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Kaffeeanbau
Kaffeeanbau

Wo man die Plantage vor lauter Bäumen nicht sieht

Kaffeesträucher, Bananenstauden, Schattenbäume – alles auf einem Feld. Dazwischen zwitschernde Vögeln, krabbelnde Insekten und bunte Chamäleons. Ein paradiesisches Bild? Und wie! Leider nicht selbstverständlich in Burundi. Dieses noch seltene Erfolgsrezept, nach dem hier gewirtschaftet wird, hat einen Namen: Agroforst. Es sorgt für ein besseres Mikroklima, mehr Artenvielfalt, gesündere Böden – und bringt Kleinbauernfamilien mehr Sicherheit. Dafür sorgt der Öko-Verband Naturland als Vorreiter im internationalen ökologischen Kaffeeanbau.

Kaffeekirsche

Jede Kaffeekirsche wird einzeln per Hand gepflückt.
 

Alles kahl. Und das in einer Region, in der es neun Monate pro Jahr regnet. In Burundi, wo viel Kaffee angebaut wird, gab es zeitweise kaum noch Bäume. Alles abgeholzt. Da die Regierung Mischanbau verboten hatte, benötigten die Menschen für jede Frucht ein eigenes Feld. Auch zwischen den Kaffeepflanzen durften keine anderen Bäume mehr wachsen. Mit verheerenden Folgen: Monokulturen zerstörten die Böden, Wasserverschmutzung durch Pestizide sowie Verarmung der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Zum Glück ändert sich das seit einigen Jahren. Der Öko-Verband Naturland begleitet zahlreiche Kooperativen in Ostafrika bei der Umstellung von konventionellem auf ökologischen Kaffeeanbau. Dabei wird vor allem auf Agroforst gesetzt.

Agroforst

Aufbau eines Agroforstsystems.

Das nachhaltige Anbausystem orientiert sich am natürlichen Stockwerk-Aufbau des Regenwaldes. Zwischen Kaffeesträuchern werden Schattenbäume gepflanzt, mindestens zwölf unterschiedliche und standortgerechte Arten von nährstoffbindenden Bäumen wie Nutzholzgewächsen bis hin zu Bananen-, und Obstbäumen müssen es sein. Die Vielfalt an Pflanzen bringt zahlreiche Vorteile für das gesamte Ökosystem – und auch für die Menschen. Denn neben den Kaffeekirschen können die Kleinbauern und -bäuerinnen auch Bananen, Mangos, Avocados, Kürbisse sowie Heilpflanzen ernten und auf den Märkten in der Nähe verkaufen. Außerdem profitieren sie davon, dass Naturland auch nach den Regeln des Fairen Handels zertifiziert:  Somit bekommen die Erzeuger statt dem aktuellen Börsenpreis einen fest vereinbarten Mindestpreis für den Kaffee bezahlt. Neben der finanziellen Unabhängigkeit der Kleinbauernfamilien sorgt dieses landwirtschaftliche Konzept vor allem auch für mehr Artenvielfalt und Klimaschutz. Das Laub der Bäume wirkt als natürlicher Dünger, fördert die Humusbildung und schützt vor Bodenerosion und Austrocknung. Nützlinge wie Vögel, Insekten und Chamäleons siedeln sich wieder an und halten Schädlinge in Schach, so dass kein Chemie-Einsatz nötig ist. Ökologische Agroforst-Systeme binden zudem nachweislich mehr CO2.

Kaffeebäuerin Tansania

Weltweit bauen über 30.000 Naturland Bauern und Bäuerinnen auf mehr als 26.000 Hektar Öko-Kaffee in Agroforst an. Das Naturland Fair Zeichen garantiert, dass der Kaffee aus dem naturverträglichen Anbau stammt und die Menschen vor Ort eine gerechte Entlohnung für ihre Arbeit erhalten.

Quellen: Bilder: Naturland, Text: red