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Andreas Körzner spricht als Leiter Sustainable Investments über die Entwicklungen nachhaltiger Geldanlagen.

Andreas Knörzer: «Nachhaltige Investments bieten viele Möglichkeiten»

Andreas Knörzer ist Leiter Sustainable Investment bei der Bank Sarasin. Im Interview schildert der Experte den Einfluss der Krise in Japan auf den Markt für nachhaltige Geldanlagen und gibt Aussichten zu den weiteren Entwicklungen.

Als Leiter nachhaltige Geldanlagen sind Sie einer der führenden Experten in der Schweiz in diesem Gebiet. Was bedeutet die aktuelle Krise in Japan für Sie persönlich?

Zuerst einmal machen die Bilder, die wir sehen, sehr betroffen, wobei wir wohl davon ausgehen können, dass die tatsächliche Situation in abgelegeneren Gegenden für die Menschen wohl noch dramatischer sein dürfte. Wir in Europa konzentrieren uns im Angesicht so viel menschlichen Leids vielleicht eine Spur zu sehr auf die sicherlich dramatischen Entwicklungen in den Nuklearanlagen. Das ist aber wiederum aufgrund unserer eigenen Erfahrungen vor fast 25 Jahren wohl verständlich. Wenn der Begriff Kernschmelze fällt, werden sehr schnell wieder sehr ungute Gefühle wach.

Solaraktien sind in den letzten Tagen massiv gestiegen. Ist das nur ein Hype?

Ich antworte hier mit einem entschiedenen «Jein». Die Kursbewegungen der letzten Tage spiegeln meines Ermessens den Beginn der Neubewertung sowohl der Kernenergie als auch der erneuerbaren Energien wider. Natürlich gehen wir davon aus, dass die Nachfrage nach zum Beispiel Solaranlagen steigen wird. Allerdings wäre es schon sehr überraschend, wenn alle Anbieter in gleichem Ausmasse davon profitieren würden. Ich gehe also davon aus, dass sich der Trend zu einer Marktkonsolidierung sogar noch eher beschleunigen könnte.

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Was bedeutet die Krise in Japan für den Markt der nachhaltigen Geldanlagen?

Kurzfristig erwarte ich eigentlich keinen Effekt, aber bereits mittelfristig sollte sich bei noch mehr Anlegern eine grössere Sensibilität für Grossrisiken wie Tiefseebohrungen und Kernenergie zeigen. Das dürfte dem Markt, der bereits überdurchschnittlich wächst, noch einen weiteren Schub verleihen.

Welchen Beitrag kann der Finanzmarkt leisten im Hinblick auf einen nachhaltigen Umbau der Gesellschaft?

Wenn der Satz «Money makes the world go round» wahr ist, ist der Beitrag wohl gewichtig. Allerdings wäre es zu kurz gegriffen, die Lösung aller Probleme auf den Finanzmarkt abwälzen zu wollen. Der Finanzmarkt ist ein Transmissionsmechanismus, der mehr oder weniger sinnvolle Preissignale aussendet. Die Rahmenbedingungen dafür werden zum Beispiel aber von der Politik gesetzt. Es bedarf also vieler Impulsgeber für einen nachhaltigen Umbau der Gesellschaft.


Herr Knörzer, was sind für Sarasin die zentralen Erkenntnisse aus der gegenwärtigen Japan-Krise?

Ein erster Überblick zeigt uns, dass wir wohl bereits vieles richtig gemacht haben. Ich bin auch froh, dass wir durch die aktive Umstellung aller Privatkundenmandate auf Nachhaltigkeit hier in der Schweiz vor bald zwei Jahren den damit verbundenen Mehrwert vermitteln können. Allerdings bedeutet richtig gelegen zu haben nicht automatisch, dass dies für immer in der Zukunft gilt. Daher machen sich unsere Nachhaltigkeitsanalysten zusammen mit unserem Nachhaltigkeitsbeirat schon wieder Gedanken, ob die Bewertungs- und Ausschlusskriterien weiter verbessert werden können.

Ergibt sich für Sie aus dem Vorfall in Japan ein neues Szenario für den Markt der Energieversorgung und eventuell auch für andere Branchen?

Die Energieversorgung befand sich bereits im Umbruch. Durch diese Ereignisse wird aber die Geschwindigkeit noch weiter zunehmen. Neben einem anderen Energiemix müssen aber noch riesige Fortschritte im Bereich der Energieeffizienz passieren. Und das wird unweigerlich zu vielen Veränderungen beispielsweise bei Konsumgütern oder der Baubranche führen.

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Wie schätzen Sie die Entwicklungen für die Schweiz ein?

Während man den Solarboom effektiv verschlafen hat, bieten sich der Schweiz vor allem in der Energieeffizienz exzellente Möglichkeiten. Schliesslich gibt es schon heute Unternehmen, die auf diesem Gebiet weltweit führend sind.

Die Industriewerke Basel IWB schaffen es bereits seit Jahrzehnten, ihren Strom nachhaltig zu produzieren. Sehen Sie ein derartiges Modell für die gesamte Schweiz?

Bei Modellen denke ich immer an solche, die schön anzuschauen sind und die man dann in den Schrank stellt. Ich würde lieber sagen, dass das vorbildlich ist und hoffentlich auf breiter Front Nachahmung findet.