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Flug kompensieren: bringt das was?
CO2-Kompensation

CO2-Kompensation: Mehr als Ablasshandel für Klimasünder?

Flugscham: Wer sonst darauf achtet, umweltfreundlich zu leben und den ökologischen Fußabdruck klein zu halten, hat am Flughafen schnell ein schlechtes Gewissen. Anbieter, die das durch Flugreisen ausgestoßene CO2 kompensieren, ist deswegen ganz groß im Kommen. Bereits im ersten Halbjahr 2019 sind solche Kompensationen im Vergleich zum gesamten Vorjahr um 400 % angestiegen. Doch ist eine Kompensation für Reisen wirklich sinnvoll oder beruhigt sie nur das schlechte Gewissen? 

Die Treibhauswirkung von Flugreisen

Unser tägliches Leben schlägt in Deutschland jährlich mit elf Tonnen CO2 pro Person zu Buche. Um die internationalen Klimaziele zu erreichen, muss dieser Wert drastisch sinken. Neben Heizen und Konsum steht die Mobilität und dabei vor allem das Fliegen in der Kritik. Denn die hierbei ausgestoßenen Treibhausgase sind besonders potent. Stickoxide, Aerosole und Wasserdampf sorgen dafür, dass die Treibhauswirkung beim Fliegen zwei- bis fünfmal höher ist als die der reinen CO2-Emission.

Gleichzeitig lässt sich das Fliegen kaum noch aus unserem Leben wegdenken. Dabei geht es nicht nur um den klassischen Sommerurlaub (übrigens: zwei Wochen auf Mallorca produzieren etwa so viel CO2 wie ein Jahr lang Auto zu fahren). Immer häufiger müssen wir auch beruflich fliegen oder haben Familie am anderen Ende der Welt, die wir verständlicherweise besuchen möchten. CO2-Kompensation wird deswegen für viele umweltbewusste Reisende immer interessanter.

Reisen kompensieren: So funktioniert‘s

Es gibt verschiedene Anbieter für CO2-Kompensation im Netz. Stiftung Warentest hat kürzlich Atmosfair, die Klima-Kollekte und PrimaKlima als besonders nachhaltig und transparent ausgezeichnet. Doch wie funktioniert die Kompensation? Wirklich vertrauenswürdige Organisationen bieten die Möglichkeit, Emissionen genau zu berechnen (z. B. Start- und Zielflughafen, Sitzklasse, Flugzeugtyp). Daraufhin kann man ein sogenanntes Ausgleichszertifikat erwerben. Mit dem gespendeten Betrag unterstützen die Organisationen dann ausgewählte Klimaschutzprojekte rund um die Welt.

  1. Aufforstung

Wälder spielen eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Klimawandel, denn sie können große Mengen an CO2 speichern und bieten zahlreichen Tierarten einen sicheren Lebensraum. Deswegen kann man über Organisationen wie PrimaKlima in Aufforstungsprojekte investieren. Jedoch stehen solche Konzepte auch in der Kritik: Die positive Klimabilanz von Bäumen hält nur solange an, wie diese nicht abbrennen oder vermodern. Dann wird das darin gespeicherte CO2 wieder freigesetzt.

Aufforstung als Flugkompensation

  1. Energiewende

Bei Anbietern wie Atmosfair stehen hingegen Energieprojekte im Fokus. Das Prinzip: Das ausgestoßene CO2 wird an anderer Stelle eingespart. Dies geschieht beispielsweise durch die Förderung von Windparks in Nicaragua oder effizientere Öfen in Indien.

  1. CO2-Filter

Eine neue und bisher nicht ausführlich erforschte Methode der Emissionsreduktion sind CO2-Filter. Das Unternehmen Climeworks hat eine Technologie entwickelt, die CO2 aus der Luft filtert und an sicherer Stelle unter die Erde pumpt, wo es mit Basalt reagiert und zu Stein wird. Mit einem monatlichen Abo fördert man den Betrieb der Anlage in Island und die Weiterentwicklung der Technologie.

Fliegen für die Umwelt? Die Gefahr von CO2-Kompensation

Mit der Bahn fahren statt fliegen

Das Fliegen zu vermeiden ist nach wie vor besser als kompensiertes Fliegen 

Wie man seine Emissionen kompensieren möchte und auf welches Konzept man dabei setzt, ist also schon eine Überlegung wert. Aber Kompensation hin oder her, man darf dabei nicht vergessen: Fliegen ist nie gut für die Umwelt, kompensiertes Fliegen ist nur weniger „schlecht“ als nicht-kompensiertes. Die genannten Angebote dürfen kein Anreiz sein, noch mehr zu fliegen. Denn sie können nur die Konsequenzen von unvermeidbaren Flügen abfedern. Es gilt also weiterhin: Alle unnötigen Flüge vermeiden und stattdessen lieber die Bahn oder auch das Auto nehmen. Langsames Reisen dauert zwar ein bisschen länger, macht aber oft sogar mehr Spaß. Spannende Tipps zum nachhaltigen Reisen gibt es hier.

Quellen:, Bilder: Depositphotos/d.travnikov, EdwardSV, HotPhotoPie, Text: Julia Lucas

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