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Skandal Beiersdorf
Nächstenliebe wird bestraft

Skandal: Wegwerfen ist billiger als Verschenken

Bedürftige Menschen sind auf Nächstenliebe und Hilfe angewiesen. Viele Unternehmen spenden daher falsch etikettierte Waren lieber an Menschen ohne Geld, als diese wegzuwerfen. Ein Skandal: Die Unternehmen müssen für ihre Spenden eine Extra-Steuer zahlen.

Waren werden gespendet und nicht weggeworfen

Den Skandal hat das Hamburger Unternehmen Beiersdorf ins Rollen gebracht. Der Hersteller von Kosmetik wie Nivea oder Eucerin spendet regelmäßig Waren statt diese zu vernichten. Eine gute Tat der Nächstenliebe und für jeden nachhaltig denkenden Menschen genau der richtige Weg, um anderen Menschen zu helfen. Denn die verschenkte Ware geht an Bedürftige. Aber genau für diese Spendenaktion muss Beiersdorf eine Extra-Steuer zahlen. Und genau für diesen Steuer-Flop kommen immer mehr Unternehmen zu der Erkenntnis, die Waren wegzuwerfen anstatt diese zu verschenken. Das heißt im Klartext: Wer wegwirft, wird belohnt. Wer Gutes tut, wird bestraft. Der Name „Wegwerfgesellschaft“ kommt nicht von ungefähr. Durch solch einen Skandal bekommt die Gesellschaft und der Bürger genau den Eindruck, dass die Waren nichts wert sind. Eben Massenware.

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Steuer-Skandal um Warenspenden von Beiersdorf

Im Falle von Beiersdorf geht es um ein paar Paletten Shampooflaschen, mit denen der Streit begonnen hat. So wie diese Produkte werden aufgrund von Überschuss und Fehletikettierungen in Deutschland jährlich fabrikneue Haushalts-und Hygieneartikel, Spielzeug, Textilwaren und Werkzeuge im Wert von zwei Milliarden Euro direkt vom Fließband in die Müllverbrennung durchgereicht. Steuerfachleute sind sich einig darüber, das in 99,9 Prozent der Fälle die Umsatzsteuer-Gesetzgebung einen Sinn macht. „Sie verhindert zum Beispiel, dass ein Unternehmer ein Auto aus der Dienstwagen-Flotte seines Betriebs einfach seiner Tochter zum 18. Geburtstag schenken kann, ohne dafür Steuern nachzuzahlen“, erklärt der Augsburger Steuerrechts-Professor Oliver Zugmaier. „Er hat beim Erwerb vom Vorsteuer-Abzug profitiert, der natürlich wegfällt, sobald Firmeneigentum in die private Nutzung übergeht.“

Es geht auch ohne Skandal beim Verschenken an Bedürftige

Skandal Beiersdorf

© Photographee.eu- Fotolia

Es gibt aber auch Ausnahmen von Lebensmittelspenden wie die der Tafel-Bewegungen, wo keine Extra-Steuer bezahlt werden muss. Hier hat sich der sächsische Bäckermeister Roland Ermer gegen so einen Skandal gewehrt und bei seinem öffentlichen Aufschrei durchgesetzt, dass er keine Extra-Steuern zahlen muss, weil er Brot und Gebäck an die lokale Tafel spendet. Dieser Skandal wie bei dem Unternehmen Beiersdorf scheint national begrenzt zu sein, denn in Großbritannien wird nicht nach Produkten unterschieden. Dort sind Sachspenden grundsätzlich umsatzsteuerfrei. Der nachhaltig denkende Prinz Charles hat dazu das Unternehmen Kind Direct gegründet, dass seit 1996 Waren im Wert von 160 Millionen Euro an 7000 gemeinnützige Organisationen geliefert hat.

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Textquelle: Beierdorf Text: Ulrike Rensch