1. Home
  2.  › Freizeit
  3.  › Heimat
Werden deutsche Supermärkte endlich plastikfrei?
Plastikfrei einkaufen

Werden deutsche Supermärkte endlich plastikfrei?

Endlich eine garantiert plastikfreie Supermarktkette? Leider nein! Aber der Druck auf die Supermärkte ist groß und viele gehen bereits erstaunlich Schritte, um in Zukunft möglichst plastikfrei zu sein. Wir haben uns die Nachhaltigkeitsprojekte zum Abschaffen von Plastikverpackungen mal angeschaut.

Kaum ein Lebensmittel ist heute noch unverpackt im Supermarkt erhältlich. Rund 220kg Verpackungsmüll häuft jeder Deutsche pro Jahr an, das meiste davon ist Kunststoff. Seit dem Jahr 2000 ist der Anteil von Plastikverpackungen in den Supermärkten um 74% gestiegen. Ein gewaltiges Umweltproblem, dass nicht allein von Verbrauchern gelöst werden kann. Denn wer verpackungsfrei einkaufen möchte, steht in der Regel vor einer kaum zu bewältigenden Herausforderung.  Doch was setzen die Supermarktketten der Plastikflut entgegen? Welche Nachhaltigkeitsstrategien zum Abschaffen von Plastikverpackungen laufen bereits?

Anzeige

Pilotprojekt "komplett plastikfrei" bei REWE

plastikfrei einkaufen

Ab April 2019 testet REWE in 600 Filialen umweltfreundliche Verpackungslösungen für BIO Obst und Bio Gemüse. Das Pilotprojekt läuft in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Gesucht wird dabei nach Alternativen, die die gesamte Wertschöpfungskette berücksichtigen, mit dem Ziel, mittelfristig das komplette Obst und Gemüsesortiment plastikfrei oder umweltfreundlich verpackt anzubieten. Laut Angaben von REWE können mit den Maßnahmen jährlich gut 90.000 kg Verpackungsmaterial eingespart werden, davon rund 55.000 kg Kunststoff. Bereits 2017 hatte die REWE Gruppe eine Lasertechnik als natürliches Branding von frischen Lebensmitteln getestet um unnötige Umverpackungen zu verbannen. Obst und Gemüse könnte somit in Zukunft mit wichtigen Informationen versehen werden, ohne in Geschmack oder Qualität beeinträchtigt zu werden.

Anzeige

ALDI  Offensive gegen Verpackungsmüll

Recycling

Mit dem Zielgedanken "vermeiden, wiederverwenden, recyceln" verfolgt ALDI seit 2018 eine mehrstufige Strategie zur Reduzierung von Verpackungsmüll. Komplett verschwunden sind seitdem Einwegplastiktüten an der Kasse, Kunststofftrinkhalme und Wattestäbchen mit Plastikschaft. Zudem wird die Auswahl an unverpacktem Obst und Gemüse ständig erweitert. Viele Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel mit dem Ecolabel bestehen bereits zu 100 Prozent aus recycelten Kunststoffen. Das spart jährlich mehr als 100 Tonnen Primärkunststoff ein. Bis 2022 sollen 100 Prozent aller Verpackungen des Standardsortiments recyclingfähig sein.

EDEKA - tonnenweise weniger Plastik durch Smart Branding

Auch EDEKA verzichtet bei Bio Obst und Bio Gemüse bereits weitgehend auf Plastikverpackungen. Bei vielen Obst- und Gemüsesorten kommt zudem das sogenannte "Smart Branding" als natürliche Kennzeichnung zum Einsatz, wobei lediglich Pigmente auf der äußeren Schale entfernt werden ohne die Früchte zu schädigen. Ohne jegliche Verpackung sind für den Kunden Haltbarkeit oder Herkunft trotzdem ersichtlich. Insbesondere Folien und Etiketten werden damit eingespart - langfristig bis zu 50 Tonnen Verpackungsmaterial pro Jahr.

Anzeige

KAUFLAND verbannt Mikroplastik

Bereits im letzten Jahr kündigte die Schwarz-Gruppe zu der KAUFLAND und LIDL gehören eine konsequente Nachhaltigkeitsstrategie gegen Plastikmüll an. KAUFLAND verspricht bis 2025 in allen Ländern den eigenen Kunststoffverbrauch um mindestens 20 Prozent zu senken und die Recyclingfähigkeit der Kunststoffverpackungen bei Eigenmarken zu 100 Prozent sicherzustellen. Bereits bis Ende 2019 werden zudem ausgewählte Kunststoff-Artikel ausgelistet. Für die Umwelt verzichtet KAUFLAND schon seit 15 Jahren im gesamten Eigenmarken-Drogeriesortiment auf den Einsatz von Mikroplastik.

Keine Hemdchenbeutel mehr bei REAL

REAL  tauscht aktuell Einwegplastiktüten, sogenannte Hemdchenbeutel, zum Verpacken von Obst und Gemüse gegen kostenlose, recycelte Papiertüten aus. Einweg-Papiertüten stehen jedoch als wenig akzeptable ökologische Lösung in der Kritik. Als echte Plastik-Alternative bietet REAL zudem noch waschbare Mehrwegnetze an. Nach dem kompletten Austausch ab 2020 will das Unternehmen damit bis zu 70 Millionen Kunststoffeinwegbeutel einsparen.

Tatsächlich begrüßenswert sind alle Nachhaltigkeitsoffensiven der Supermarktketten, die hier übrigens nicht in vollem Umfang aufgeführt sind. Und natürlich muss bei allen Bemühungen auch berücksichtigt werden, dass Hygiene, Frische, Kennzeichnungspflicht und Qualität gewährleistet bleiben. Daher sind auch viele Pilotprojekte als Testlauf nachvollziehbar. Das es aber auch konsequenter geht, beweist die niederländische  Supermarktkette "Ekoplaza", die seit 2018 über 700 Produkte plastikfrei anbietet und das Erfolgsmodell einer Filiale jetzt auf über 70 Filialen ausweiten will. Eine kleine Supermarktkette hat es möglich gemacht - vielleicht ein kleiner Denkanstoß für die großen "Giganten". 

Quellen: unternehmen.kaufland.de, www.edeka.de, unternehmen.aldi-sued.de, www.rewe-group.com, www.veggiesearch.de, www.zdf.de, www.real.de, netzfrauen.org, Bilder: Depositphotos/Wavebreakmedia, lightpoet, opicobello, IgorVetushko, Text: Tine Esser

Das könnte Sie auch interessieren: 

#ecowomanplastikfasten! Versucht es einmal 40 Tage plastikfrei zu leben

Anzeige