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Die Investitionen in Erneuerbare Energien sind 2010 weltweit gestiegen.

Erneuerbare Energien: Investitionen steigen in 2010 weltweit

China ist führend bei Investitionen in Erneuerbare Energien und Deutschland bei der Installation von Solar-Anlagen. Es wird immer mehr Geld in Erneuerbare Energien gesteckt. 2010: 211 Milliarden Dollar. Das stellte die Frankfurt School of Finance & Management in einer Studie fest.

Am Donnerstag, 7. Juli 2011, stellen die Frankfurt School of Finance & Management und UNEP, das United Nations Environment Programme, den Report «Global Trends in Renewable Energy Investment 2011» vor, die Übersicht über die Investitionen in Erneuerbare Energien auf der ganzen Welt. Professor Dr. Ulf Moslener, Professor für Umweltökonomie & Sustainable Energy Finance an der Frankfurt School, hat den Bericht gemeinsam mit Bloomberg New Energy Finance sowie FS- und UNEP-Experten erstellt. Laut des «Global Trends in Renewable Energy Investment 2011»-Berichts wurde der 32-prozentige Anstieg der weltweiten Investitionen in grüne Energie von Investitionen in Wind-Energieparks in China und der Montage von Solarzellen auf europäischen Dächern dominiert.

So wurde im letzten Jahr die Rekordsumme von 211 Milliarden Dollar in Erneuerbare Energien investiert - etwa ein Drittel mehr als im Jahr 2009, in dem 160 Milliarden Dollar in Erneuerbare Energien investiert wurden. Seit 2004 lässt sich insgesamt eine Investitionssteigerung in Erneuerbare Energien um 540 Prozent beobachten. Erstaunlich ist, dass die Investitionen der Entwicklungsländer in Erneuerbare Energien erstmals jene der Industrieländer überstiegen. Für die Vorhaben im regenerativen Energien-Bereich wurden in den Entwicklungsländern 72 Milliarden Dollar investiert. In den Industrieländern waren es nur 70 Milliarden Dollar.

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China Top-Investor in Erneuerbare Energien, Schwellenländer kommen

Im Jahr 2010 war laut dem Bericht zu den globalen Trends der Investitionen in Erneuerbare Energien China mit einer Neuinvestitionssumme in Erneuerbare Energien von 48,9 Milliarden Dollar - eine Steigerung von 28 Prozent gegenüber 2009 - weltweiter Spitzeninvestor. Aber auch in anderen Schwellenländern stiegen die Investitionen in Erneuerbare Energien beträchtlich:

  • Süd- und Mittelamerika: Anstieg um 39 Prozent auf 13,1 Milliarden Dollar
  • Nahost und Afrika: Anstieg um 104 Prozent auf 5 Milliarden Dollar
  • Indien: Anstieg um 25 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar
  • Asiatische Entwicklungsländer ohne China und Indien: Anstieg um 31 Prozent auf 4 Milliarden Dollar

Der Bericht zeigt auch an, dass staatliche Forschung und Entwicklung langfristig positive Auswirkungen auf den Auf- und Ausbau sauberer Energie-Technologien haben. Entsprechende Investitionen stiegen um mehr als 120 Prozent auf weit über fünf Milliarden Dollar. Achim Steiner, UNEP Executive Director, kommentiert: «Das anhaltende Wachstum in diesem Kernsegment der Grünen Wirtschaft kommt nicht von ungefähr. Die Kombination von Regierungszielen, politischer Unterstützung und finanziellem Anschub untermauert den Aufschwung des EE-Sektors und rückt die dringend notwendige Umgestaltung unseres globalen Energiesystems in greifbare Nähe.»

«Vor dem Hintergrund nachhaltiger Entwicklung und Armutsbekämpfung sind die UN-Klimakonferenz in Durban in diesem Jahr und der Rio+20-Gipfel in Brasilien im nächsten Jahr hervorragende Plattformen, diesen positiven Prozess hin zu einer kohlenstoffarmen, ressourceneffizienten "Grünen Wirtschaft" zu beschleunigen und auszuweiten», fügt er hinzu.

«Die Finanzindustrie erholt sich noch von der jüngsten Finanzkrise», erklärt Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance & Management. «Die Branche engagiert sich nach wie vor intensiv im Erneuerbare Energien-Bereich. Sie ist von den Perspektiven, die sich aus Investitionen in Erneuerbare Energien ergeben, überzeugt».


Weniger Großprojekte bei Erneuerbare Energien in Europa.

Weniger Großprojekte bei Erneuerbare Energien in Europa.

Haben China und die Schwellenländer große Investitionen getätigt, so zeigt der Bericht «Global Trends in Renewable Energy Investment 2011» aber auch, dass die Investitionen im Jahr 2010 nicht auf allen Gebieten zunahmen: Neuinvestitionen in großangelegte Erneuerbare Energien-Projekte in Europa gingen um 22 Prozent auf 35,2 Milliarden Dollar zurück. Allerdings wurde dieser Rückgang durch einen Anstieg bei kleineren Projekten – vor allem bei Solar-Dachanlagen – bei weitem ausgeglichen.

Michael Liebreich, Chief Executive von Bloomberg New Energy Finance, sagte zu dieser Verschiebung der Investitionen in Deutschland: «Der Boom bei kleineren Solaranlagen in Europa ist, besonders in Deutschland, größtenteils auf die Einspeisevergütung zurückzuführen sowie auf drastische Preissenkungen bei Photovoltaikmodulen

In Deutschland stiegen die Investitionen in Solaranlangen durch Privathaushalte um stattliche 132 Prozent auf 34 Milliarden Dollar, in Italien um 59 Prozent auf 5,5 Milliarden Dollar, in Frankreich um 150 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar und in der Tschechischen Republik um 163 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar.

