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Ausflüge im Sommer: Musik-Festivals werden nachhaltig

Musik-Openairs sind im Sommer ein beliebtes Ziel einen Ferien-Ausflug. Live-Festivals und andere Groß-Events produzieren aber enorme Mengen an C02 und Müll. Darum setzen einige Veranstalter auf eine ökologisch nachhaltige Organisation. Auch Besucher können zum Schutz von Umwelt und Natur beitragen.

Open Air-Besucher können auch was für eine bessere C02-Bilanz eines Events tun.

Immer mehr Open Air-Konzert Veranstalter haben ein nachhaltiges Umwelt-Konzept.

Mit dem Sommer kommt auch die Zeit der Groß-Events unter freiem Himmel. Egal, ob beim Sportfest oder beim Open-Air-Festival, zehntausende Besucher lassen sich dort Jahr für Jahr von der Sonne und musikalischen oder sportlichen Höchstleistungen verwöhnen. Umwelttechnisch gesehen, haben diese Veranstaltungen aber auch ihre Schattenseiten und sind sogar regelrechte CO2-Schleudern. Immer mehr Veranstalter setzten deshalb auf «Green Events». Dabei ist das oberste Ziel, die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen und die Beeinträchtigungen der Umwelt zu vermindern. Das ist aber nichts, das automatisch von heute auf morgen passiert, sondern erfordert genaue Planung und Organisation im Vorfeld. Themen wie Abfall, Energie, Verkehr und Transport, Landschaft und auch Lärm müssen zudem auch in den Bewilligungsverfahren berücksichtigt werden. Schweizer Veranstalter und Initiativen sind hierbei auf dem Vormarsch, aber auch Deutschland hat die Zeichen erkannt und die nationale «Green Music Initiative» hat sich bereits etabliert.

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Openairs: Abfall und Reise-Verkehr größtes Problem

Muss das größte Problem von Großevents benannt werden, denkt man vor allem an die enormen Abfallberge. Allein beim Schweizer Open-Air St. Gallen waren es im Jahr 2009 hundert Tonnen. Laut der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz Pusch ist der Verkehr jedoch ein weitaus grösseres Problem für die Umwelt. Aus Bequemlichkeit oder weil sie ihre Campingausrüstung nicht im Zug transportieren wollen, reisen viele Festivalbesucher noch immer mit ihrem eigenen Auto an. Überlegt man sich, dass vierzig Prozent der schädlichen Treibhausgase wie CO2 während eines Festivals durch die An- und Abreise der Besucher entstehen, erscheint der Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln umso logischer.

In Deutschland hat die «Green Music Initiative» zusammen mit dem Melt-Festival, das jährlich östlich von Dessau stattfindet, bereits ein Angebot geschaffen, das man kaum ausschlagen kann: Den CO2-sparenden Melt-Festival-Hotelzug. Dieser Zug dient nicht nur der Hin- und Rückfahrt, sondern hält auch direkt auf dem Gelände und bleibt die ganze Zeit vor Ort. Für alle vier Nächte hat man somit ein eigenes Bett, ist unabhängig von Wind und Wetter, steht nicht im Stau und muss keine Ausrüstung schleppen. Für das diesjährige Melt-Festival vom 15.7. - 17-7 sind aber unbedingt Vorreservierungen für die Zugfahrt nötig. Wer möchte hat sogar die Möglichkeit, ein ganzes Sechser-Abteil zu mieten. Auch kommen Radbegeisterte mit dem Melt-Festival voll auf Ihre Kosten. Denn unter dem Motto MorgenMelt Rocks Tour können eine begrenzte Zahl an Radfahrer das Festival auf einer geführten Tour mit Ausgangsort Hamburg besuchen.


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Bio-Catering ist eine von vielen Maßnahmen für grünere Großveranstaltungen.

