechnete 2007: 200 Kilogramm CO₂ pro 1.000 Euro und Jahr kann man einsparen, wenn man sein Geld auf einem Konto bei einer Nachhaltigkeitsbank anlegt.

Zu steuern wohin das eigene Geld fließt und was damit finanziert wird, eine Wunschvorstellung und leere Werbeversprechen der Banken, oder tatsächlich ein wahr gewordener Traum?

Worauf Sie bei grünen Geldanlagen achten sollten!

Nicht alle Angebote, die einen positiven Beitrag für den Klimaschutz, die Umwelt oder ethische bzw. soziale Belange versprechen, leisten das auch. Man muss schon etwas genauer hinsehen, um Finanzprodukte zu entdecken, die ethische, ökologische oder soziale Kriterien auch anwenden.

Verbindliche Kriterien und einen gesetzlich definierten Mindeststandard für eine nachhaltige Geldanlage gibt es aktuell nicht. Es gibt zwar das angesehene Gütesiegel vom Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG), welches eine Orientierung erleichtert, aber Standards im herkömmlichen Sinne sind noch nicht eingeführt. Der Begriff „nachhaltige Geldanlage“ ist nicht geschützt, ebenso verfügen Begriffe, wie „ökologisch“, „sozial“, „ethisch“, „fair“ oder „klimafreundlich über kein einheitliches Verständnis – jeder Finanzanbieter kann diese anders definieren. Für Anleger bedeutet das, dass sie meist ein recht diffuses, kaum nachvollziehbares Bild vorfinden. Deshalb sind Verbraucher selbst gefordert, näher hinzuschauen.

Wenn Sie diese Punkte beachten, können Sie messbar nachhaltige Wirkung erzielen:

  • Setzen Sie sich vor der Wahl einer Geldanlage insbesondere mit diesen Fragen auseinander:
    Wie lange soll die Anlagedauer sein?
    Welches finanzielles Risiko ist für Sie tragbar? (Achtung bei Anbietern, die sehr hohe Renditen versprechen; diese gehen oftmals mit einem hohen Risiko einher.)

Wie schnell möchten Sie das angelegte Geld wieder verfügbar haben?
Diese Kriterien werden im Übrigen auch bei einer klassischen Geldanlage berücksichtigt, also Rendite, Risiko und Verfügbarkeit.

  • Bis auf das anerkannte Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlage (FNG) gibt es noch keine Zertifikate oder Standards. Bis dahin heißt es: genau hinschauen, vergleichen und Seiten von speziellen Ratingagenturen, wie beispielsweise Oekom, durchstöbern.
  • Nur auf Anbieter setzen, die Sie verstehen – die also transparent agieren.
  • Achten Sie auf eine breite Streuung Ihrer Vermögenswerte (= Diversifikation). Investieren Sie beispielsweise einen Teil in Immobilien (selbst genutzt oder vermietet), einen Teil in Fonds und einen Teil in Aktien.
  • Empfehlenswert bei nachhaltigen als auch bei konventionellen Geldanlageprodukten: Vergleichen Sie die Kosten und Gebühren, untereinander, als auch miteinander.

Nachhaltige Geldanlage

Dubiose, unseriöse Finanzberatungen oder sehr riskante Geldanlageangebote, vor denen die Experten der Stiftung Warentest in Finanztest warnen, finden Sie in dieser laufend aktualisierten Warnliste unter diesem Link. Sollten Sie bei Angeboten unsicher sein, lassen Sie sich von Verbraucherzentralen, Steuerberatern oder unabhängigen Wirtschaftsprüfern beraten.

Welche Banken bieten nachhaltige Finanzprodukte an?

Mittlerweile werben einige Banken mit ethisch-ökologischen Geldanlagen, vier davon heißen Triodos, Umweltbank, Ethikbank und GLS-Bank. Bei der GLS-Bank kann der Kunde beispielsweise selbst wählen, in welche Branche dieser seine Investments einbringen möchte. Zur Auswahl stehen Projekte aus erneuerbaren Energien, Bildung und Kultur sowie Ernährung. Ein Manko für den Kunden: die Gebühren fallen etwas höher aus als bei anderen Banken und es gibt weniger Filialen als bei den Großbanken. Bei der Triodos Bank ist die Besonderheit, dass Anleger mit ihren Fonds nicht nur nachhaltige Unternehmen unterstützen, sondern direkt ein klimaneutrales Depot erhalten – mit diesem Angebot gingen sie 2020 erstmalig auf den Markt. Möglicherweise verbleibende Emissionen werden gänzlich kompensiert.

Doch nicht ausschließlich diese Kreditinstitute bieten grüne Finanzprodukte an, Sie können auch bei Ihrer Bank, wie der Volksbank, Sparkasse, Deutsche Bank und Co. nach klimafreundlichen Alternativen fragen. Immer mehr Institute reagieren auf die immer stärker werdende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten.

Und wie sieht es mit der Rendite nachhaltiger Geldanlagen aus?

Umweltfreundliche Finanzprodukte sind nicht zwangsläufig sicherer und renditestärker als klassische Geldanlagen. Der Aspekt, dass eine grüne Geldanlage nach ökologischen oder sozialen Kriterien ausgerichtet ist, garantiert keine höhere Rendite – diese hängt von der Anlageform, der gewählten Verfügbarkeit und dem Risiko ab. Ein Tagesgeldkonto ist beispielsweise weniger riskant als eine Investition in Fonds. Wenngleich es auch bei Fonds große Unterschiede gibt, wie etwa Branchenfonds (meist riskanter) oder breit aufgestellte Fonds. Drei Wissenschaftler von der Universität Hamburg (in Zusammenarbeit mit der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank) wiesen in einer Meta-Studie vor einigen Jahren bereits nach, dass nachhaltige Geldanlagen keinen negativen Einfluss auf die Rendite haben.

Die perfekt grüne Geldanlage, ohne höheres Risiko und mit niedrigen Kosten, existiert noch nicht

Nachhaltiges Investieren ist und bleibt erst einmal eine Frage der individuellen Definition. Bis es zu einer einheitlichen Übersicht mit aussagekräftigen Zertifikaten kommt, wird es noch eine Zeit dauern. Bis dahin hilft nur Vergleichen und bei Unklarheiten im Zweifel direkt auf die Finanzdienstleister zugehen und um eine transparente Aufstellung bitten.
Wer erst einmal in das Thema nachhaltige Geldanlage hineinschnuppern möchte, der könnte bei der Triodos Bank starten. Mit einem monatlichen Betrag von 25 Euro investiert man hier klimaneutral in einen Fondssparplan.

Tipp der Redaktion: Stiftung Warentest hat in seinem Ratgeber „Nachhaltig Geld anlegen: Ökologisch, sozial und ethisch investieren“ nachhaltige Geldanlagen getestet und mit nicht-nachhaltigen verglichen. Die Übersicht stellt nachhaltige Banken und Fonds ausführlich vor und hilft privaten Anlegern, ihre persönlichen Nachhaltigkeitsziele zu definieren und die Geldanlage zu finden, die am besten dazu passt.

Quelle: red, Bild: Depositphotos: stevanovicigor, ArturVerkhovetskiy, pikselstock, Autor: Jasmine Barendt