Der Preis von Photovoltaik-Modulen pro Megawatt ist seit Mitte des Jahres 2008 um 60 Prozent gefallen, so dass Solarenergie in einer Reihe von Ländern mit viel Sonnenschein deutlich wettbewerbsfähiger wurde.

Zum Ende des Jahres 2010 reduzierten viele Länder ihre Vergütungen von Photovoltaik. Der Umstand, dass Spanien und die Tschechische Republik für bereits in Betrieb genommene Anlagen eine rückwirkende Senkung der Einspeisevergütung ins Auge fassten, «schädigte das Anlegervertrauen», so der Bericht der Analysten. «Andere Regierungen, beispielsweise die deutsche und die italienische, kündigten an, die Einspeisevergütung bei neuen Projekten zu senken, was angesichts stark gesunkener Technologiekosten folgerichtig war.»

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Trotzdem ist, so der Bericht «Global Trends in Renewable Energy Investment 2011», abzusehen, dass der Markt für kleinere Solaranlagen im Jahr 2011 stark bleibt. In Deutschland nicht zuletzt dadurch, dass die Einspeisevergütung aufgrund geringer Neu-Anlagen beibehalten wird und keine Kürzung erfährt. Die Kosten für Solar-, Wind- und andere Technologien werden weiter sinken, so ein weiteres Ergebnis des Berichts. Dies wird die Dominanz fossiler Energieträger in den nächsten paar Jahren zunehmend einschränken.

Windenergie-Branche ist am stärksten entwickelt

Im vergangenen Jahrzehnt erwies sich die Windenergie als die am stärksten entwickelte regenerative Energietechnologie. Sie schien einen uneinholbaren Vorsprung vor anderen Quellen für Erneuerbare Energien, mit denen sie im Wettbewerb steht, zu haben. Auch hier sanken die Preise. In den vergangenen beiden Jahren sind die Windturbinenpreise pro Megawatt um 18 Prozent gesunken. Dies spiegelt wie bei der Solarenergie den starken Wettbewerb in der Lieferkette wider.

Bei finanziellen Neuinvestitionen in großangelegte Erneuerbare Energien-Projekte behauptete die Windenergie im Jahr 2010 mit einer Investitionssumme von 94,7 Milliarden Dollar, was einem Investitionsanstieg um 30 Prozent gegenüber 2009 gleichkommt - ihre dominante Stellung. Rechnet man allerdings Investitionen in kleinere Projekte hinzu, holte die Solarenergie mit einer Investitionssumme von 86 Milliarden Dollar im Jahr 2010 auf; dies bedeutet ein Investitionswachstum um 52 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Den dritten Platz belegte mit einer Investitionssumme von 11 Milliarden Dollar die Energiegewinnung aus Biomasse und Abfallstoffen. Vierter in der Rangliste war der Bio-Sprit, der im Jahr 2006 mit Investitionen in Höhe von 20,4 Milliarden Dollar boomte, aber im letzten Jahr mit einer Investitionssumme von nur 5,5 Milliarden Dollar einen erheblichen Einbruch zu verzeichnen hatte.

Nationale Budgets im F&E-Bereich zu Erneuerbaren Energien wuchsen um 121 Prozent und betrugen im Jahr 2010 5,3 Milliarden Dollar, da dieser Sektor aus den Konjunkturpaketen nach der Finanzkrise zusätzliche «grüne Anschubmittel» aus den Staatskassen erhalten hat.


Fonds waren weniger wert und Unternehmer sind zurückhaltend.

Fonds waren weniger wert und Unternehmer sind zurückhaltend.

Zwei Investitionsbereiche verzeichneten im Jahr 2010 im Vorjahresvergleich einen Rückgang: Das ist zum einen der Forschungs- und Entwicklungsbereich der Unternehmen, hier ging der Invest in Erneuerbaren Energien um zwölf Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar zurück. Und zum anderen stellten Private Equity Funds weniger Mittel für Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien bereit: die Mittel gingen um ein Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar zurück.

Auch die Aktienkurse sanken im Jahr 2010. Der WilderHill New Energy Global Innovation Index ging um satte 14,6 Prozent zurück; er entwickelte sich damit um 20 Prozent schwächer gegenüber den Indizes des allgemeinen Aktienmarkts. Diese Entwicklungen basieren hauptsächlich auf der Verunsicherung der Anleger, die Überkapazitäten, Kürzungen der Subventionsprogramme sowie den Wettbewerb von Kraftwerken, die mit billigem Erdgas arbeiten, basiert.

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Laut dem «Global Trends in Renewable Energy Investment 2011»-Bericht wirkte sich der niedrige Erdgaspreis, der fast das ganze Jahr 2010 hindurch zwischen drei und fünf Dollar pro Million BTU (British Thermal Units) schwankte, nachteilig auf das Wachstum des Erneuerbaren Energien-Bereichs aus. Der Preis für Erdgas lag weit unter dem Niveau, das er in der Mitte des vorigen Jahrzehnts weitestgehend inne hatte.

«Damit hatten Energieerzeuger in den USA, aber auch in Europa und anderen Teilen der Welt, einen Anreiz, mehr Gaskraftwerke zu bauen. Außerdem beeinträchtige diese Preislage die Konditionen für Erneuerbare Energien», so der Bericht «Global Trends in Renewable Energy Investment 2011».

Der komplette Bericht ist unter Frankfurt-School.de abrufbar.

Quelle: IWR Pressedienst, Text: Jürgen Rösemeier