In der Schweiz werden zwar nicht wie in Deutschland Zug-Übernachtungen auf dem OpenAir-Gelände angeboten, allerdings ist bei verschiedenen Veranstaltern das Ticket oder Kontrollarmband während dessen Gültigkeit auch ein Fahrtausweis zweiter Klasse. Und das Openair St. Gallen ist als eines der Vorzeigebeispiele im Bereich der «grünen» Festivals zu nennen. Bereits seit 2007 ist es mit dem «Green’n’Clean»-Award der Europäischen Festival Organisation Yourope ausgezeichnet und vor zwei Jahren bezeichnete eine Studie des WWF das OpenAir als «Umwelt-Champion». Verdient hat es sich diesen Titel durch verschiedene Anstrengungen: So kann es seit 2007 beispielsweise gänzlich auf Generatoren verzichten und den gesamten Energiebedarf mit erneuerbaren Energiequellen decken. Auch andere Veranstaltungen unserer Nachbarn sind nachhaltig und grün. Hierzu zählt das Paléo Festival Nyon, der Luzerner Marathon, der Engadin Ski Marathon und die Kino-Open-Air- Angebote von Orange Cinema fördern laut WWF die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr, haben fast alle ein Umweltkonzept, nutzen Ökostrom, kompensieren ihre CO2-Emissionen, setzen auf Recycling und teilweise auch auf Bio-Catering.

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Umwelt-Schutz beim Festival-Besuch: Jeder in der Verantwortung

Aber bei einer Großveranstaltung kann jeder seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Das beginnt schon zu Hause: Bevor man das Haus für einige Tage verlässt, sollten alle elektrischen Geräte ausgeschaltet werden und auch nicht im Stand-by-Modus weiterlaufen. Angereist wird am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit einer Fahrgemeinschaft. Um möglichst wenig Müll anfallen zulassen, sollte man nur das von zu Hause mitbringen, was man wirklich benötigt: Metallgeschirr kann dabei nicht schaden. Abfall, der nicht zu vermeiden ist, sollte in den dafür vorgesehenen Behältern entsorgt werden – das gilt übrigens auch für Zigarettenstummel. Wer Essen von zu Hause mitbringen will, sollte dies in Frischhalteboxen und nicht in Alufolie tun. Denn bei der Produktion von Alufolie werden pro Kilogramm Aluminium neun Kilogramm CO2 freigesetzt. Kauft man seine Verpflegung an den Essensständen, kann man sich auch für den Stand entscheiden, der richtige Teller und lokale Produkte anbietet. Und am Merchandising-Stand kann man nach T-Shirts aus fairem Handel und/oder Biobaumwolle fragen – immer häufiger wird entsprechendes angeboten. Zuhause bleiben muss also niemand. Ein Anfang ist bereits, sich nach den Events umzusehen, die ökologisch handeln und selbst vor Ort zur Tat zu schreiten.

Text: Alexa Scherrer

Informationen zu grünen Festivals und Events in Deutschland und der Schweiz:

  • Melt!-Festival, Dessau, inklusive Hotelzug-Buchung und Radanreise: meltfestival.de, 15.7. - 17.7.2001
  • Berlin Music Week: berlin-music-week.de,  7.9. - 11.9.2011
  • Alles über die nationale Plattform Green Music Initiative: greenmusicinitiative.de
  • Luzerner Marathon: lucernemarathon.ch, 30. Oktober 2011
  • Paleo-Festival, Nyon: yeah.paleo.ch, 19. bis 24. Juli 2011
  • Engadin Skimarathon, Oberengadin: engadin-skimarathon.ch, 04. und 12. März 2012
  • Orange Cinema, Bern, Zürich, Genf und Basel: orangecinema.ch, Juni bis August 2011
  • Open Air St. Gallen, St. Gallen: openairsg.ch, 30. Juni bis 03. Juli 2011
  • Ein Organisator für alle Bereiche einer klimafreundlichen Veranstaltung und Ansprechpartner von Kongresshäusern, Unternehmen und Event-Agenturen ist: mygreenmeeting.de
  • Die WWF-Studie zeigt die Gewinner und Verlierer der ökologischen Großveranstalter: www.wwf.ch
  • Finden Sie eine Mitfahrgelegenheit: mitfahrzentrale.de