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Gegen den Klimawandel: Mammutbäume als große CO2-Speicher.

Klimawandel: Gigantische Mammutbäume als CO2-Speicher

Der Klimawandel ist in aller Munde. Weltweit steigender Energiebedarf und Individualverkehr sowie Waldabholzung erhöhen den CO2-Ausstoß. Der Umstieg auf erneuerbare Energien ist ein Weg zur Reduktion. Amerikanische Forscher gehen einen anderen. Sie wollen Mammutbäume gegen den Klimawandel pflanzen.

Sie heißen Redwoods oder Giant Sequoias: Die Baumriesen aus dem Westen der USA sind Spitzenreiter in der CO2-Speicherung. Wissenschaftler sind sich sicher: Werden ihre Klone weltweit gepflanzt, könnten sie den Klimawandel und damit die globale Erwärmung bremsen.

Sie sind älter und größer als jedes andere Lebewesen auf der Erde. Geht es nach einer Umweltgruppe aus dem US-Staat Michigan, sollen sie nun auch das Weltklima retten: Redwoods und Giant Sequoias, die Baumriesen von der Westküste der USA, sind Spitzenreiter im Speichern des Treibhausgases CO2. Ziel der Umweltgruppe ist es, Kopien der Mammutbäume zu produzieren, um sie auf der ganzen Welt anzupflanzen um somit CO2 zu speichern. Das die Bäume überall wachsen können, zeigen vereinzelte Exemplare beispielsweise in Parks weltweit und ihr natürliches Vorkommen im warmen Kalifornien oder dem rauen Nordwesten der USA.. Zumal es jetzt zum ersten Mal gelungen ist, aus den ältesten, größten und widerstandsfähigsten Mammutbaum-Exemplaren geklonte Nachfahren zu züchten.

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Initiator dieser Aktion gegen den Klimawandel und für die CO2-Speicherung ist David Milarch, Baumzüchter aus dem US-Staat Michigan. Gemeinsam mit der engagierten Geschäftsfrau Leslie Lee gründete er 2008 das Archangel Ancient Tree Archive, ein Archiv für altertümliche Bäume. «98 Prozent unserer Urwälder sind abgeholzt oder auf andere Weise vernichtet worden», sagt Milarch. «Von den restlichen zwei Prozent sichern wir das Erbmaterial der besten Exemplare für die Nachwelt.» Das zweite Ziel sei es, «diese Wälder wieder aufzuforsten und weltweit möglichst viele Klone zu pflanzen, damit sie die Luft reinigen, das Wasser filtern und die globale Erwärmung bremsen».


Die kleinen Mammutbaum-Setzlinge werden bis zu 3000 Jahre alte CO2-Speicher.

Die kleinen Mammutbaum-Setzlinge werden bis zu 3000 Jahre alte CO2-Speicher.

Wissenschaftlichen Rat für dieses Klimawandel-Projekt holt sich das Archangel-Team bei William Libby, einem pensionierten Forstgenetiker der kalifornischen Berkeley-Universität. An sich ist die Pflanzenvermehrung durch Klone gang und gäbe, in der Landwirtschaft etwa oder bei Orchideenzüchtern. Doch in diesem konkreten Fall der Mammutbäume bestehe zumindest ein ähnliches Problem wie beim Klonen von Tieren oder von menschlichen Stammzellen, erläutert Libby: «Je älter der Spender-Organismus, desto instabiler und kurzlebiger der Klon. Bis zu 3000 Jahre alte Bäume sind da eine echte Herausforderung.»

Arboristen, also Baumpfleger, wie David Milarchs Sohn Jake klettern deshalb bis in die Spitzen der ältesten Mammutbäume, um die jüngsten Triebe zu kappen. Und das obwohl große Redwoods mehr als 100 Meter hoch werden. Selbst aus den mächtigen Stümpfen solcher Giganten lässt sich gutes Erbmaterial erzeugen, wie der Wissenschaftler Libby betont: «Aus ihnen sprießen noch immer neue Triebe. Deren DNA ist identisch mit der des alten Baumes - aber eben ganz jung.»

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Von diesem Punkt an ist das Klonen der Pflanzen einfacher als bei tierischen oder menschlichen Zellen: Aus den Triebspitzen, gut einen halben Zentimeter lang und nicht dicker als ein Pfeifenreiniger, werden in speziellen Nährlösungen Wurzeln gezogen. Und so wachsen seit diesem Frühjahr zum Beispiel die ersten 16 Klone des «Stagg Tree», des fünftgrößten lebenden Baums der Welt aus dem kalifornischen Giant-Sequoia-Nationalpark, im Gewächshaus der sich gegen den Klimawandel und die CO2-Speicherung einsetzenden Archangel-Organisation.

Gegener erheben den Vorwurf, die geklonten Bäume würden Monokulturen erzeugen. Diesem Argument aber setzt die Umwelt-Gruppe entgegen, das stets eine Mischung verschiedener Klone gepflanzt würde. Dazu kämen noch Setzlinge, die aus Samen gewachsen seien. «Solche Mischwälder sind widerstandsfähiger als natürlich gewachsene Wälder», argumentiert der Wissenschaftler Libby. Auch dass exportierte Redwoods und Giant Sequoias heimische Pflanzen verdrängen könnten, sei nicht zu befürchten. Der beste Beweis: Seit es im 19. Jahrhundert in Europa Mode wurde und viele Parks mit exotischen Bäumen aus aller Welt angelegt wurden, wachsen einzelne Exemplare bereits in aller Welt - auch an vielen Stellen in in Deutschland. Doch nirgends seien sie zur Plage geworden, sagt Libby: «Keine von beiden Arten neigt zur aggressiven Verbreitung.»

Langlebige Bäume für den Klimaschutz

Als nächstes Projekt für den Klimaschutz und die CO2-Speicherung will das Archangel-Team Erbmaterial der hundert langlebigsten Baumarten in der ganzen Welt sammeln, archivieren und Bäume hieraus züchten, vom afrikanischen Affenbrotbaum bis zur großen Libanon-Zeder. Ziel sei es, großen Spendern dieser Umweltinitiative je eine Palette solcher langlebigen Bäume als Geschenk zu übergeben, um diese in öffentlichen Parks, auf Firmengeländen oder auch Privatgärten auszupflanzen. Sozusagen, ein Starter-Kit für den Stopp des Klimawandels und zu einer verbesserten CO2-Speicherung. Auch der Verkauf von Baumklonen sei geplant, sagt der Aktivist Milarch. «Wir wollen keinen Profit machen», betont Leslie Lee. «Aber ohne Geld können wir unsere Arbeit nicht fortsetzen. Bekommen wir genug Spenden, geben wir die Bäume gerne gratis ab.»


Quelle: www.n-tv.de, Text: Jürgen Rösemeier