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Living Planet Report 2012 des WWF.

Living Planet Report des WWF: Wir leben über unsere Verhältnisse

Der Living Planet Report 2012 des WWF fasst es so einfach wie dramatisch zusammen. Wir leben über unsere Verhältnisse. Denn, alle Zahlen die mit dem Menschen und seinem Bedarf zu tun haben, mit Lebensmitteln, Wasser, Energie oder CO2-Ausstoß steigen, alle Zahlen, die mit Natur oder Artenvielfalt zu tun haben, sinken. Wovor die Menschheit regelmäßig die Augen verschließt.

"Macht die Menschheit so weiter, benötigen wir bis zum Jahr 2030 zwei Planeten, um unseren Bedarf an Nahrung, Wasser und Energie zu decken. Bis zum Jahr 2050 wären es knapp drei", mahnt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland. "Umweltkatastrophen, Lebensraumzerstörungen, Artenschwund und Wasserknappheit sind die dramatischsten Folgen dieser Entwicklung", erklärt Brandes. Wir leben einfach über unsere Verhältnisse, das ist das vernichtende Ergebnis des Living Planet Reports 2012.

Problemfall: Tierreich

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Die weltweite Überwachung von 9000 Populationen von knapp 2700 Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen zeigt dagegen eine drastische Reduzierung der Tierbestände. Die Bestände schrumpften weltweit und seit 1970 um durchschnittlich 30 Prozent, in tropischen Regionen – zu Lande wie zu Wasser - durchschnittlich sogar um über 60 Prozent. Die Artenvielfalt in Seen und tropischen Flüsse hat sich sogar um 70 Prozent reduziert. Einzelfälle wie Tigerpopulationen oder Kabeljaubestände sehen noch schlechter aus. So gibt es laut Living Planet Report 2012 nur noch geschätzte 3.500 von ehemals 100.000 Tigern oder 74 Prozent weniger Kabeljau, hier auf 50 Jahre gerechnet. Zahlreiche Tierarten sind laut WWF-Untersuchungen vom Aussterben gefährdet – Beispiel: Flussdelfine -, rund 30 Tierarten alleine in einem Jahr völlig ausgerottet.

Problemfall Mensch: Lebensmittel, Verstädterung und Atmosphäre

Verbraucht die Menschheit weiterhin so viel Energie, Wasser oder Lebensmittel, so benötigen wir schon im Jahre 2030 rein rechnerisch einen zweiten Planeten. Hält die rasante Entwicklung des Ressourcenverbrauchs darüber weiterhin an, so ist bis 2050 sogar ein dritter Planet nötig. Selbst heute sind bereits 1,5 Planeten nötig, um unseren Bedarf zu decken und beispielsweise den CO2-Ausstoss zu kompensieren.  Das Problem ist vielschichtig. Zum einen wächst die Weltbevölkerung kontinuierlich, nach Berechnungen des aktuellen Report 2052 des Club of Rome bis 2042 auf über 8 Milliarden Menschen. Und diese wollen ernährt werden, wollen in Städte ziehen und Luxus genießen. 2050 werden zwei von drei Menschen in Städten leben. Das benötigt Energie, verbraucht Flächen oder verursacht mehr klimaschädliche Emissionen.

Der Mensch verschwendet zudem viel zu viel Lebensmittel. Alleine in Deutschland werden 21 Prozent noch genießbarer Nahrung weggeworfen. Gleichzeitig, so der Living Planet Report 2012, ist der Verbrauch von Flächen für die Tierzucht, aber genauso für den Lebensmittelanbau, schon jetzt zu hoch. Ganz abgesehen von der weltweiten Vernichtung von guten Nahrungsmitteln bereits in der Produktion. Die Kartoffel ist zu klein, die Tomate nicht rot genug, Nutztiere wie Rind und Huhn sind nur für Filets auf den Weiden. 30 bis 50 Prozent Fleisch eines Nutztiers wird aufgrund unserer Essgewohnheiten einfach weggeworfen, bestenfalls zu Tierfutter. Unterpflügen und Wegwerfen - bei Lebensmitteln trauriger Alltag. Somit seien laut Living Planet Report 2012 alleine für die Lebensmittelproduktion bereits in 18 Jahren rein rechnerisch zwei Planeten nötig, wolle man ein natürliches Gleichgewicht aufrechterhalten.

Auch beim Klima sieht es nicht besser aus, betrachtet man die Zahlen des aktuellen Living Planet Reports. Nord- und Südpol schmelzen, denn die Treibhausgase sorgen für eine massive Erderwärmung. Experten gehen daher davon aus, dass der Meerespiegel bis Ende dieses Jahrhunderts um einen Meter steigen wird, gleichzeitig vermehrt Dürregebiete entstehen. So werden Inseln wie Samoa verschwinden, Umweltkatastrophen zunehmen und Hungersnöte durch Dürren wie aktuell in Afrika weiter auf dem Vormarsch sein.

Das größte Problem ist: Während Deutschland und ein paar andere Länder verstärkt auf erneuerbare Energien setzen, auf sparsame Autos oder den öffentlichen Personennahverkehr, werden in anderen Ländern Kohlekraftwerke gebaut, oder in aufstrebenden Ländern wie China oder Indien immer mehr Autos zugelassen. Ein deutlicher Anstieg von Klimagasen ist die Folge.

Weitere Problemfälle: Ozeane und Meere, Wälder und Tierreich

Es wird mehr und mehr gefischt, damit sind die Fischbestände drastisch gefährdet. Aufgrund der intensiven Fischerei sind alleine in Europa drei von vier Fischbeständen – und damit nicht nur der Kabeljau - bereits überfischt. 

Auch den Wäldern geht es nicht gut. Denn jede Minute wird eine Fläche in der Größe von 35 Fußballfeldern gerodet, und, was wiederum extrem dem Klima schadet, oftmals einfach abgebrannt. Nicht nur für Holz- und Papierprodukte, sondern vielfach, um begehrtes Palmöl zu gewinnen. Denn Palmöl steckt in 50 Prozent aller Produkte im Supermarkt; vom Lippenstift über das Wasch- oder Putzmittel bis hin zur Tiefkühlpizza.

Wasser, auch hier herrscht gemäß dem Living Planet Report Knappheit. Zum einen geht die moderne Landwirtschaft mehr und mehr dazu über, die Felder künstlich zu bewässern – auch weil in zu trockenen Gebieten Felder und Plantagen sind – zum anderen verbraucht die Menschheit zu viel Wasser. Mit steigender Tendenz. Bereits heute leiden laut dem WWF-Bericht 2,7 Milliarden Menschen die an großen Flüssen leben mindestens einen Monat im Jahr unter Wasserknappheit.

Ein Video des WWF fast alle Fakten nochmals zusammen und präsentiert sinnvolle Verbesserungs- und Einsparungsvorschläge, um die Welt zu einem besseren Lebensraum zu machen:

Alle Zahlen und Fakten des Berichts finden Sie unter: WWF-Report Living Planet 2012.

Text: Jürgen Rösemeier