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Citizen Science Brücke zwischen Gesellschaft und Wissenschaft DNA Strang in unserer Hand
Neue Forschungskultur

Citizen Science: Forschen für eine bessere Welt

Es ist ein weltweiter Trend: Immer mehr Bürger engagieren sich als Hobby-Wissenschaftler für die gute Sache. Als emsige Helfer stellen sie ihre Zeit und ihr Wissen zur Verfügung. Ihr Engagement verändert langfristig auch die wissenschaftliche Kultur selbst. 

Wie steht es um die Luftverschmutzung in Berlin? Wie viele Vogelarten leben in Deutschland und wie kann man sie schützen? Wie viele Millionen Galaxien sind auf den Aufnahmen des Hubble-Teleskops zu sehen? Und was kann der Baum im eigenen Garten über den Klimawandel verraten?

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Immer mehr neugierige Bürger sehen es als ihre Form des gesellschaftlichen Engagements, der Wissenschaft bei der Lösung dieser Fragen zu helfen. Bei Citizen Science – auch „Bürgerwissenschaft“ genannt – greifen engagierte Bürger den Wissenschaftlern unter die Arme und realisieren Projekte, die diese alleine nicht stemmen könnten. Zum Beispiel, weil dabei so viele Daten ausgewertet werden müssen, dass nur Tausende Helfer sie gemeinsam bewältigen können. Oder weil es notwendig ist, an Hunderten Orten gleichzeitig eine Wasserprobe zu nehmen.

Aufwind durch das Internet

Als Geburtsstunde der Citizen Science gilt der „Christmas Bird Count“ in den USA, der an Weihnachten 1990 von Wissenschaftlern und Bürgerverbänden organisiert wurde. Die gemeinschaftliche Vogelzählung, die seitdem jährlich wiederholt wird, ist eine wichtige Informationsquelle über den Bestand der Vogelarten in den USA. Seit den 1990ern hat sich die Bürgerwissenschaft zu einem eigenen Zweig der Forschung entwickelt. Durch moderne Kommunikationstechnologie wie Internet und Smartphones hat das Ganze einen gewaltigen Schub bekommen – große Gruppen von Menschen auf der ganzen Welt gemeinsam an einer Aufgabe tüfteln zu lassen, das wird immer unkomplizierter und macht auch den Teilnehmern Spaß.

Eine neue Wissenschaftskultur?

Dabei ist Citizen Science keine Einbahnstraße – es geht darum, den Dialog zwischen Forschung und Gesellschaft zu stärken und den Bürgern mehr Einblick und Mitspracherecht zu gewähren. Wissenschaft wird konkret und anfassbar, was besonders für Schulklassen ein großer Anreiz ist. Vor allem im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung werden die Bürger auch in die Entwicklung von Projekten miteinbezogen und können ihre eigene Perspektive einbringen.

So wird eine Brücke zwischen Gesellschaft und Wissenschaft geschlagen, die eine neue, offene Forschungskultur entstehen lässt. Dass ein leidenschaftlicher Hobbyexperte sich über sein Engagement in der Citizen Science in einer professionellen Stelle im wissenschaftlichen Bereich wiederfindet, ist hier schon längst keine Seltenheit mehr. Der wissenschaftliche Betrieb wird offener und partizipativer. Einige erhoffen sich dadurch auch einen ethischen Wandel – weg von den Forschungsthemen, die von Industrie und Wirtschaftslobby bevorzugt gefördert werden, hin zu Themen, die für Natur und Gesellschaft relevanter sind.

Mitmachen ist leicht gemacht

Eine Aktion, die in Deutschland seit zehn Jahren zu einem modernen Klassiker der Bürgerwissenschaft geworden ist, ist die „Stunde der Gartenvögel“ des Naturschutzvereins NABU. Dieser ruft jedes zweite Maiwochenende im Jahr dazu auf, eine Stunde lang die Vögel im eigenen Umfeld zu klassifizieren und zu zählen. In den letzten Jahren sind rund 45.000 Menschen diesem Aufruf gefolgt.

Viele weitere Aktionen, spannende Projekte und Mitmach-Programme für alle Interessensgebiete und Altersstufen versammelt die Plattform buergerschaffenwissen.de. Hier kann man sich über Citizen Science in Deutschland schlaumachen, bei Aktionen mitmachen, und als Projektinitiator sogar eigene Projekte einstellen und Mitstreiter suchen.

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Quelle: Seo2b, Bild: Seo2b, Text: red