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Wild Apfel: Baum des Jahres 2013

Fast vergessene Schönheit: Wild-Apfel ist Baum des Jahres 2013

Soeben wurde einer der hart im Nehmen ist zum Gewinner des Jahres erklärt. Genauer: Die Baum des Jahres Stiftung hat  in Berlin den von einer Expertenjury vorgeschlagenen Wild-Apfel, Malus sylvestris, zum „Baum des Jahres 2013" ausgerufen. Damit wurde zum 25. Male ein Baum des Jahres verkündet. Was so besonders an dem seltenen Wild-Apfel ist und warum sein Holz bei Tischlern so begehrt ist.

Anders als bei der Birne ist der europäische Wild-Apfel nicht die Stammform des Kultur-Apfels. Denn dieser stammt von asiatischen, süßeren Wildarten ab und wurde schon vor über 2.000 Jahren kultiviert. Die Früchte des Wild-Apfels sind klein, kugelförmig, meist grün bis gelbgrün und ohne Vertiefungen an Stiel oder Kelch. Sie sind herb und hart - daher auch der bezeichnende Zweitname „Holz-Apfel".

Der Wild-Apfel ist ein Klimakünstler und ist hart im Nehmen. Er kann in fast ganz Europa wachsen, bis auf Regionen im nördlichen Skandinavien und Teile Spaniens und Griechenlands. Allerdings ist er wegen seines Lichtbedarfs und seiner geringen Höhe von maximal zehn Metern sehr konkurrenzschwach. Deshalb ist er einer der seltensten Bäume Deutschlands; er kommt fast nur an Waldrändern und -wegen oder in Gehölzinseln außerhalb des Waldes vor. Seine Blütezeit gleicht denen anderer Obstarten und findet von Ende April beziehungsweise Anfang Mai statt, wobei oft nur Teile der Krone von den rosa leuchtenden, später weißen Blüten erfasst werden. Kurios: Im nächsten Jahr sind dann die anderen Äste mit der Blüte dran.

Alt wird der Wild-Apfel nicht vermuten Fachleute. Wahrscheinlich liegt das Höchstalter bei etwa 100 Jahren, damit aber immerhin fast doppelt so hoch wie beim veredelten Kultur-Apfel. Da die Stämme im Alter meist hohl sind, ist allerdings das genaue Alter kaum zu ermitteln. Zumal der Baum aufgrund seines guten Ausschlagvermögen „aus dem Stock" zumindest im Wurzelbereich 1.000 Jahre oder mehr erreichen könnte.

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Wild Apfel: Baum des Jahres 2013

Die Blütezeit des Wild-Apfels folgt den anderen Obstarten Ende April/Anfang Mai. (c) Roloff/DGS

Bedeutung für die Ökologie

Abgesehen von einer ausreichenden Lichtmenge ist der Wild-Apfel ein anspruchsloser Genosse; er kommt mit nährstoffarmen und auch mit recht trockenen Böden gut zurecht, sogar auf sonnigen Abhängen und auf Felsschutt ist er zu finden - ganz im Gegensatz zum Kultur-Apfel, der vergleichsweise eher ein Primadonnendasein führt. Die Früchte sind bei Wild, Kleinsäugern und Vögeln beliebt, die Blüten ein wahrer Magnet für Bienen und Hummeln. Auf den alten, hohlen Stämmen siedeln sich Pilze wie Feuerschwamm und Zottiger Schillerporling gerne an.

Mythologie des Apfels

Der Apfel spielt in allen eurasischen Kulturen eine Rolle, allerdings ist hier immer der großfruchtige Kultur-Apfel gemeint, nicht speziell der Wild-Apfel. Er ist Symbol der Liebe, der Sexualität, der Fruchtbarkeit und des Lebens, der Erkenntnis und Entscheidung sowie des Reichtums. Mit ein Grund dafür, dass der Apfel in zahllosen Märchen auftaucht und in Mythen und Ritualen eine besondere Rolle einnimmt. 

Bei den Babyloniern war es die Göttin Ischtar, die mit dem Symbol des Apfels verehrt wurde, bei den Griechen Aphrodite und bei den Germanen Idun. Die Vertreibung aus dem Paradies ist mit dem Apfel verbunden, der trojanische Krieg begann mit einem Apfel, auch der „Reichsapfel" der deutschen und anderer Kaiser und Könige weist auf die Bedeutung dieser Frucht hin. Der Apfel trägt das Leben in sich („an apple a day keeps the doctor away"), damit aber auch den Tod: Schneewittchen wird mit einem Apfel in ein Koma versetzt. Luther soll gesagt haben: „Wenn ich wüsste, dass morgen der Jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen." Und wenn man auf die Ähnlichkeit von Eltern und Kindern hinweisen möchte, heißt es „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm".

Bei Tischlern hoch begehrt

Wild-Apfelbäume haben meist krumme, dünne Stämmchen - oder sie sind hohl. Aufgrund dessen und auch wegen seiner Seltenheit ist das Holz des Wild-Apfels sehr begehrt. Zumal sein interessanter, rötlich-brauner Kern Kunsttischler zu schönen Skulpturen wie den gezeigten Apfel anregt.

Baum des Jahres 2012 war ein so genannter Pionierbaum, die Lärche.

Wild Apfel: Baum des Jahres 2013

Das Holz des Wild-Apfels ist wegen seines interessanten, rötlich-braunen Farbe bei Tischlern hoch begehrt. (c) Roloff/DGS

Quelle: Die Grüne Stadt, Text: Jürgen Rösemeier