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Fluechtlinge werden in Mainz mit offenen Armen empfangen
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ecowoman fragt nach: Flüchtlingssituation in Mainz

Sie fliehen vor Krieg, Verfolgung und Armut. Tausende von Menschen flüchten aus ihren Heimatländern in der Hoffnung, woanders einen sicheren Platz zum Leben zu finden. Auch bei uns in Mainz kommen jede Woche Hilfesuchende an.

Die Flüchtlingsströme nach Deutschland reißen nicht ab. Die Versorgung und Unterbringung der Asylsuchenden stellt viele Kommunen vor große Probleme. Häufig fehlt es an den nötigen Strukturen, finanziellen Mitteln oder an Wohnraum, um schnell reagieren zu können. Wie sieht es bei uns aus? ecowoman hat Kurt Merkator, Dezernent für Soziales, Jugend und Finanzen in Mainz, zur aktuellen Flüchtlingssituation in der Landeshauptstadt befragt.

Kurt Merkator

Kurt Merkator, Dezernent für Soziales, Jugend und Finanzen

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Herr Merkator, die Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge, die zu uns nach Mainz kommen, gehört als Sozialdezernent in Ihr Ressort. Im Moment ein stressiger Job, oder?

Es ist in der Tat jetzt so, dass wir am Rande unserer Kapazität arbeiten und dieses Thema jetzt fast alle anderen wichtigen Themen in meinem Dezernat zu erdrücken droht. Wir arbeiten aktuell an einer Personalverstärkung, denn die anderen Baustellen in meinem Dezernat – Ganztagsbetreuung, Kindergartenplätze und so weiter – sind ja auch noch zu bearbeiten.

Wie viele Flüchtlinge leben derzeit hier bei uns?

Aktuell knapp über 1000 in Gemeinschaftsunterkünften und etwa 600 in Wohnungen. Wir erhalten aber nun jede Woche etwa 50 weitere Zuweisungen und für 2016 müssen wir – falls die Prognosen eintreffen – mit 2000 weiteren Zuweisungen reichen.

Welche Möglichkeiten gibt es in unserer Landeshauptstadt, um den vielen Hilfesuchenden einen Platz zu bieten, wo sie sich sicher fühlen und zur Ruhe kommen können?

Wir haben es bisher geschafft, ohne Turnhallen und Zelte auszukommen und haben – trotz knappem Wohnraum – alles an Immobilien aktiviert, was zu kriegen war, um die Menschen halbwegs menschenwürdig unterzubringen.  Wir haben noch einige Objekte in Arbeit, so die Housing Area in Gonsenheim, das Allianzhaus und Gebäude in der GFZ Kaserne, aber es wird eng und schwierig. Ob wir langfristig ohne Turnhallen auskommen, kann ich nicht mehr ausschließen.

Welche Hilfe bietet die Stadt Mainz den Asylsuchenden außer dem Wohnraum?

Wir bieten psychosoziale Betreuung in den Unterkünften und finanzieren aktuell zehn Vollzeitstellen bei freien Trägern, die das gewährleisten. Wir koordinieren Ehrenamtstätigkeit, geben den Kindern Schul- und Kitaplätze, das Land organisiert Sprachkurse in verschiedenen Schulen und wir bauen aktuell ein Berufsvermittlungssystem für Flüchtlinge auf.

Plant die Stadt beispielsweise ein Willkommensfest oder ähnliche Veranstaltungen, wie sie derzeit in anderen Städten stattfinden? Um speziell den Flüchtlingen zu signalisieren, dass sie hier bei uns willkommen sind und um die Integration und das Verständnis füreinander zu fördern?

Da die Flüchtlinge permanent kommen, macht ein zentrales Fest wenig Sinn, es gibt aber viele von Vereinen, Kirchen und anderen Organisationen veranstaltete Termine in den Unterkünften. Vereine wie Mainz 05 vermitteln Stadionbesuche, Stadtführungen, Zirkusvorstellungen und ähnliches, wir haben Flüchtlinge zum Open Ohr eingeladen.

Fluechtlinge zu Gast bei Mainz 05

Das soziale Jugendprojekt des 1. FSV Mainz 05, die „05er Youngsters“, haben im Rahmen des Flüchtlingshilfsbündnisses „Willkommen im Fußball“ junge Geflohene zu ihrem großen Sommerfest eingeladen.

Die interkulturelle Woche und das interkulturelle Fest, das am 13. September stattgefunden hat, sind ein wichtiger Beitrag zur Integrationsarbeit in unserer Stadt. Was tut Mainz ansonsten Grundsätzliches, um Menschen aus anderen Kulturen und Ländern bei uns zu integrieren?

Siehe vorherige Frage. Besonders wichtig ist die persönliche Integration durch Menschen, die in der Nähe der Unterkünfte leben und sich individuell um Flüchtlinge kümmern, denen die Stadt zeigen, sie begleiten, in die Umgebung einführen oder etwa bei der Wohnungssuche behilflich sind. Die Mainzerinnen und Mainzer sind da sehr offen und es ist sehr wichtig, dass sich die Stadtratsfraktionen einig sind in der Integrationsarbeit der Flüchtlinge. Das ist in anderen Städten anders und zeichnet die Mainzerinnen und Mainzer aus.

Viele Bürger möchten helfen, die Situation der Flüchtlinge bei uns zu verbessern. Welche Möglichkeiten gibt es? An wen können sich diejenigen, die sich engagieren möchten, wenden?

Man kann sich an die Betreuungsorganisationen Malteser und Juvente wenden. Spenden, begleiten, sich in Projekten engagieren, der Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. Eine große Hilfe sind auch Wohnungen, die uns gemeldet werden.

Werden Sachspenden benötigt? Wenn ja, welcher Art? Wo können die Spenden abgegeben werden?

Ja, aber bitte nicht blind spenden und einfach Pakete vor die Unterkünfte stellen. Es gibt einen Link über die Homepage der Stadt Mainz, der zeigt, welche Sach- oder Zeitspenden wo gerade gebraucht werden. Und es gibt zum Beispiel die Mainzer Flüchtlingshilfe, junge Menschen, die über eine Facebook Plattform sehr gut und effektiv vermitteln. Was wir aktuell suchen, ist – möglichst kostenloser – Raum für eine zentrale Kleiderkammer.

Bildquelle: © Landeshauptstadt Mainz, Thinkstock © JHRS, Mainz 05, Autor: goe